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    Dredg

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    Dredg 2011Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins

    Dichte Sounds, emotionale Texte: Seit ihren bescheidenen Anfängen 1995 hat sich das Quartett aus der Bay Area zum Inbegriff des tiefschürfenden US-Prog Rock gemausert. Mit ihrem siebten Studio-album wollen sie nun hoch hinaus – am besten in die Charts.

    Text: Melanie Aschenbrenner

    Robbie…“ Gedehntes Ausatmen. „Williams?“ Dredg-Gitarrist Mark Engles klingt nicht amüsiert. Ups. Da haben wir ja was gesagt. Dabei war’s nicht bös gemeint. Nur eine Feststellung. Denn so buttrig, wie sich CHUCKLES AND MR. SQUEEZY anlässt, könnte man es glatt für ein Produkt aus den Geheimlabors des Pop halten: Schon der Opener ›Another Tribe‹ kommt so flauschig und ›Feel‹-mäßig daher, dass das Weichspüler-Bärchen Tage lang drauf rumspringen könnte.

    Was ist da passiert? Wo ist sie hin, die harte, vertrackte Westcoast-Band? Wo kommen sie her, diese versöhnlichen Töne? „Wir haben die Platte mit Dan the Automator aufgenommen“, bietet der Gitarrist als Erklärung. „Also bewegt sie sich auch in seinem Kosmos, und die Dynamik einer Rockplatte fehlt. Weniger Gitarren und so.“ Das hätte nicht sein müssen; schließlich arbeitete Dan „The Automator“ Nakamura, HipHop-Produzent aus San Francisco, auch schon mit Mike Patton, Gorillaz und Kasabian zusammen. Doch Dredg haben ihre Riffs einer elektro-akustischen Leichtbauweise geopfert. Herausgekommen ist melancholischer Pop mit Anspruch – aber bitte nicht zu viel davon. Denn während der Zweitling EL CIELO 2002 noch von Schlafstörungen handelte, CATCH WITHOUT ARMS (2005) von einer Gemäldesammlung und THE PARIAH, THE PARROT, THE DELUSION (2009) von Gewissensfreiheit, ist jetzt erst mal Schluss mit Konzepten. „Nicht mehr in eine Kategorie zu passen, die Dinge nicht so furchtbar aufzuladen, fühlt sich gut an“, gesteht Mark ein. „Die Arbeit mit Dan war ja in jeder Hinsicht eine Kollaboration. Wir wollten seinen Einfluss. Normalerweise sorgt ein Produzent dafür, dass deine Band den besten Sound er-hält, aber wir wollten, dass er in die Stücke eingreift.“ Gleich drei davon hat er mitgeschrieben: ›The Tent‹, ›Sun Goes Down‹ und ›Before It Began‹.

    Wenigstens der Titel CHUCKLES AND MR. SQUEEZY (Kicher und Herr Quetsch) ist „typisch Dredg“. Eine Anleihe an den Sadismus der Itchy & Scratchy-Show? „So ähnlich“, lacht der Gitarrist. „Wir nehmen uns ja auch längst nicht so ernst, wie die Leute immer behaupten! Der Name stammt von unserem Tonmeister. Eines Abends erzählte er von diesen Rodeo-Clowns, einem Pausen-Act, den er als Kind sah. Für ihn stand fest, dass sie Chuckles und Mr. Squeezy heißen. Erst haben wir ihn deshalb ausgelacht, aber der Name ist hängen geblieben. Es ist ein sehr anderes Album für uns. Warum also nicht ein sehr anderer Titel?“

    Für die Dredg-Fans könnte es eine Überdosis Anderes sein. Bisher wimmelten ihre Foren von tiefenhermeneutischen Interpretationen, waren sie es gewohnt, die Band bis ins Kleinste zu analysieren… „Ich kann mir vorstellen, dass die klassischen Rockfans enttäuscht sind“, gibt Mark zu. „Ihnen kann ich nur raten, der Platte Zeit zu geben: Sie wird sicher noch wachsen. Und nur weil die Musik eingängiger ist, sind die Texte noch lange nicht weniger intensiv!“

    CHUCKLES AND MR. SQUEEZY hat keinen theoretischen Überbau, doch auch hier sucht Sänger Gavin Hayes akribisch nach etwas. Das Glück? Seinen Seelenfrieden? „Ich kann nicht für Gavin sprechen, aber ich weiß, dass ihn einiges umtreibt. Seine Schwester ist im Militär und im Mittleren Osten im Einsatz – das macht ihm zu schaffen. Er hat Angst, sie zu verlieren. Es gibt einige Songs, die nach Liebesliedern klingen, aber in Wirklichkeit von ihr handeln. Früher überkam uns oft das Gefühl, dass unsere Konzepte zu kompliziert oder den Leuten egal waren. Dann sollen sie jetzt halt rausholen, wonach ihnen ist.“ Mark klingt auf einmal müde. Spürbar schwingt Enttäuschung mit. „Es ist verdammt schwer geworden, in diesem Geschäft noch Geld zu verdienen“, seufzt er. „Die Vorstellung, dass man von Rockmusik leben kann, ist schlicht passé. Ohne Nebenjobs käme keiner von uns über die Runden.“ Was hält Dredg dann bei der Stange? „Live spielen. Auf der Straße sein. Fans treffen. Dort ist alles wieder gut.“

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