In Memoriam: Dusty Hill (19.05.1949 – 27.07.2021)

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In Memoriam: Dusty Hill (19.05.1949 – 27.07.2021)

David Sinclair blickt auf das Leben und die Musik des enigmatischen Bassisten und Sängers von ZZ Top zurück.

Der plötzliche Tod im Alter von 72 Jahren des Bassisten, Sängers, Songwriters und Keyboarders Dusty Hill war ein riesiger Verlust angesichts seiner robusten, aber zurückhaltenden Präsenz auf der Rockstar-A-Liste über einen so langen Zeitraum. Mit seinem langen Rauschebart, der schwarzen Sonnenbrille und den unvermeidlichen Cowboyhüten erschuf er gemeinsam mit seinem Spiegelbild Billy Gibbons an der Gitarre und
Schlagzeuger Frank Beard einen Sound, ein Image und einen Mythos, die ZZ Top def inierten, die in ihren eigenen Worten „little ol’ band from Texas“, und sie zu einem der Wunder der Rock’n’Roll-Welt machten. Wie die Präsidentenköpfe, die am Mount Rushmore aus dem Fels gemeißelt wurden, schienen diese überlebens-
großen Methusalems für ein ewiges Leben bestimmt zu sein.

Und tatsächlich waren sie bis zu dem Tag, als Hill zu Hause in Houston im Schlaf verstarb, auf Tour. Er war in die Stadt gekommen, um eine Hüftverletzung behandeln zu lassen, während der Band-Gitarrentechniker Elwood Francis auf der Bühne für ihn einsprang. Gibbons hat bekanntgegeben, dass sie beabsichtigen, auch die verbleibenden Konzerte dieser Tournee zu spielen. „Wie Dusty sagte, als er sich verabschiedete: ‚Let the show go on!‘ Und mit allem Respekt wird es gut sein, darüber hinwegzukommen und seine Wünsche zu respektieren“, so Gibbons. Nach bescheidenen Anfängen 1969 in Houston tourten sich ZZ Top zunächst in Amerika zu ihrem Status, und als sie 1976 die „Worldwide Texas Tour“ unternahmen, waren sie einer der größten Stadion-Acts im Land. Die Ambitionen des Trios wuchsen weiter, ebenso wie ihre Bärte, und mit ihrem achten Album ELIMINATOR wurden sie 1983 schließlich zu globalen Stars der MTV-Ära. Durch eine Reihe markanter, denkwürdiger Videoclips zu den Hits ›Gimme All Your Lovin’‹, ›Sharp Dressed Man‹ und ›Legs‹ etablierten ZZ Top ein einzigartiges und unauslöschliches Bild in den Köpfen des Publikums und erzielten eine der raren Diamant-Auszeichnungen für 10 Millionen verkaufte Exemplare von ELIMINATOR allein in den USA. 2004 wurden sie von Keith Richards in die Rock And Roll Hall Of Fame aufgenommen und beendeten die Zeremonie mit einer feurigen Darbietung von ›Tush‹ (ihrer ersten US-Top-20-Single von 1975), die Hill mit typisch breitbeinigem Swagger sang.

Ihr kommerzieller Erfolg und Veröffentlichungsrhythmus ließen im neuen Jahrtausend nach, doch sie hörten nie auf, live zu spielen. „Wir reden über alles mögliche, von Kopfschmerzen bis Haarspalterei, aber nie darüber, die Band aufzulösen“, verkündete Gibbons. Ihr Vermächtnis ist ein beeindruckendes Gesamtwerk – so tiefgründig und „down and dirty“ wie das jeder großen Southern-Rock/Blues-Band, so progressiv und manchmal sogar
avantgardistisch wie das vieler „ernsthafter“ Acts und so massentauglich und tanzbar wie das der meisten Softrock-Titanen der 80er. Doch hinter all dem Showbiz-Glitter und Glamour – den Autos, den Mädchen, den edel bestickten Kostümen, den wirbelnden Gitarren im Partnerlook und den telekinetisch synchronisierten Moves – stand ein Trio engagierter Musiker, die einfach ihren Job liebten und bis zum letzten Vorhang die Gesellschaft und den Humor der Bandkollegen schätzten. Wie sie zu sagen pflegten: dieselben drei Typen, die dieselben drei Akkorde spielen – 50 Jahre lang und mehr. (David Sinclair)

1 Kommentar

  1. Ein Musiker einer Drei-Mann – Combo die für mich neben den legendären Drei-Mann- Formationen wie Cream, Jimi-Hendrix-Experience, Taste die Meilensteine der Blues-Hard-Rock-Ära waren. Leider ist diese Ära vorbei aber es gibt ja die Möglichkeit diese genialen Musiker und ihre musikalischen Werke auf diversen Plattformen zu konsumieren was ich bis zu meinem Lebensende tun werde, sofern mir die körperlichen Notwendigkeiten die dafür notwendig sind nicht abhanden kommen. Die letzte Veröffentlichung von ZZ-Top, der Studio-Live-Mitschnitt mit Dusty Hill sind für mich der schmerzlich Abschluss einer großartigen Band deren Orginal-LP,s in meiner LP-Sammlung ihren Stammplatz haben. R.I.P. Dusty Hill

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