Skurrile Cover der Rockwelt: Warrant

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Skurrile Cover der Rockwelt: Warrant

Oberflächliche Betrachter mögen sich nach einem allzu hastigen Blick auf das Cover-Motiv vielleicht fragen, wer denn dem Kanzler der Einheit all die Geldscheine hinter die Löffel geklemmt hat, aber das ist die völlig falsche Fährte. Wie das 1990 veröffentlichte Video-Album DIRTY ROTTEN FILTHY STINKING RICH der US-Glamrocker Warrant enthüllte, handelte es sich bei dem feisten Herren um einen gewissen „Cashly Guido Bucksley“, der im Jahr zuvor vom Illustrator Mark Ryden für das Debütalbum der Band kreiert worden war.

Nun gab und gibt es nicht allzu viele Hollywood-Bands mit klassenkämpferischen Ambitionen, aber immerhin entsprach Mr. Bucksley dem Klischeebild, das sich 15-jährige Teenies vom profitgeilen Kapitalisten machten, der ihre Lieblings-Skaterbahn durch ein Einkaufszentrum ersetzen will. Denn machen wir uns nichts vor: Das Porträt des stinkreichen und dafür minder wohlriechenden Geldsacks ist derlei plakativ, dass es fast schon wehtut. Jede Menge Cash, protzig beringte Finger, goldene Uhr und eine Zigarre, die in eine Hundertdollarnote gewickelt ist – alles dabei! Dazu ein hämisch-selbstgerechter Blick – bingo! Fertig ist der Klassenfeind!


Als Karikatur, also bewusste Überspitzung, ist das natürlich statthaft, nicht ganz so überzeugend mutet allerdings das dentale Katastrophengebiet des sabbernden Gierhalses an, denn Typen dieses Formats legen gemeinhin Wert auf ein makelloses Blendax-Lächeln. Vor allem in Hollywood. Aber egal. Ein anderer Aspekt dieses Artworks ist relevanter: Wer’s mit der Überspitzung derart übertreibt, degradiert Herrn Bucksley zur reinen Comic-Figur, die man eklig findet aber nicht sonderlich ernst nehmen muss. Sollte man aber. Denn er ist womöglich der Typ, der morgen ihre Miete verdoppeln wird. Aber jetzt schalten wir wieder einen Gang zurück und stellen fest, dass es sich nur um ein Plattencover handelt. Einst entworfen, um eine Scheibe vor Kratzern zu schützen. Und in dieser Hinsicht gilt: volle Punktzahl.

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