Foo Fighters: Dave Grohl im Interview – „Alles ist gut verheilt“

foo fighters 2017

Deine Töchter Violet, Harper und Ophelia sind elf, acht und drei Jahre alt. Können sie deiner Musik etwas abgewinnen?
Für die Mädchen bin ich Dad. Kein Rockstar, sondern der ungekämmte Typ, der zuhause mit am Tisch sitzt und zu viel durchgehen lässt. Violet liebt Die Antwoord, Stevie Wonder und Adele, Harper hört am liebsten Queen und Imagine Dragons. Und sie kennen erstaunlich viel Classic Rock. Neulich sangen sie plötzlich mit, als im Auto Van Halen liefen. In Animationsfilmen für Kinder wird nämlich total viel Rock aus den 80er-Jahren eingesetzt, die kannten den Song aus „Shrek“.

In ›Happy Ever After‹ singst du über dein „Shangri La“, also dein persönliches Paradies. Hast du es schon gefunden?
Ich suche noch. Der Song ist lustig, er handelt von meinem Leben nach der Band. Ich stelle mir vor, einen Ort gefunden zu haben, an dem ich auch ohne die Foo Fighters zufrieden bin.

Kannst du dir ein Leben ohne die Foo Fighters denn überhaupt ausmalen?
Natürlich kann ich das. Schon nach unserem ersten Album dachte ich: „Vielleicht ist jetzt schon Schluss“. Nach jeder Platte denke ich, es könnte die Letzte gewesen sein. Aber ich habe nicht vor, die Foo Fighters zu beenden, absolut nicht. Vieles macht mir heute noch mehr Spaß als vor 22 Jahren, als wir anfingen.

Was denn zum Beispiel?
Konzerte zu spielen. Anfangs waren wir nur Chaos und Krach. Wir haben einige Jahre gebraucht, bis wir lernten, eine Band zu sein und das Handwerk zu genießen. Wenn 100.000 Leute vor dir stehen und einen deiner Songs mitsingen, ist das verdammt noch mal und immer noch das geilste Gefühl der Welt. Einfach wunderschön.

Was löst dieses Gefühl in dir aus?
Glück. Wenn so viele Menschen auf einem Haufen sich auf eine bestimmte Textzeile, eine bestimmte Melodie verständigen können, dann gibt mir das außerdem Hoffnung für die Welt. Ein Konzert verbindet, es grenzt nicht aus, es führt zusammen, es trennt nicht. Das ist für mich ein wichtiges Symbol. Gerade in einer Zeit wie dieser, wo es so viele dunkle Ablenkungen gibt.

Du singst in ›T-Shirt‹ die Zeile „I just wanna sing a fucking love song/pretend there‘s nothing wrong“, und in ›The Sky Is The Neighbourhood‹ geht es um eine schlaflose Nacht, in der du dir Sorgen um die Verwundbarkeit unseres Planeten machst. Welche Verantwortung siehst du für dich als Rockmusiker und Sprachrohr?
Die Verantwortung, meine Lieder zu singen. Das ist jetzt sicher ein Griff in den Klischeekasten, aber die Idee des Silberstreifs am Horizont war und ist immer ein wichtiger Teil unserer Songs. Ich lese jeden Tag die „New York Times“ und die „Washington Post“, ich gucke CNN und Fox, und wie viele andere kann ich kaum glauben, mit was für einer Verantwortungslosigkeit und Ignoranz unser Präsident versucht, seinen Job auszufüllen. Aber die Welt fühlt sich nicht zum ersten Mal hoffnungslos an. So lange es noch menschliches Mitgefühl und rational denkende Zeitgenossen gibt, wird man solche Phasen auch durchstehen. Es kommt auf uns Menschen an, zu erkennen, dass das Leben, die Liebe zu deinen Nächsten, der ganz normale, wunderbare Alltag viel größer und mächtiger sind als Grenzen, Kleingeistigkeit und Geld. Das Leben ist eine wunderbare Sache, lasst es uns genießen.

Hast du noch Zeit für dich ganz persönlich?
Ja. Ich suche immer nach Momenten, in denen ich alles runterfahren kann. Ich versuche, mein Leben zu verlangsamen, das Schöne herauszuzögern, auch einfach mal nur dazusitzen und in den Himmel zu schauen.

Wann machst du das?
Wenn alle anderen schlafen. Ich stehe morgens meist gegen 5 Uhr auf, zwei Stunden vor dem Rest der Familie. Das ist mein Moment der Stille. Die Sonne ist noch nicht aufgegangen, vom Highway hörst du noch kein Auto, das Haus ist ruhig. In diesen beiden Stunden schreibe ich, schneide Videos oder mache gar nichts. Der Rest des Tages ist dann Chaos.

Im Video zu ›Run‹ rockt ihr als alte Herrschaften das Seniorenheim. Kann das Alter kommen?
Das Alter ist doch schon längst da (lacht). Wenn wir auf Festivals spielen, wie jetzt beim Lollapalooza in Berlin, dann treffe ich immer diese mächtig erfolgreichen Musiker, die 15 oder 20 Jahre jünger und wesentlich hübscher sind als ich. Während ich in meinem Bart immer mehr graue Haare entdecke. Aber ich mag das. Vor langer Zeit spielten wir mit Neil Young, ich stand hinter der Bühne und bewunderte diesen forschen, lauten, genialen Kauz mit seinem langen, grauen Pferdeschwanz. Bald werde ich vermutlich auch so aussehen. Ich freue mich schon darauf.

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