Josh Ritter: Tot oder lebendig

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Josh Ritter: Tot oder lebendig

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Josh Ritter im Interview zu Fever BreaksAuf seinem zehnten Album ringt der US-Songwriter mit seinem Heimatland. Aufgenommen hat er die neuen Stücke, oft von bezwingender Schönheit, zu­­sammen mit Jason Isbell in Nashville.

Seine ersten kleinen Erfolge hatte Ritter An­­fang des Jahrtausends in Irland, wohin er seinem Kollegen Glen Hansard gefolgt war, mittlerweile hat er auch in den USA seine Fans. Dank toller Platten zwischen Roots-Rock, Folk und Country. Mit „Bright’s Passage“ (2011) hat der 1976 in Idaho ge­­borene Musiker dazu einen Roman vorzuweisen, in dem er von einem Veteranen des Ersten Weltkriegs erzählt.

Bei uns findet noch immer alles, was Ritter macht, unter dem Radar statt. Was schade ist, auch was sein neues, mittlerweile zehntes Album FEVER BREAKS betrifft. Das hat der Songschreiber in Nash­ville aufgenommen. Keine zufällige Wahl. Ritter ist das Kind zweier Neurowissenschaftler, auch für ihn war eine wissenschaftliche Karriere vorgezeichnet. Dass es anders kam, liegt nicht zuletzt an dem Album, das einst seine musikalische Begeisterung weckte: NASHVILLE SKYLINE, mit dem lächelnden Bob Dylan auf dem Cover. Er legte die LP damals auf den Plattenspieler seiner Eltern: „Ein transzendentaler Moment“, wie er sich erinnert. „Es war genau so bedeutsam wie für andere, als sie Nirvana entdeckt haben oder Elvis in der Ed Sullivan Show.“

„Wir stehen vor unglaublichen Hindernissen. Und wir haben einen Präsidenten, der sich gegen die eigene Bevölkerung richtet.“

Dass er, der eigentlich in Brooklyn daheim ist, für die Aufnahmen zu FEVER BREAKS jetzt selbst nach Nashville kam, hat er Jason Isbell zu verdanken. Die beiden Musiker kennen sich seit einigen Jahren, als sie gemeinsam auf Tour waren. Ritter wollte ihn als Produzenten dabei haben, um nach rund 20 Jahren, in denen er mit fast denselben Leute zusammengearbeitet hatte, „eine neue Sichtweise“ zu bekommen, er hatte das Gefühl, „eine gewisse Dosis an Unsicherheit“ zu brauchen. Isbell schlug vor, nach Nashville zu gehen und auch seine Band, The 400 Unit, ins Boot zu holen.

Und so geschah es. Musikalisch hat sich das einerseits in ungewöhnlich kantigen, gitarrenlastigen Songs wie ›Old Black Magic‹ oder ›Losing Battles‹ niedergeschlagen, andererseits finden sich auch auf FEVER BREAKS die für Ritter typischen melodischen Folk(rock)- und Countrystücke, jetzt erweitert um die Violine von Isbells Ehefrau und 400-Unit-Mitglied Amanda Shires. ›I Still Love You Know And Then‹ und ›On The Water‹ sind Liebeslieder von bezwingender Schönheit, mit fast naiv-anrührenden Zeilen wie: „I wish for you the very best/You always were the best of us/There was you and then the rest/That’s the girl I’m thinking of.“ Offen politisch ist ›All Some Kind Of Dream‹. „I saw my country in the hungry eyes of a million refugees“, singt Ritter da und sieht „darker days that any others that I’ve seen“.

„Wir stehen gerade vor unglaublichen Hindernissen“, sagt er dazu: „Der Klimawandel, die ungleiche Einkommensverteilung, die Missachtung der Menschenrechte. Und wir haben einen Präsidenten, der sich gegen Teile der eigenen Bevölkerung richtet.“ Er habe das Gefühl, dass gerade etwas ins Rutschen gerät in seinem Heimatland.

Wohin das im schlimmsten Fall führen könne, davon erzähle das dystopische ›The Torch Committee‹. Darin werden Menschen in einem totalitären Szenario in Ketten gelegt und dazu ge­­zwungen, gegen aus dubiosen Gründen Verfolgte auszusagen. „It’s them or us, it’s them or you“, wird ihnen eingebläut, und: „The only cure for fear is blame“. Freiheit und Gerechtigkeit sind verloren. Dass es Hoffnung gibt, dass es nicht so kommen muss, davon handelt ›A New Man‹. Es geht um Umkehr, darum, sich zu hinterfragen, den Hass und die Vorurteile, von denen wohl jeder etwas in sich trägt, hinter sich zu lassen. Das kann anstrengend sein, doch Ritter macht es zu einer existenziellen Angelegenheit, und der Lohn ist tatsächlich jede Mühe wert: „You won’t walk among the dead a moment longer.“

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