Mavis Staples im Interview: Gospel gegen Trump

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Mavis Staples im Interview: Gospel gegen Trump

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Mavis Staples InterviewDie große Mavis Staples wird 80 Jahre alt, vorher holt sie mit ihrem von Ben Harper produzierten Album WE GET BY noch einmal zum großen Schlag aus.

Im Opener ›Change‹ mitsamt der scharfen Gitarre von Rick Holmstrom kann man die Härte des Punk entdecken, das Titel-Duett mit Ben Harper ist eine zärtliche Soul-Ballade und das dunkle ›Heavy On My Mind‹ hat die Tiefe des Blues – aber für Mavis Staples ist WE GET BY ein Gospel-Album. Überhaupt nimmt die alte Dame kein Blatt vor den Mund. „Ich weiß nicht, auf was für eine Welt wir zusteuern, ich weiß nur, es ist seine Welt, es ist Trumps Welt“, sagt sie. „Ich werde alles tun, was in meiner Macht steht, damit er nicht wiedergewählt wird. Denn so kann man einfach nicht leben.“ Eigentlich wollte Staples, die einst für Obama im Weißen Haus gesungen hat, den Namen des derzeitigen US-Präsidenten nicht in den Mund nehmen – jetzt ist er ihr doch herausgerutscht.

„Ich weiß auch nicht, was schief gelaufen ist“, zuckt sie mit den Schultern. „Aus irgendeinem Grund haben die Leute angefangen, ihm zu glauben. Sie haben ihn gewählt. Was mich vor allem nervös macht, ist die Tatsache, dass so viele Menschen in den USA wie er denken. 40 Prozent, das ist wirklich viel. Ich hoffe, ein paar von denen hören mein Album und verstehen, was ich zu sagen habe.“ Da ist jemand, der noch bedingungslos an die Macht der Kunst glaubt – und Mavis Staples fühlt sich durch das Interesse an jungen Produzenten an ihrer Musik bestätigt. In den letzten Jahren haben Leute wie M. Ward, Jeff Tweedy und jetzt eben Ben Harper ihre Platten produziert, früher waren es Curtis Mayfield, Ry Cooder oder Prince. „Das ist wirklich toll und ich liebe es, ich bin wirklich gesegnet“, sagt die Sängerin und klingt auf einmal wie ein verzückter Teenager.

„Ich weiß auch nicht, was schief gelaufen ist. Aus irgendeinem Grund haben die Leute angefangen, ihm zu glauben.“

„All diese Leute, die mich produzieren wollen – die sind alle unglaublich, jeder einzelne. Und sie schreiben so besondere Stücke für mich. Das ging schon 2007 mit Ry Cooder los. Früher hatten wir ja auch mit Curtis Mayfield aufgenommen. Und dann dieser kleine Kerl, wie heißt er noch, Matt Ward, der hat 2016 mein Album LIVIN’ ON A HIGH NOTE produziert, der war vielleicht schüchtern. Ich habe versucht, mit ihm zu reden, aber er konnte mich kaum angucken. Da war Prince ganz anders, der war eigentlich ein ganz normaler Typ. Und dann Jeff Tweedy, oh mein Gott.“

Mit den Staple Singers hat die Sängerin in den 70er-Jahren zwei Nummer-1-Hits in den USA gelandet (›I’ll Take You There‹ und ›Let’s Do It Again‹), mit The Band hat sie im Film „The Last Waltz“ die ultimative Fassung von deren Klassiker ›The Weight‹ eingesungen, Bob Dylan wollte sie einst sogar heiraten (sie hat abgelehnt): Es ist eine einzigartige Karriere, die hinter der winzigen Sängerin – Mavis Staples ist ungefähr 1,50 m groß – liegt. Doch von „hinter“ will sie nichts wissen und WE GET BY gibt ihr recht. Denn so wie LIVIN’ ON A HIGH NOTE oder das von Jeff Tweedy produzierte YOU ARE NOT ALONE zählt die CD zu den stärksten Alben ihrer Laufbahn und sie kann mit Fug und Recht davon ausgehen, dass da noch so einiges nachkommt.

Mavis Staples haut ihre Alben in beängstigender Dichte raus – das letzte, LIVE IN LONDON, ist erst vor einem halben Jahr erschienen – und ist einfach gut drauf. „Ich hatte ein wundervolles Leben und zur Zeit geht’s mir einfach blendend“, stellt die Sängerin fest. „Dass ich fast 80 Jahre alt bin, glaube ich mir manchmal selbst nicht. Die Leute wollen mich immer noch hören, sie wollen mit mir reden. Das ist doch großartig!“

Text: Mirela Onel

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