Das letzte Wort: Rick Wakeman über Yes, Bowie und seine Söhne

Rick Wakeman InterviewAus dem sensationellen Keyboarder-Dreigestirn, das in den 70er-Jahren in­­ternationale Rockmusikgeschichte geschrieben hat, ist der Engländer Rick Wakeman der letzte Überlebende. Vor ihm gegangen sind bereits seine Landsleute, Deep Purples Jon Lord und Keith Emerson vom genialen Trio Em­­erson, Lake & Palmer. Der 69-jährige Wakeman er­­freut sich gottlob nicht nur bester Gesundheit, sondern fügt seinem enorm großen Arsenal an Veröffentlichungen auch heute noch ständig neue Exponate hinzu. Und die zeigen: Wakeman hat nichts verlernt!

Rick, hast du angesichts diverser namhafter To­­desfälle, auch in deinem persönlichen Umfeld, das Gefühl, dass die Einschläge immer näher kommen?
Oh ja, absolut. David Bowie, Keith Emerson, Jon Lord, Lemmy und Chris Squire: Man wird sich auf drastische Weise seiner eigenen Sterblichkeit be­­wusst. Bei Chris war es zudem völlig unerwartet. Man spürt also, dass es einen jederzeit erwischen kann.

Ist es für dich daher tröstlich und ein schönes Gefühl, gleich zwei Söhne zu haben, die in deine musikalischen Fußstapfen getreten sind?
Ja, natürlich. Ich bin megastolz auf Oliver und Adam. Sie sind ganz wundervolle Söhne und nicht nur talentiert, sondern auf ihre Sachen sehr fokussiert. Was mich aber am meisten freut: Sie machen ihr eigenes Ding, haben beide eine eigene musikalische Handschrift entwickelt und müssen sich hinter dem Schatten ihres Vater nicht verstecken.

Seht ihr euch regelmäßig?
Adam sehe ich leider nicht ganz so häufig, aber Oliver und ich treffen uns oft. Das Verhältnis ist aber zu beiden Jungs gleichermaßen gut.

„David Bowie, Keith Emerson, Jon Lord, Lemmy und Chris Squire: Man wird sich auf drastische Weise seiner eigenen Sterblichkeit be­­wusst.“

Erinnern die beiden dich an deine Ju­­gend, als alles neu und aufregend war? In den 70ern warst du mit Yes ja der absolute Superstar.
Das stimmt, und an diese Zeit erinnere ich mich auch immer noch sehr gerne. Weißt du, wir hatten ja im Grunde genommen überhaupt keine Ahnung, was wir da damals machten. Es kam einfach so aus uns heraus. Die Alben FRAGILE und CLOSE TO THE EDGE, also die beiden wichtigsten Veröffentlichungen von Yes, waren im Grunde genommen das Ergebnis eines hemmungslosen Ex­­perimentierens, mit den technischen Möglichkeiten, die sich uns damals eben boten. Für mich stellen die Jahre 1972 bis 1974 die goldene Ära des Prog Rocks dar. Synthesizer waren neu, es gab unendlich viel zu entdecken, und wir versuchten permanent, unsere künstlerischen Grenzen so weit wie möglich auszudehnen, immer auf des Messers Schneide mit der damals vorhandenen Technologie. Das war enorm spannend, hat mächtig viel Spaß gemacht und zu Ergebnissen geführt, über die ich mitunter heute noch staune.

Die geniale Naivität der Ju­­gend?
Exakt, das ist es, was ich meine. David Bowie hat seine Songs allesamt auf einer Akustikgitarre geschrieben, ganz einfach, mit einer Unbedarftheit, die für junge Musiker ja typisch ist. Aber Bowie wie auch wir bei Yes haben damit pure Magie erzeugt, wie man sie nicht planen kann. Wie gesagt: Ich wundere mich noch heute über so manchen Geniestreich und freue mich, dass ich damals daran beteiligt ge­­wesen bin.

Inwieweit hat sich aus deiner Sicht das Business verändert?

Nun, vor allem die Technologie hat sich natürlich enorm weiterentwickelt. Damals war das Meiste analog, heute geht es ohne digitale Medien gar nicht mehr. Die technischen Möglichkeiten für heutige Künstler sind geradezu grenzenlos, mit all ihren Vor- und Nachteilen. Ich bin mir nicht sicher, ob dadurch auch ein wenig die Seele der Musik verloren gegangen ist. Aber vielleicht sind das ja auch nur die Ansichten eines alten Mannes… (lacht)

1 KOMMENTAR

  1. Alt ist relativ Rick. Doch ich muss feststellen, dass die Kreativität in der analogen Zeit weit höher war. Die Seele der Musik ist weder analog noch digital, doch sie lebt fort.

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