Don Felder im Interview: „Es war wie ein Rausch“

Don FelderEr hatte die Idee zu ›Hotel California‹ und verabschiedete sich 2001 im Streit von den Eagles. Jetzt hat Don Felder sein drittes Soloalbum aufgenommen. Es heißt AMERICAN ROCK’N’ROLL und kommt mit Gästen wie Mick Fleetwood, Bob Weir, Peter Frampton, Sammy Hagar und Slash daher. Wir sprachen mit dem Gitarristen über Woodstock, Fleetwood Mac, den Privatjet-Lifestyle, Obsession, Drogen, Hobbys und, natürlich, seine Ex-Band.

Interview: David Numberger

AMERICAN ROCK’N’ROLL ist deine erste Platte seit sieben Jahren. Wie liefen die Aufnahmen?
Auf meinem letzten Album habe ich viel selbst gemacht, alle Gitarrenparts eingespielt, den Gesang und viele der Backgroundvocals übernommen. Diesmal dachte ich mir: Das ist anstrengend und macht nur halb so viel Spaß, als wenn du dir andere Leute dazu holst. Sammy Hagar zum Beispiel kenne ich seit Jahren, wir haben zusammen Charity gemacht, also fragte ich ihn, ob er bei ›Rock You‹, einer großen Stadionhymne, mitsingen wolle. Er sagte, klar, komm vorbei. Als wir in seinem Studio in San Francisco gerade fertig sind, marschiert Joe Satriani herein, der dort seine Gitarren lagert, also sage ich: Joe, du musst auf meiner Platte spielen. Einfach aus dem Blauen heraus. Während wir spielen spaziert Bob Weir ins Studio, der gerade nichts zu tun hat. Also sang er im Refrain mit. Ganz viel kam also durch Zufall zustande.

Der Titelsong des Albums gleicht einem Trip durch die amerikanische Rockgeschichte.
Ich bin in Woodstock gewesen, sah dort Jimi Hendrix, Santana, Janis Joplin, Crosby, Stills, Nash & Young. Die schiere Größe des Ganzen bewegte mich sehr, sicher eines des größten Rock-Ereignisse aller Zeiten, wenn man sich den globalen Impact anschaut. Ich wollte an diesen Punkt in der Zeit zurückgehen, der Track ist quasi eine Dokumentation über die Leute, die in Woodstock dabei gewesen sind, und zugleich über die, die sich davon haben inspirieren lassen. Slash zum Beispiel war noch so jung damals, und doch ließ er sich von Musikern wie Hendrix, Santana oder auch mir selbst beeinflussen. Wir wohnen in derselben Straße, also rief ich ihn an – im Song gibts ja diesen Vers über Guns N’ Roses –, und er machte mit. Mick Fleetwood ist seit den 70ern ein Freund von mir, sein Drumming steht für diese Ära, also trommelte er im ersten Teil des Songs, bevor Chad Smith von den Chili Peppers dazukommt wie ein Gorilla auf Steroiden. Wenn man mit all diesen Leuten gearbeitet hat, dann weiß man, an welchen Stellen man sie perfekt einsetzen kann.

„Wenn man jede Nacht ›Hotel California‹ spielt und alle Leute jede einzelne Note kennen, dann darfst du dir keine Fehler erlauben. Das hält auf Trab.“

Weil du Mick Fleetwood erwähnst: Ihr beide habt in den größten Westcoast-Bands der 70er gespielt, HOTEL CALIFORNIA und RUMOURS kamen fast zur selben Zeit raus. Gab es keine Rivalität zwischen euch?
Nein, tatsächlich gab es eine große Freundschaft zwischen beiden Gruppen. Stevie Nicks hat Don Henley sogar für eine Zeit lang gedatet. Wir gingen auch fast ein Jahr lang zusammen auf Tour: Wer in den lokalen Charts der jeweiligen Stadt gerade zufällig höher stand, durfte an dem Abend Headliner sein.

Du mochtest also die Musik von Fleetwood Mac?
Absolut, darauf kannst du wetten! Wer denn auch nicht?

