Review: Nick Cave & The Bad Seeds – GHOSTEEN

Nick Cave Bad Seeds Ghosteen

Erlösung aus den Schatten

Wenn ein Werk von Nick Cave und seinen Bad Seeds jemals ein Mantra, eine Hoffnung auf Erlösung war, dann ist es dieses. GHOSTEEN, das eigentliche Album eins nach dem Unfalltod von Caves Sohn Arthur, ist Verarbeitung, Anklage, Zuflucht, Abgrund, Fiebertraum, dunkler Tunnel und Licht am Ende des selbigen. Gleichzeitig. Es ist kein Bad-Seeds-Album im eigentlichen Sinne, ist noch reduzierter, spärlicher instrumentiert als SKELETON TREE. Nick Cave singt, spricht, predigt von Tod und Leben, von Elvis in Vegas und Hollywood, von Licht und Schatten, schwingt seine Stimme in höchste Höhen. Und packt auf Album zwei in überlangen Songs dann doch noch die schmerzhafte Untergangskeule aus. Das wirkt, als würde man ihm in einem Zwiegespräch mit sich selbst lauschen, vielleicht auch in einer letzten Unterhaltung mit seinem toten Sohn, die es nie gegeben hat. Dazu: geisterhafte Synthesizer, Ambient-Flächen, Glocken, Chöre, sakrale Selbstfindung und ätherische Schwerelosigkeit. Die Bad Seeds – praktisch arbeitslos. Wer Cave als lärmenden, scheppernden Untergangspoeten mag, wird enttäuscht sein. Wer einen Blick in seine Seele werfen möchte, wird ein neues Lieblingsalbum gefunden haben.

9/10

Nick Cave & The Bad Seeds
GHOSTEEN
GHOSTEEN LTD/ROUGH TRADE

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