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Die Taschendiebin

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taschendiebin

Erste Regel, die wir aus den bisherigen Filmen des südkoreanischen Regisseurs Park Chan-wook gelernt haben: Nichts ist, wie es auf den ersten Blick erscheint. Ob es um die Entführung des braven Geschäftsmannes in „Old Boy“ geht oder um die Rachegeschichte in „Sympathy For Mr. Venge­ance“, um die Neuinterpretation des Vampir-Mythos in „Thirst“ oder um den Plottwist in „I’m A Cyborg But That’s OK“. Zweite Regel: Die visuelle Opulenz, die sorgfältig komponierten Bilder, die bis ins letzte Detail stimmige Ausstattung sind unschlagbare Argumente für einen Kinobesuch, um Parks Filmjuwelen im passenden Setting funkeln zu sehen. Beiden Regeln verleiht der Filmemacher in „Die Taschendiebin“ nun mit Nachdruck neue Gültigkeit, wenn er die Geschichte eines ausgeklügelten Coups entspinnt, der gleich mehrfach unvorhersehbare Haken schlägt und sein Publikum immer wieder auf dem falschen Fuß er­­wischt. Weshalb für den vollen Genussfaktor die Handlung hier auch nur skizziert werden soll: Ein Betrüger unter dem Deckmantel eines Grafen plant in den 30er Jahren eine wohlsituierte Erbin um ihre Reichtümer zu bringen und heuert aus diesem Grund die junge Diebin Sook-hee an, die als Kammerzofe vor Ort als Komplizin fungieren soll. Das potenzielle Op­­fer, die melancholisch veranlagte und in Liebesdingen schwer naive Lady Hideko, wächst Sook-hee jedoch zunehmend ans Herz, die geplante skrupellose Tat belastet immer stärker ihr Gewissen. Wer glaubt, bereits hier erahnen zu können, welche Richtung „Die Taschendiebin“ einschlagen wird, ist gehörig schief gewickelt. Denn mit bewundernswerter erzählerischer Rafinesse, eingebettet in berauschende Bilder und getragen von brillanten Darbietungen, vermengt Park hier augenscheinliche Schönheit und darunter lauernde Finsternis zu einem erotisch aufgeladenen, genüsslich schwelenden Thriller, der das Kinojahr 2017 mit einem Knall beginnen lässt.

9/10

Koch Media
Kino-Start: 05.01.

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