Review: The Beatles – ABBEY ROAD (50TH ANNIVERSARY)

Beatles Abbey Road

Geburtstagsausgabe zum erfolgreichsten aller Beatles-Alben

„My boys are ready“, hört man John Lennon hier auf einer Aufnahme sagen, „last chance to be loud“. Und so kam es. LET IT BE mag später erschienen sein, zum letzten Mal gemeinsam laut wurden die Beatles bei den Aufnahmen zu ABBEY ROAD. Es waren die letzten Studiosessions, in denen die größte Band der Welt je zusammenspielte. Das Zebrastreifen-Cover wurde das vielleicht berühmteste der Popgeschichte, das Album zum erfolgreichsten der Fab Four. Das coole ›Come Together‹, der schwere Jazzrock von ›I Want You (She’s So Heavy)‹, die psychedelischen Klänge von ›Because‹, das kreuzfidele ›Here Comes The Sun‹, das selbst bei Frank Sinatra Gefallen findende ›Something‹, ›Maxwell’s Silver Hammer‹, dessen Refrain auch in einem Film mit Bud Spencer und Terence Hill nicht fehl am Platz gewesen wäre, und das überlebensgroße ›Golden Slumbers‹ zeigten John, Paul, George und Ringo nochmal in ihrer ganzen Bandbreite. Die Fliehkräfte innerhalb der Band aber waren längst viel zu hoch, als dass es danach hätte weitergehen können. Die kreativen Ambitionen von Lennon, McCartney und Harrison waren nicht mehr länger unter einen Hut zu bringen, und Starr konnte den Laden schlecht alleine schmeißen.

50 Jahre ist das Ganze her, und deshalb kommt, wie schon bei SGT. PEPPER und dem WHITE ALBUM, jetzt die große Jubiläumsausgabe, mit insgesamt 40 Songs auf der Super Deluxe Edition. Wie schon bei den Vorgängern zeichnete Giles Martin, Sohn des verstorbenen George, für die klangliche Aufbereitung verantwortlich. „Die Magie kommt von den Händen, die die Instrumente spielen, von der Harmonie zwischen den Stimmen und der Schönheit der Arrangements”, erklärt Martin in den Liner notes zum Boxset. Er habe nur erreichen wollen, „dass die Musik frisch klingt und die Leute genauso mitreißt, wie an dem Tag, an dem das Album aufgenommen wurde.” Und in der Tat sind die neuen Mixe der 17 Albumtracks makellos, direkt und perfekt ausgewogen, ohne sich zu weit von den Originalen zu entfernen. Hinzu kommen 23 Stücke, die als „bisher unveröffentlicht“ angekündigt werden – was aber nur halb stimmt. Denn alle Songs sind längst bekannt, nur die Versionen sind bisher nicht erschienen. Es handelt sich dabei um Demos und alternative Studiotakes.

Wirklich rar ist etwa das akustische „Home Demo“ von ›Goodbye‹, das McCartney für Mary Hopkin geschrieben hatte, ›I Want You‹ kommt mit Orgelsolo daher, beim abschließenden Medley von ABBEY ROAD, hier ›The Long One‹ genannt, ist ›Her Majesty‹ noch mittendrin, statt, wie letztendlich abgetrennt, am Ende. Bei den Gesprächsfetzen aus dem Studio, die man dazwischen hört, wirkt die Stimmung überraschend locker. Wen das nicht interessiert und wer nur das neu abgemischte Album hören will, für den gibt es auch eine einfache CD- und Vinyl-Version. Dort verpasst man allerdings das 100-seitige Hardcover-Booklet mit Texten von Paul McCartney, Giles Martin und Beatles-Spezialist Kevin Howlett plus Fotos von 1969, geschossen zum Teil von Linda McCartney. Am Ende des Musikteils im großen Set stehen die isolierten Streicherparts von ›Something‹ und ›Golden Slumbers/Carry That Weight‹. Ein majestätischer Abspann.

9/10

The Beatles
ABBEY ROAD (50TH ANNIVERSARY)
APPLE/UNIVERSAL

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