Glenn Hughes: Lebensweisheiten

The show must go on

Purple hatten 1975 in Jakarta schon ein Konzert gegeben und sie ließen mich aus dem Gefängnis, um das zweite auch noch zu spielen. Da war ein Typ, der neben meinen Verstärkern stand und ein Maschinengewehr auf mich richtete, falls ich von der Bühne fliehen sollte. Fucking unglaublich. Sehr lang haben wir dann nicht gespielt. Ich war wirklich in einem Schockzustand. Doch wir mussten die Tour zu Ende bringen. [Purple-Gitarrist] Tommy Bolin hatte dazu noch eine fast tödliche Dosis von irgendeinem Opiat abbekommen, also konnte er die letzten fünf Shows in Japan nicht mehr spielen. Es war sehr, sehr schwer, diese Tournee ohne Patsy abzuschließen. Ich war so jung, als das passierte. Ein Bodyguard sein und seinen Künstler beschützen, das war alles, was Patsy tun wollte. Dabei ums Leben zu kommen, das ist etwas, was ich nie erklären konnte.

Irgendjemand da oben mag mich

Ich hatte furchtbare Zeiten, als ich trank. Kurz bevor ich dem Alkohol abschwor, schlief ich mal ein, als ich mir Speck oder so braten wollte. Die Küche fing Feuer und mein ganzes Haus brannte nieder. Fast wäre ich dabei gestorben, ich habe mir schlimme Verbrennungen an den Beinen zugezogen. Mir sind so viele Dinge passiert, als ich süchtig war. Ich bin fast mal ertrunken, es gab Autounfälle … Mir ist egal, was die Leute denken, wenn ich das sage, aber es ist fast so, als wäre mir bei all dem Gott oder ein Schutzengel beigestanden. Die Leute haben ja keine Ahnung, was ich durchgemacht habe. Es gab so viele seltsame Ereignisse, die ich überlebt habe. Und dann konnte ich es hinter mir lassen.

Eine Operation am offenen Herzen macht dir den Entzug leicht

1991 hatte ich an Weihnachten einen Herzinfarkt. Gott hatte ganz offensichtlich Sinn für Humor: „Schauen wir mal, ob er aufpasst – boom!“ Er gab mir den Herzinfarkt. Oder etwas anderes – nun, das waren dann wohl die Drogen, nicht wahr? Da wurde mir klar, wie nah ich dem Tod war. Ich wusste, dass ich in ein Auto steigen musste, und meine Freundin fuhr mich ins Krankenhaus. Dort sagte ich den Ärzten dann klipp und klar. „Ich hatte eine Überdosis.“ Dann fiel ich in Ohnmacht. Ich wachte auf und war seit 24 Stunden nüchtern. Das war ein toller Moment für mich, denn ich hatte es schon jahrelang versucht. Ich habe mich für mich selbst ge­­schämt und zeigte mich nie wirklich in der Öffentlichkeit. Zwei Jahre lang lebte ich in Laurel Canyon und kam eigentlich nie dort raus. Meine Einkäufe kamen vom Country Store am Fuß des Hügels, das war wie ein Leben als Einsiedler. Ziemlich traurig.

Es bedeutet mir viel, in der Rock And Roll Hall Of Fame zu sein

Wenn man Amerikaner ist, und das bin ich mittlerweile so ziemlich, ist die Hall Of Fame eine große Sache – im Baseball, Football, Basketball, bei den Oscars. In Amerika bedeutet es, dass du es geschafft hast. Gemeinsam mit seinen Klassenkameraden – Led Zeppelin, den Stones, U2 – dort aufgenommen zu werden, ist also eine große Ehre. Ebenso ist es für mich und David Coverdale eine große Sache, zusammen mit den anderen von Deep Purple aufgenommen zu werden. Unser Beitrag zu BURN war wohl wichtig genug, dass das Komitee beschloss, uns ebenfalls miteinzubeziehen. David und ich sind so eng befreundet, wie man es nur sein kann. Seit der Auflösung der Band war er der einzige, mit dem ich ständig in Kontakt war. Ich habe nicht die geringste Ahnung, was die anderen so getrieben haben. Ein paar Jahre vor seinem Tod habe ich mich noch mit Jon Lord angefreundet. Ansonsten habe ich keinerlei Beziehung zu irgendjemandem in der Gruppe.

Ich bin ein Botschafter der Liebe

In den letzten 25 Jahren, seit ich nüchtern bin, habe ich diese Botschaft verbreitet: Liebe ist die Antwort. Du kannst mich gerne den ganzen Tag einen Hippie nennen. Vielleicht sehe ich nicht wie einer aus, aber ich bin aus den 60ern und so ist das nun mal. Meine Familie war toll, hier in L.A. habe ich ebenfalls eine tolle Familie und ich umgebe mich mit Liebe. Für laute, neidische, übellaunige, nervtötende Menschen habe ich keine Zeit. Mir geht es nur darum, ruhig zu bleiben, das Nächste zu tun, was auf dem Plan steht, und mich zu entspannen. Sehr oft knie ich mich hin und bete. Außer Drogen habe ich nie wirklich etwas Schlimmes getan. Ich war kein großer Weiberheld und habe nie jemanden betrogen. Als ich trank, habe ich ge­­logen und gestohlen. Aber ich kann diesen Typen nicht reparieren, der so ein Idiot war, der in Flammen stand. Ich kann nur an dem Typen arbeiten, der jetzt in mir lebt und atmet. Bei jenen Mitmenschen, bei denen es nötig war, habe ich die Dinge bereinigt. Heute lebe ich auf der richtigen Seite.

1 KOMMENTAR

  1. Wie Moon und Konsorten ( im positiven Sinne gemeint ) einer der auch nichts anbrennen lies in seiner Musiker-Kariere. Es sind einfach Typen die sich nicht unterkriegen nicht unterordneten oder sich dem jeweiligen Zeitgeist verordnen ließen.
    Ich bin froh darüber dass es noch etliche dieser Type Mensch gibt und hoffentlich auch weiter geben wird, damit meine ich allerdings nicht Halbwüchsige in Körper und Geist wie dieses schwedische Gut-Menschen-Alibi sondern Charaktere die sich nicht verbiegen lassen sich vor den Karren von anderen spannen lassen.
    Kritischer und offene Charaktere sind meiner Meinung nach relativ unabhängig von politischen- und gesellschaftlichen Zwängen und damit für mich Vorbildlich das gegenteil dessen was aktuell den Zeit-Geist benebelt hat. Glen und all die anderen Querdenker / Läufer sind mir persönlich die liebsten denn ich bin ähnlich sozialisiert, habe mein Leben bisher so gelebt wie ich es für richtig hielt in den Rahmenbedingungen die mir das ermöglichten. Sollt eigentlich jeder ähnlich tun nur leider sieht es aktuell eher danach aus dass das Lemming-Verhalten die einzige Option des Zusammenlebens darstellt.

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