Review: Hawkwind – INTO THE WOODS

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Review: Hawkwind – INTO THE WOODS

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into the woodsDas 30. Studioalbum der Space-Rock-Pioniere – und die Macht ist immer noch mit ihnen.

Hawkwind sind so viel mehr als die Summe ihrer ursprünglichen Mit­glieder. Von der Urbesetzung von 1969 ist nur noch Dave Brock übrig, aber das spielt keine Rolle. Sie sind eine Naturgewalt, immerwährend und unsterblich. Es ist, als habe dieser Lärm, den sie machen, dieser treibende Ur-Groove, schon lange vor ihrer Gründung existiert – die bis dato ca. 50 Musiker haben ihn einfach nur angezapft. Er wird noch lange nach Brocks Ableben existieren. Sie sind immer noch ein Haufen Widersprüche: die simplen Zwei-Akkorde-Rocker und Primitiv-Elektroniker, die ins All blicken, während sie durch die Alltagstristesse waten. Die Stadtkinder mit dem Hang zum Länd­lichen.

INTO THE WOODS zeigt, wo Brock, der auf einer Farm in der Grafschaft Devon lebt, sich gerade befindet: weit entfernt vom Mief und Müll Londons. Die Liedtitel sprechen Bände: ›Cottage In The Woods‹, ›The Woodpecker‹ … sogar ›Vegan Lunch‹. Doch gerade, wenn man glaubte, der einstige Anarcho-Junkie und Anführer des Rock-Äquivalents einer speedsüchtigen Bikergang sei zum Öko-Weichei mutiert, hört man wieder jenes glorreiche Aufheulen der klassisch abgehobenen Hawkwind-Motorik. Was Brock und seine Kollegen Richard Chadwick am Schlagzeug sowie Tim Blake am Keyboard hier heraufbeschwören, ist nämlich nicht die beschauliche Schönheit der Natur, sondern ihre Magie, ihre Mysterien und ihre Böswilligkeit. Das Titelstück ist eine finstere Einladung („We are waiting here for you“, warnt Brock) in Form eines metallischen Wiegenlieds – Anthrax und Gretel. ›Have You Seen Them‹ sind sieben Minuten Psycho-Abfahrt und Raumschiff-Gefiepe. ›Space Ship Blues‹ – im Wesentlichen eine Neuinterpretation von ›Silver Machine‹ – fängt diese Zweigleisigkeit der Band mit Sci-Fi-Synthieschwurbeln und einem fröhlichen Banjo perfekt ein.

Hawkwind erscheinen 2017 entweder bedeutungslos oder wie die Fortführung einer relevanten Urquelle, ebenso wie ›The Wind‹ entweder wie vier Minuten flatulenter Pseudopoesie („Causing sighing trees to overlay mosaics of trembling leaves“ – äh, okay) oder eine bewegende Beschwörung wirken mag, die Naturmetaphern und elektronische Klangeffekte wunderbar zusammenführt. Doch spätestens beim Astral-Boogie von ›Magic Scenes‹ oder dem unaufhaltsamen ›Wood Nymph‹ ist man diesem Unikum wahrscheinlich doch verfallen. ›Magic Mushroom‹ ist ein neunminütiger Mahlstrom aus Orgel und Gitarren, wo Rock auf Trance trifft. So würde Chuck Berry klingen, wenn er in der Rave-Ära aufgekommen wäre – Goa, Johnny, Goa. Nach mehreren Minuten dieser psychedelischen Klänge hört man schließlich ein Raumschiff, das gen Himmel abhebt. INTO THE WOODS ist vielleicht nicht das beste Album von Hawkwind, aber im Moment das wichtigste. Warum? Weil es die Macht am Leben hält.

7/10

Hawkwind
INTO THE WOODS
CHERRY RED

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