Rückblende: Yes – ›Owner Of A Lonely Heart‹

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Rückblende: Yes – ›Owner Of A Lonely Heart‹

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Horn wiederum behauptet, die erste Zeile „Move yourself!“ stamme von ihm und sei das Ergebnis einer spätnächtlichen Schreibses­sion. Er habe auch vorgeschlagen, den Klangeffekten mit einem Synclavier und einem Fairlight-Sampler mehr Biss zu verleihen. Des Weiteren sagt er, Anderson habe sich „ziemlich abfällig“ über den Song geäußert, als er zum Line-up stieß, und die Strophen umgeschrieben, bevor er sie sang. „Zum ersten Mal hörte ich ›Owner Of A Lonely Heart‹ in Chris Squires Bentley vor meinem Haus“, erinnert sich der Sänger. „Ich dachte nur: ‚Das ist verdammt gut‘. Die Produktion war in vielerlei Hinsicht ein Durchbruch. Aber die Strophen waren ziemlich gewöhnlich. Die habe ich tatsächlich alle geschrieben, die erste mit Trevor Rabin, den Rest mit Trevor Horn. Jeder wollte seine Finger in dem Brei stecken haben.“

Und als ›… Lonely Heart‹ endlich fertig war, war daraus ein recht eigenartiger Brei geworden: muskulöse Anfangsakkorde, feinsinnige Harmonien im Refrain, Breakbeat-Sprengsel, neuartige Klangeffekte und ein Gitarrensolo in der Mitte, das Rage Against The Machines Tom Morello vom Griffbrett gefallen hätte sein können.

Während Arista den Song zunächst ablehnten – Boss Clive Davis sagte Rabin angeblich, er sei „zu seltsam und würde kein Hit werden“ –, hatte man beim Atlantic-Ableger Atco mehr Vertrauen darin. „Die Plattenfirma hatte schon gesagt, dass es zur Nr. 1 werden würde und sie es mit allen Mitteln finanzieren würden“, so Anderson. „Yes spielten lange Stücke, wir machten keine Musik fürs Radio. Aber ich dachte: ‚Na ja, ich habe noch nie versucht, einen Hit zu landen. Wieso nicht diesmal?‘“

Ein Vabanquespiel, das sich auszahlen sollte. Als ›Owner Of A Lonely Heart‹ im Oktober 1983 erschien, wurde es zu einem veritablen Welthit, erreichte u.a. Platz 28 in Großbritannien, Platz 10 in Deutschland und sogar die Spitzenposition in den USA. Diese einst als esoterisch geltende Band war über Nacht zu unwahrscheinlichen Stars der MTV-­Heavy-Rotation avanciert. „In der ersten Woche unserer Tour sah ich mir den Film ‚Spinal Tap‘ an“, erinnert sich Anderson an jenen Moment, in dem er seinen Mainstream-Status akzeptierte. „Sie zeigten diese Idee, dass wenn man in einer Band ist, die einen Hit hat und vor Tausenden auf der Bühne steht, dies seine Daseinsberechtigung hat und kreativ relevant ist. Just go for it! Und ab da liebte ich es.“

Doch ›… Lonely Heart‹ war weit mehr als ein kommerzieller Erfolg, sondern erwies sich auch als äußerst einflussreich. Es brachte immer wieder neue Generationen von Fans zu Yes, wurde von Künstlern wie Michael Jackson gesamplet und sogar bei den Simpsons erwähnt. Selbst heute, wenn die überlebenden Mitglieder von Yes es in ihren diversen Bands spielen, hat es nichts von seiner Brillanz verloren. „Ich denke, es ist sehr gut gealtert“, so Anderson. „Es klingt überhaupt nicht angestaubt. Ich singe es immer noch auf der Bühne, weil es mir Freude bereitet und die Leute es hören wollen. Es ist ein toller Song.“

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