Noel Gallagher: Lebensweisheiten – „Meine Frau hält mich für einen Feministen“

Gibt es Leute, die dich für einen Feministen halten?
Meine Frau! Witzigerweise. Sie verkündete das feierlich eines Abends in einem Raum voller Freunde, wir hatten Besuch, und sie sagte, ich sei ein Feminist. Mir war das selbst vorher nicht bewusst, aber ich glaube, sie hat Recht.

Was war der Grund für ihre Behauptung?
Dass ich Frauen genauso behandele wie Männer. Für mich gibt es keine Gender Gap, ich lebe Gleichberechtigung, ohne darüber nachzudenken. Seitdem unterhalten wir uns häufiger über Feminismus, meine Frau und ich. Für mich ist das ein feines Kompliment gewesen. Gerade im Moment geht es ja wieder heiß her mit Sexismus und all dem. Ich bin verblüfft, wie sehr das immer noch ein Thema ist. Genau wie mit diesem Schwulending. Dass man überhaupt noch drüber diskutieren muss im 21. Jahrhundert. Das ist irre für mich. Aber da draußen sind offenbar immer noch viel zu vie­le Menschen, die sind sexistisch, die sind ho­­mo­phob, die verachten Frauen. Widerlich.

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Noel Gallagher (rechts) zu Oasis-Zeiten mit Bruder Liam

Möchtest du mit deiner Musik die Welt verändern?
Ich bin nicht davon überzeugt, dass Musik die Welt verändern kann. Das einzige, was du be­­einflussen kannst als Künstler, ist, wie ein einzelner Mensch die Welt sieht, wie er sich an­­zieht, was er für Werte hat. Es ist eine gute Sache, mit der Musik jemandem zu helfen, seinen eigenen Weg zu gehen und die Welt ein Stück weit besser zu verstehen.

Du bist in diesem Jahr 50 geworden.
Fuck, ja. Bis jetzt ist es gut, ich hoffe, die Fünfziger werden cool. Meine Vierziger habe ich schon tierisch genossen, ich glaube kaum, dass die Fünfziger das noch übertreffen werden. Die Vierziger waren überhaupt das bislang beste Jahrzehnt meines Lebens.

Wieso das?
Der Körper ist in Ordnung, das Haar sieht gut aus, die Haut sieht gut aus, ich fühle mich gesund, bis auf diesen Ausschlag heute.

Wie wichtig ist volles Haar für einen Mann?
Ich muss sagen: verdammt wichtig. Je älter ein Mann wird, desto bedeutsamer werden die Haare. Ich gehe noch weiter. Vielleicht ist das Haar sogar die wichtigste Sache im Leben eines Mannes überhaupt. Ich würde lieber sechs oder sieben phantastische Songs pro Jahr nicht schreiben, wenn ich dafür ewig dichtes, volles Haar behalten darf.

Auch mit 20 und 30 hattest du die Haare schön. Warum gefallen dir die Vierziger besser als die Zeit als junger Mensch?
Die Vierziger waren so frei und leicht und glücklich. Ich war 42, als ich meine Reise mit Oasis vollendete und diesen Lebensabschnitt verließ. Seitdem bin ich der Meister meines eigenen Schicksals, was unheimlich geil ist. Ich muss mir keine Sorgen und Gedanken mehr um das Verhältnis innerhalb der Band machen, ich muss auch musikalisch keine Rücksicht mehr nehmen. Ein Album wie WHO BUILT THE MOON? wäre mit Oasis in hundert Jahren nicht möglich gewesen. Ich kann mir das Genörgel und den Widerstand richtig bildlich vorstellen.

Vermisst du Oasis nicht hin und wieder?
Oh nein. Ich spüre bei dir einen Hauch der Enttäuschung, dass ich nicht wenigstens ein kleines Hintertürchen offenhalte, aber ich bin ehrlich: Ich habe keinen Bock mehr auf Oasis. Eine Wiedervereinigung wird nicht passieren, nicht dieses, nicht nächstes Jahr, niemals. In der ersten Zeit habe ich noch ausweichend geantwortet und sowas wie „Sag niemals nie“ gesagt. Vorbei. Mit tausendprozentiger Sicherheit wird Oasis nicht mehr zusammenfinden.

Dein Bruder Liam hat sein Soloalbum AS YOU WERE Anfang Oktober veröffentlicht, du deins Ende November. Verfolgst du, wer mehr verkauft und wer die besseren Kritiken bekommt?
Das ist mir scheißegal. Die Obsession mit diesen Fragen überlasse ich gern euch Medien. Sagen wir so: Einer von uns beiden wird ganz sicher sehr genau auf diese Dinge gucken. Der an­­dere hat bessere Dinge zu tun, als sich mit dem Zeug des verfickten Ex-Sängers einer Band zu vergleichen, in der er mal gespielt hat. Das ist einfach nicht mehr relevant für mich.

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