In ›Charmed‹ singst du über den Ferrari-Beverly-Hills-Privatjet-Lifestyle. Hast du den je selbst gelebt?
Es ist so: Wenn du in irgendwas erfolgreich bist, speziell im Musikbusiness, dann geht’s nicht um die Privatjets, nicht um die Sportwagen und Häuser, auch nicht um die Charts. Was zählt, ist die Leidenschaft für Musik, ohne die hat alles andere seinen Charme verloren.

Hattest du je Angst, von Geld und Erfolg korrumpiert zu werden?
Ich bin sehr arm aufgewachsen. Dass ich anfing, Musik zu machen, hatte nichts mit Geld oder Ruhm oder Frauen zu tun. Oder vielleicht doch mit den Frauen ein bisschen. (lacht) Aber letztendlich entwickelte ich einfach eine unglaubliche Liebe zum Gitarrenspiel, es war wie ein Rausch. Es fing damit an, dass ich über eineinhalb Jahre auf den Straßen von New York lernte, Jazz zu spielen und zu improvisieren. Danach war ich drei Jahre lang in einem Studio in Boston beschäftigt, sechs Tage die Woche von neun bis fünf für insgesamt 50 Dollar die Woche. Dort bekam ich mit, wie man Alben aufnimmt, wie man die Gitarre gut klingen lässt. Nach der Arbeit fuhr ich Downtown in ein Holiday-Inn-Restaurant, setzte mich drei Stunden lang rein und übte Nylon-String-Gitarre – während die anderen Leute ihr Dinner gegessen und Wein getrunken haben. Danach war es neun, dann spielte ich noch in einer Coverband die Pophits der Stunde, bis um ein Uhr früh. Am nächsten Tag ging es wieder von vorne los. So was macht man nicht, wenn man nur an Geld denkt, dazu braucht es eine Obsession für die Musik. Und als dann die Zeit kam, ›Hotel California‹ zu arrangieren, hatte ich die Skills dazu.

Es gibt wilde Geschichten über die Eagles: Du selbst hast nie wirklich exzessiv Drogen genommen, oder?
Nein, das ist richtig. Ich war verheiratet und hatte Kinder. Man kann nicht einfach auf Drogen die Kontrolle verlieren und gleichzeitig Verantwortung für seine Familie spüren. Deshalb habe ich darauf geachtet, nicht von Alkohol, Drogen oder was auch immer abhängig zu werden. In New York sah ich so viele Heroinabhängige, das sollte mir nicht passieren.

Bist du ein Workaholic oder eher jemand, der seine Freizeit genießt?
Ich bin süchtig nach Musik, es macht mir eine solche Freude, aufzustehen, ins Studio zu marschieren, wo noch alles dunkel ist, und am Ende des Tages auf Play zu drücken und mir anzuhören, was wir aufgenommen haben. Ge­­nauso schön ist es, rauszugehen und auf der Bühne zu stehen. Und wenn man dann jede Nacht ›Hotel California‹ spielt und alle Leute jede einzelne Note kennen, dann darfst du dir keine Fehler erlauben. Das hält auf Trab.

Hast du Hobbys?
In letzter Zeit war ich mit Auftritten, Songschreiben, Studioarbeit und PR so beschäftigt, dass ich vergangenes Jahr nur einmal Golf gespielt habe. Mein Handicap lag mal bei 7, jetzt steht es bei um die 14. Ich hab mal eine Tauchschulung gemacht, war aber seit mehr als fünf Jahren nicht mehr Tauchen. Mein Flugschein ist nutzlos, denn wenn du außer Übung bist und einrostest, dann kann jede Sekunde etwas passieren und du fliegst gegen einen Berg. Aber mein Plan schaut so aus: Die nächsten drei Jahre sind harte Arbeit angesagt, ich will ein weiteres Album rausbringen und auf Tour gehen. Dann schalte ich einen Gang zurück, um ein paar Jahre in meinem Leben wirklich Spaß zu haben. Dann treffe ich Freunde, spiele Golf, suche mir warmes Wasser mit einem weißen Sandstrand, stelle mir einen kleinen Stuhl auf, trinke Drinks mit einem kleinen Schirmchen dran und habe eine schöne Blondine mit einem klitzekleinen Bikini um mich. (lacht)

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