Plattensammler: John Niven

John Niven Interview Plattensammler

„Music From Big Pink“, „Kill Your Friends“: Kaum einer schreibt schlagfertiger und unterhaltsamer über die Musik(industrie) als der schottische Kultautor. Das ist in seinem neuen Roman „Kill ‘Em All“ nicht anders. Hier kommen Nivens fünf Lieblingsalben.

Aufgezeichnet von: David Numberger

TELEVISION
ADVENTURE 
(Elektra, 1978)

Television Adventure

Ich fand das Album auf einem Flohmarkt in Glasgow, als ich 18 war, auf rotem Vinyl für irgendwas um die 10 Pence! Ich kannte Television, hatte mir ihre Musik aber noch nie angehört. Diese Platte wird gemeinhin als schwächer als die Debüt-LP MARQUEE MOON angesehen, was, um ehrlich zu sein, wahr ist. Aber dann wiederum sind die meisten Alben schwächer als MARQUEE MOON. ADVENTURE hat trotzdem einige unglaubliche Songs – ›Days‹, ›Glory‹, ›Foxhole‹ – und wird immer einen besonderen Platz in meinem Herzen haben dafür, dass es das erste Mal war, dass ich diese Band gehört habe.

ORANGE JUICE 
YOU CAN’T HIDE YOUR LOVE FOREVER
(Polydor, 1982)

Orange Juice You Can't Hide Your Love Forever

Eines dieser klassischen Debüts, das an einer alles andere als perfekten Produktion krankt – und doch Lieder hat, die nichts umbringen kann. Es wird mich auf ewig an mein erstes Jahr an der Universität erinnern, als es nie vom Plattenspieler in unserer Wohnung zu verschwinden schien. Noch heute, sogar 36 Jahre nach seiner Veröffentlichung, liefert es das Musterbeispiel für diese ganz bestimmte Art von Gruppe, die aus ein paar jungen Kerlen und ihren semi-akustischen Gitarren be­­steht. Die fantastischen, witzigen Lyrics von Edwyn Collins nicht zu vergessen.

THE BAND
STAGE FRIGHT 
(Capitol, 1970)

The Band Stage Fright

Es kommt mir fast vor, als würde ich hier mit Absicht das „Wähl-nicht-offensichtliche-Alben-von-klassischen-Acts“-Ding abziehen. Jedenfalls: Dies ist das dritte Studiowerk von The Band, und es ist nicht ansatzweise so hoch angesehen wie die ersten beiden. Nichtsdestotrotz finden sich darauf einige von Robbie Robertsons besten Stücken – der Titeltrack und ›The Shape I‘m In‹ –, und das ganze Ding hat eine wunderbare, holzige Wärme an sich. Interessanterweise war der Toningenieur ein sehr junger Todd Rundgren, aufgenommen wurde in einer Town Hall in Woodstock, glaube ich.

NICK CAVE & THE BAD SEEDS
KICKING AGAINST THE PRICKS 
(Mute, 1986)

Nick Cave Bad Seeds Kicking Against The Pricks

Eine Sammlung von Covern, und ich liebe es immer, wenn Nick Cave ein Cover spielt. Der herausragende Moment für mich ist der absolut unheimliche Vortrag von Johnny Cashs ›The Singer‹, der in drei Minuten mehr über die Fähigkeit der Kunst, ihren Schöpfer zu überleben, sagt, als fast jeder kritische Essay, der je geschrieben wurde. Ein ziemliches Bravourstück für einen einfachen Popsong. Cave schafft es auch, Gene Pitneys ›Something‘s Gotten Hold Of My Heart‹ in eine herzzerreißende Erfahrung fast unerträglichen Schmerzes zu verwandeln.

MOTT THE HOOPLE
GREATEST HITS
(Columbia, 1976)

Mott The Hoople Greatest Hits

Man muss eine Compilation dabei haben, nicht wahr? Als ich noch in einer Band war, vor Wifi und Spotify, sogar bevor es CD-Player in Autos gab, hatte man Kassetten. Manchmal wurden alte Kassetten an Tankstellen billig verkauft, was damals die einzige Möglichkeit war, sich überhaupt irgendwas zu kaufen. Die GREATEST HITS waren so eine Anschaffung. Es waren die späten 80er und wir waren wirklich jung, um die 21, und kannten den Namen der Band, aber nicht ihre Musik. Sie wurde aus dem nichts unser Soundtrack für die vielen Meilen zwischen den Gigs. Wenn du Mott The Hoople nicht magst, kannst du nicht wirklich was mit Rock‘n‘Roll anfangen, oder?

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