Titelstory: Jimi Hendrix – „Es war verrückt“

Glauben Sie denn, dass Hendrix die jungen Musiker von heute erreicht, ist sein Einfluss ungebrochen?
Ja, absolut, natürlich! In jeder Generation nach ihm gab es Kids, die seine Songs gehört haben. Wenn du zehn oder elf Jahre alt bist und eine Gitarre zur Hand nimmst, zu wem blickst du dann auf? Zu Jimi Hendrix! He’s the guy. Wer sonst spielt so? Er war ein Genie.

Sie haben mit vielen Gitarristen gearbeitet, ist er der einflussreichste von allen?
Es gibt natürlich auch andere, aber er steht an der Spitze.

Der beste Gitarrist aller Zeiten?
Ich finde schon, ja.

Was Jimmy Page wohl davon halten würde? Sie haben ja auch mit ihm des öfteren gearbeitet.
Nun, es ist mir egal. Page ist unglaublich, fantastisch, einflussreich. But Hendrix is the man!

Jimi Hendrix Booklet Both Sides Of The Sky

Was würde er denn über die posthumen Veröffentlichungen sagen, speziell über BOTH SIDES OF THE SKY?
Ich hoffe natürlich, er wäre glücklich und würde erkennen: Ja, das ist alles, was ihr noch habt, es gibt sonst nichts mehr, gut, dass ihr es jetzt herausgebracht habt. Das würde er hoffentlich sagen.

Es wird in Zukunft also kein neues Album mit Archivmaterial aus dem Studio mehr geben?
Ja, ganz sicher, es ist wirklich nichts mehr übrig. Was wir aber noch auf Lager haben, sind Tonnen an Live-Material, das wir veröffentlichen werden.

Was dürfen wir denn erwarten?
Großartige Aufnahmen verschiedener Shows. Mehr will ich noch nicht verraten.

Haben Sie eigentlich einen Lieblingssong von Hendrix?
Die Leute fragen mich das immer wieder, und es gibt 20 davon. Wenn ich aber unbedingt einen auswählen sollte, dann ›Little Wing‹.

Warum gerade der?
Ich liebe ihn einfach, er ist wunderschön. Und er fasst so viel von dem zusammen, was Jimi ausmachte. Er hatte eine so liebevolle Seele.

Sie haben einmal gesagt, das Aufnahmestudio sei sein eigentliches Zuhause gewesen…
Ganz genau. Man muss sich sein Leben so vorstellen: Er ist on the road, spielt Konzerte, und geht zurück in sein Appartement. Doch schon am nächsten Tag ist er garantiert wieder im Studio. Sein ganzes Leben spielte sich zwischen Live-Shows und dem Studio ab.

Wie war die Atmosphäre, wenn Sie mit ihm aufgenommen haben? War er tendenziell eher relaxt oder eher angespannt?
Es herrscht immer ein wenig Stress im Studio, wenn du etwas Neues ausprobieren willst, etwas, mit dem die Band noch nicht vertraut ist. Das passiert allerdings nicht so oft. Oder wenn du ein Arrangement perfekt hinbekommen willst. Meistens aber hatten wir großen Spaß. Wir lachten, wir scherzten, das macht die Dinge leichter. Du musst entspannt bleiben im Studio, du darfst nicht verkrampfen. Jimi war ein Meister darin, alles entspannt zu halten.

Es hat also nie richtig gekracht, wenn ihm etwas nicht gefallen hat?
Hm, nicht wirklich. Wenn er wütend wurde, dann eher auf sich selbst und nur ganz selten auf andere. Es passierte etwa, als wir ›All Along The Watchtower‹ in London aufnahmen und die Dinge einfach nicht so liefen wie geplant. Dave Mason spielte Akustikgitarre, Mitch feilte am Intro, alles dauerte, da schrie Jimi die beiden an. Aber sein Ärger hielt nie lange an. Als schließlich alles geklappt hatte, war auch alles wieder gut. Als er einmal wütend auf Noel war, ging der ins Pub und trank sich einen an. Er verließ die Band dann ja schließlich auch.

Weil Sie gerade ›All Along The Watchtower‹ erwähnt haben: War Dylan ein großer Einfluss auf Hendrix?
Okay, reden wir am Ende über Dylan und Hendrix. Bob Dylan war jemand, den Jimi Hendrix absolut verehrt hat. Es gibt ein Bild, auf dem Jimi mit Mick Jagger zu sehen ist, sie sitzen nebeneinander auf einer Bank. Ich habe das Foto im Madison Square Garden aufgenommen. Und in Jimis Flugtasche, die darauf zu sehen ist, – es war wohl eine TWA oder Pan Am, so ein kleines Ding, das man sich über die Schulter hängt – waren Scheckbuch, Geld, Gitarrenplektren. Und es war eine größere Sache darin: ein Bob-Dylan-Songbuch. Er hatte dieses Buch immer bei sich, die ganze Zeit. Er hat einige Dylan-Lieder aufgenommen, aber als er ›All Along The Watchtower‹ zum ersten Mal hörte, sagte er sofort: ‚Oh, ich liebe diesen Song!‘ Es waren die Lyrics, die Struktur, die Akkorde. Er schaffte es, das alles aufzugreifen, es neu zu arrangieren und sich so zu eigen zu machen. Das war das Genie von Jimi Hendrix.

1 KOMMENTAR

  1. Hallo, eine große Freude wieder mal etwas von Jimi Hendrix zu hören. Meine Freundin und ich war 1969 mit Hendrix und seiner Band in München und in der Meistersinger Halle in Nürnberg unterwegs, wir waren als Go Go Girls dabei. Hendrix fragte uns in einer Schwabinger Bar in München ob wir mitgehen wollen und so waren wir drei Tage mit ihm und seiner Band unterwegs. Er fand meine Freundin (blond) toll und so kamen wir zu diesem Gig. Jimi war ein sehr zurück gezogener, introvertierter Mensch, Musik war alles für ihn, immer mit der Gitarre in der Hand, egal wo. Es war damals für mich eine unglaubliche Sache und es hat mir auch niemand geglaubt. Bis ich einen Zeitungsauschnitt vom Nürnberger Abendblatt anforderte und es damit beweisen konnte.

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