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    Review: Bob Dylan – TIME OUT OF MIND

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    Review: Bob Dylan – TIME OUT OF MIND

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    Bob Dylan Time Out Of MindRückkehr zu alter Form: Vor 20 Jahren begann Dylans Spätwerk.

    Man kann es aus heutiger Sicht ganz entspannt zugeben: Mitte der 90er schien Bob Dylan zum alten Eisen zu gehören. Mit seiner Gospelphase hatte er um 1980 für Erstaunen gesorgt, das restliche Jahrzehnt war so dahingeplätschert, in die 90er startete er mit zwei Alben, auf denen er alte Folksongs coverte. Doch dann kam TIME OUT OF MIND: der Beginn des Alterswerks. Einige der grundlegenden Mo­­tive, die Dylans folgende Schaffensjahrzehnte prägen sollten, sind hier angelegt: Verzweifelte Liebe, Sinnentleertheit, Dunkelheit, Tod. Dylan taucht ein ins Mythische und – vielleicht mehr als je zuvor – in die amerikanische Musiktradition von Folk und vor allem Blues.

    „I’m walking through streets that are dead/Walking, walking with you in my head“, gleich die ersten Zeilen geben die Richtung vor: die Liebe unerfüllt, die Straßen tot und leer. „Don’t know if I saw you, if I would kiss you or kill you“, heißt es, und: „I was alright ‚til I fell in love with you.“ Der Tod ist im Hintergrund präsent, wobei nicht ganz klar ist, ob als Bedrohung oder Erlösung. „I know the mercy of god is near“, singt Dylan einmal, „don’t even hear a murmur of a prayer“ ein andermal. Was bleibt, sind ein diffuses Gefühl der Leere und eine tiefgreifende Unsicherheit: „Feel like a prisoner in a world of mystery.“

    „What in the devil could it all possibly mean“, steht als Frage im abschließenden ›Highlands‹, einer 17-minütigen Erzählung, die Popkultur und Mythos vermischt und die Aussicht auf einen jenseitigen Ort eröffnet. Gemeinsam mit dem sacht schaukelnden ›Standing In The Doorway‹, dem geisterhaften ›Love Sick‹, dem schmerzlichen ›Trying To Get To Heaven‹ und der endzeitlichen Medita­tion ›Not Dark Yet‹ gehört es zum Besten, was Dylan je geschrieben hat. Es war dieses manchmal melancholische, manchmal bluesig-scheppernde Album, mit dem er qualitativ an seine großen Platten der 60er- und mittleren 70er-Jahre anknüpfte. Coolness und Ver­zweiflung trafen selten besser aufeinander, es ist die Erkundung eines dunklen Orts auf die denkbar anziehendste Art und Weise. Die Ju­­biläumsausgabe kommt auf Doppel-Vinyl, als Bonus gibt’s eine 7“ mit einem alternativen Mix von ›Love Sick‹ und einer energetisch rumpelnden Live-Fassung von ›Cold Irons Bound‹.

    10/10

    Bob Dylan
    TIME OUT OF MIND
    COLUMBIA/SONY

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