Gitarrenheld: Rory Gallagher

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Gitarrenheld: Rory Gallagher

Vergesst das Geld, den Ruhm, die Anerkennung, er war nur an einem interessiert: der Musik. Und wenn dieser irische Magier sie spielte, war er einer der Besten.

Bono nannte ihn „einen der zehn besten Gitarristen aller Zeiten“, und als Jimi Hendrix mal gefragt wurde, wie es sich anfühlt, der beste Gitarrist der Welt zu sein, entgegnete er: „Sir, diese Frage sollten Sie Rory Gallagher stellen“. Wie kann es dann sein, dass sein Name nie auf diesen Listen erscheint, die sogenannte Experten auf diese jahrzehntealte Frage nach eben dem besten Gitarristen von allen abliefern? Vielleicht kann dieser Artikel etwas Licht auf diese mysteriöse Ungerechtigkeit werfen. Als Mick Taylor 1974 bei den Rolling Stones ausstieg, war Gallagher der absolute Wunschkandidat unter den ausreichend begabten Nachfolgern, die sie zum Vorspielen einluden – noch vor Jeff Beck, Steve Marriott, Ronnie Wood und Peter Frampton. Gallagher kam nicht als Erster vorbei, doch ab dem Moment, wo er sich seine verbeulte und blutbefleckte Strat umschnallte und begann, das
Badass-Riff von ›Midnight Rambler‹ zu spielen, hatte Keith Richards keinerlei Zweifel, wer die Stelle bekommen sollte.

Er hielt Gallagher nach der Hälfte des Songs an und sagte: „Hey Mann, du hast den Job“. Worauf der erwiderte: „Nein, Mann, ich will den Job gar nicht, ich habe meine eigene Band. Ich hatte nur Bock, zu jammen“. Und da haben wir’s: Ruhm war nicht der brennende Strauch, vor dem Rory Gallagher niederkniete. Es war ihm wirklich scheißegal, ob deine Freundin ihn süß fand oder seine Songs oft im Radio liefen. Und das war es uns auch, sobald er auf diese arme, verteufelte Gitarre losging. Musik war Rorys Gott – und Teufel. Alles zusammengepackt in einem Acht-Takt-Blues, durchsetzt mit wildem Zigeuner-Rock, Rauchringen, Whisky und okkulter Liebe. Doch dargeboten wurde das Ganze in so einem bodenständigen Landstreicherstil – die knittrigen Jeans, die furchtbaren Karohemden, der irische Ganovencharme –, dass er fast ein Jesus-artiges Image annahm. Musikalisch blieb seine Seele immer rein, seine Mission immer ehrenhaft, und seine Wunder konnte man über 30 Jahre lang Abend um Abend bezeugen. Doch obwohl Rory Gallagher in seinem kurzen Leben 20 Millionen Platten verkaufte, wurde sein Name nie zu den Großen gezählt.


Ich erinnere mich an einen Abend mit ihm und Sänger Frankie Miller, backstage nach einer Show in Deutschland, 1979. Miller war in Sachen Charterfolg ein One-Hit-Wonder, Rory der Typ, der seine Alben in den Charts sah, aber nur selten auf den höheren Rängen. Doch da saßen sie wie Könige auf ihrem Thron, tranken Whisky und erzählten Geschichten, während wir alle lachten und manchmal weinten. Ich war Gallaghers eifriger junger Pressesprecher, beeindruckt von seinem enormen Talent und beschämt, dass es mir nicht gelungen war, mehr Medieninteresse für seine Konzerte zu generieren. „Klar, nichts davon ist wichtig“, versicherte er mir in seinem sanften Donegal-Dialekt.

„Hast du die Show heute gesehen?“

Natürlich.

„Hattest du eine gute Zeit?“

Ja!

„Und hast du jetzt eine gute Zeit?“

Fuck, ja!

„Dann ist das alles, was wirklich wichtig ist.“

Meinte er das ernst? Ja, absolut. Als ich hörte, dass er mit nur 47 Jahren nach einer fehlgeschlagenen Leberoperation gestorben war, wusste ich mit Sicherheit, dass das Leben einfach nicht fucking fair ist.


Anspieltipp: ›Shadow Play‹ (Rory Gallagher, STAGE STRUCK, 1980)

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