Timo Blunck – Hatten wir nicht mal Sex in den 80ern?

-

Timo Blunck – Hatten wir nicht mal Sex in den 80ern?

- Advertisment -

Hatten wir nicht mal Sex in den 80ern von Timo Blunck

Auf du und du mit Knirpsi.

Schwanzsteuerung ist so ein Vorwurf, der Männer hart treffen sollte – vor allem in der #MeToo-Debatte. Bei Timo Blunck hat sie einen Namen: Knirpsi. Klar, die Unschuldsvermutung sollte natürlich auch für den Mann gelten, den sie T-Bone Schröder nennen. Hinter dem verbirgt sich – es liegt ja immerhin eine Autobiografie des langjährigen Bassisten der NDW-Dada-Rockband Palais Schaumburg vor – mehr oder weniger perfide getarnt Timo Blunck. Knirpsi, das umtriebige, eine Eigendynamik ansteuernde, geile, derbe, vorwärtstreibende, offenbar auch durchaus vorzeigbare Ge­­schlechtsteil des Musikers, meldet sich immer wieder zur Wort, bringt seinen Träger in Schwierigkeiten, zieht ihn hinein in Exzesse und von einem Lotterbett ins nächste. Seinen „bösen Zwilling“ nennt Schröder den viel weniger furchtlosen Knirpsi in seiner Lebensbeichte. Beide haben sich – ein beliebter, wenn auch diesmal wirklich passender Kunstgriff – auf dem Sofa einer Hamburger Thera­peutin eingefunden. Nach einer Party-Nacht, die wegen Drogenmissbrauchs in der Notaufnahme endete, blieb Schröder keine andere Wahl. Also sieht er sich der kettenrauchenden Psychologin gegenüber, die sich immer aufs Neue eine Gauloise anstecken muss, weil sie den Musiker-Abenteuern kaum folgen kann, sich dem rauschhaften Sog der Er­­zählungen aber nicht mehr entziehen will. Das liegt daran, dass Schröder/Blunck ein genialer Ge­­schichtenerzähler ist. Und auch daran, dass er nicht nur von ausverkauften Kon­zerten, von Kneipenschlägereien, Sex-Orgien, dem Mardi Gras in New Orleans, Trennungsgefechten und einer Band-Reunion erzählt, sondern auch von der geheimnisvoll schönen Sophia – der einen Frau, der Schröder verfallen ist. Gut auch, dass der Roman dazu eine Spotify-Playlist von Bryan Ferry über Steely Dan bis zu den Buzzcocks und den Happy Mondays liefert, die man beim Lesen selbstverständlich auf Anschlag drehen sollte.

8/10

Text: Rupert Sommer

Hatten wir nicht mal Sex in den 80ern?
Von Timo Blunck
Heyne Hardcore

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Das Neueste

Video der Woche: Frank Zappa mit ›Bobby Brown‹ (live)

Frank Zappa zählt noch heute zu den größten Komponisten der Rockwelt. Heute vor 23 Jahren erlag er seinem Kampf...

CLASSIC ROCK Adventskalender: Türchen 4

Heute gibt es einmal das neue Album YEAR OF THE SPIDER (CONCORD/UNIVERSAL) von Shannon And The Clams auf Vinyl...

Neil Young & Crazy Horse: Neue Single ›Welcome Back‹

Am 10. Dezember erscheint BARN, das neue Album von Neil Young & Crazy Horse. Nach den zwei Singleauskopplungen ›Song...

Ozzy Osbourne: NO MORE TEARS

Ende der 80er Jahre war Ozzy kaputt, doch 1991 kam er trocken und fit zurück. 1980 veröffentlichte Ozzy Osbourne ›Suicide...
- Werbung -

Songpremiere: Small Jackets mit neuer Single ›Getting Higher‹

Auf ihrer kommenden Platte JUST LIKE THIS! begeben sich die Small Jackets getreu dem Motto "back to the roots"...

Neuheiten: Ab heute im Plattenladen

An diesem Freitag stehen die neuen Alben von Kadavar und Elder, von Daily Thompson, Nekromant und Volbeat in den...

Pflichtlektüre

Lemmy Kilmister: Denkmal für verstorbenen Motörhead-Frontmann

Der Rock-Legende Lemmy Kilmister soll vor dessen Stammlokal, dem...

Chelsea – MEANWHILE GARDENS

Oldschool-Streetpunk mit nostalgischen Untertönen Im Sommer 1976 gründetet Chelsea-Sänger Gene...
- Advertisement -

Das könnte dir auch gefallen
Für dich empfohlen