Review: Anathema – THE OPTIMIST

anathema the optimistÜberwältigendes Rock-Narrativ.

Wenn Anathema ein neues Album aufnehmen, ist das nicht irgendein regelmäßig wiederkehrender Prozess. Das könnte man bei bislang zehn Werken in gut 20 Jahren natürlich vermuten, täte den Liverpoolern aber denkbar großes Unrecht. Nach dem sehr beruhigenden, meditativen und zerbrechlichen WEATHER SYSTEMS ziehen Anathema die In­­tensität auf THE OPTIMIST merklich an, knüpfen visuell und inhaltlich an ihr großes Narrativ A FINE DAY TO EXIT von 2001 an und erzählen die Geschichte des da­­maligen Protagonisten weiter. Das geschieht stürmischer, rockiger und getriebener als zuletzt, bezieht vermehrt elektronische Elemente und Loops in die dringlichen Songs ein. Anathema klingen 2017 so dunkel und hart wie lange nicht, kehren aber dennoch nicht zu ihren Metal-Ursprüngen zurück. Die Härte liegt vielmehr in der überwältigenden Produktion und in den großen Kontrasten zwischen Laut und Leise, die sich wie Wellentäler durch das bemerkenswerte Album ziehen. In Song wie ›Endless Ways‹ und ›Springfield‹ packen Anathema so viel Emotion, Melodie und Dynamik wie andere Rock-Bands auf ein ganzes Album. Mehr denn je folgt das Werk, aber auch jeder einzelne Song einer inhärenten Dramaturgie, die dem Begriff „Kopfkino“ eine ganz neue Bedeutung gibt. THE OPTIMIST etabliert Anathema endgültig als die ganz großen Geschichten­erzähler der Alternative-Rock-Welt.

9/10

Anathema
THE OPTIMIST
KSCOPE/EDEL