Flashback: TOTO von Toto erscheint

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Flashback: TOTO von Toto erscheint

Das selbstbetitelte Toto-Debüt aus dem Jahr 1978 stand unter keinem guten Stern. Nach der Veröffentlichung der Platte mussten die Musiker in Tageszeitungen und der Musikpresse viele Verrisse lesen. Man warf ihnen vor, seelenlosen und glattgebügelten „Corporate Rock“ zu spielen und dass die Band am Reißbrett von irgendwelchen Marketing-Heinis zusammengestellt worden sei, die mit der Brechstange ein künstliches AOR-Album im Radio etablieren wollten. Viele Vorwürfe waren haltlos, so kannten sich die Bandmitglieder beispielsweise schon seit der High School. „Unser erstes großes Konzert spielten wir mit Peter Frampton in der Blaisdell Arena in Honolulu“, erinnert sich Sänger Bobby Kimball an die frühen Tage von Toto. Um sich auf diesen Gig vorzubereiten flogen sie auf die hawaiianische Insel Kauai und probten dort zwei Wochen lang. „Wir haben diesen Ort zum Üben gewählt“, erklärt Bobby, „weil wir dort unsere Ruhe hatten und uns nicht ständig jemand auf den Wecker gegangen ist.“ Ruhe ist ein hohes Gut – und das ist ein wichtiger Indikator im Leben des Sängers. Anfangs studierte Bobby fünf Jahre lang Medizin und arbeitete zeitgleich als Laborassistent in einem Krankenhaus. „Ich würde nicht sagen, dass dieses Studium mein absoluter Herzenswunsch war, aber ich hatte irgendwann einen festen Job in einem kleinen Hospital und die Leute da waren schon ein sehr cooles und eingeschworenes Team. Doch die vielen Nacht- und Wechselschichten schreckten mich ab und wieviele Krankenpfleger und Ärzte Alkohol- und Drogenprobleme hatten.“

Seine Sichtweise sollte sich radikal ändern, als er einen richtigen Einblick in die Musikbusiness-Strukturen bekam. „Eigentlich“, erinnert sich der Toto-Sänger, „lag mein Schwerpunkt auf der Arbeit im Krankenhaus, denn es war ein sehr kleines Hospital und man verließ sich dort auf mich. Morgens war ich meistens im College, nachmittags im Krankenhaus und zwei-, dreimal pro Woche trat ich in Clubs auf.“ Doch mit dem Erfolg der Single ›Hold The Line‹ änderte sich sein Leben. „Es war ein unglaubliches Gefühl“, so Kimball, „als ich hörte, dass diese Single auf Platz zwei der Charts stand. Wir fühlten uns fantastisch, als wir das erfuhren.“ Heute ist der Song, der sich aus unterschiedlichen Einflüssen speist, ein unkaputtbarer Klassiker. Toto-Drummer Jeff Porcaro erklärt das Erfolgsrezept der Nummer so: „Du brauchst ein paar griffige Heavy-Metal-Akkorde von der Gitarre plus lang durchgespielte Triolen im 4/4-Takt auf dem Klavier, dazu einen sommerlichen Sly-&- the-Family-Stone-Groove. All dies gut durcheinandergemixt – und du hast es! Dieser Song hat wirklich viele Grenzen überschritten – und uns Mut für weitere Experimente gemacht.“ Genauso ungewöhnlich klingt auch die Entstehungsgeschichte des Bandnamens, um ihn ranken sich gleich mehrere Legenden, was seinen Ursprung betrifft. So soll bei einer davon der amerikanische Judy-Garland-Filmklassiker „Der Zauberer von Oz“ Pate gestanden haben, als es während der ersten Studioaufnahmen im Jahr 1976 um die Namensgebung ging. Denn „Toto“ ist der Name des kleinen Hundes, der Dorothy auf ihrer wundersamen Reise durch ein Märchenland begleitet. Eine andere Version besagt, dass Jeff Porcaro die Demobänder der Gruppe mit einer hastig gekrakelten Toto- Strich-Punkt-Kritzelei markiert habe, um sie von den Aufnahmen anderer Bands unterscheiden zu können. Als Bassmann David Hungate dieses Kürzel sah und seinen Mitmusikern erklärte, dass der lateinische Ausdruck „in toto“ so viel wie „im Großen und Ganzen“ bedeute, was das stilistischen Konzept der Band ganz gut umschreibt, soll sich die Gruppe auf den Namen geeinigt haben. Und ihren unsterblichen Mix aus Pop, Classic Rock, Rhythm and Blues, Jazz und Fusion haben sie mit dem Namen Toto tatsächlich sehr treffend beschrieben.

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