Die wahren 100 besten Alben der 70er (Platz 60-41)

-

Die wahren 100 besten Alben der 70er (Platz 60-41)

- Advertisment -

50-onlyones50 EVEN SERPENTS SHINE
The Only Ones
COLUMBIA, 1979
Auf dem Zweitling der Londoner gab es keine Single wie ›Another Girl Another Planet‹, und vielleicht wurde ihre musikalische Begabung (vor allem John Perrys geniale Gitarre) von den Punk-Orthodoxen nicht gerne gesehen. Doch in Peter Perretts narkotisch-nasalen Vocals und lebensüberdrüssigen Texten hatten sie jede Menge attitude. Sein fatalistisches Seufzen pendelte zwischen Panik und Aggression, vom Magenschwinger ›Programme‹ zum erhabenen Melodram von ›Curtains For You‹. Der Klang einer Band, die nicht mit der Zeit ging, aber komplett in ihrer Musik aufging, war köstlich düster.
Chris Roberts

Zeitzeugen:
„Es braucht seine Zeit, bis es seine Details und seine Bissigkeit preisgibt … Es entwickelt und verfeinert ihre einzigartige Persönlichkeit … Einzigartig englisch.“
Melody Maker

49-rainbow49 LONG LIVE ROCK‘N‘ROLL
Rainbow
POLYDOR, 1978
Es gibt nicht nur RISING. Auf ih­­rem dritten Studiowerk kombinierten Rainbow den Pomp jenes Vorgängers mit einem neuen kommerziellen Gespür – etwas, das Anführer/Gitarrist Ritchie Blackmore mit Graham Bonnet und später Joe Lynn Turner als Frontmännern noch weiter ausloten sollte. Wir können nicht mehr zählen, wie oft wir den Begriff „gebieterisch“ im Zusammenhang mit Ronnie James Dio benutzt haben, aber es gibt einfach kein besseres Wort, um seine Ge­­sangsdarbietung hier zu beschreiben. ›Kill The King‹? Atemberaubend. ›Gates Of Babylon‹? Umwerfend. Der Titelsong? Ein besseren Schlachtruf hat es nie gegeben.
Geoff Barton

Zeitzeugen:
„Ritchie Blackmore ist eines der wenigen verbliebenen Gitarren-Schwergewichte.“
Trouser Press

48-ramones48 ROCKET TO RUSSIA
Ramones
SIRE, 1977
Ende 1977 waren die Ramones be­­reits bei ihrem dritten Album an­­gelangt. Doch auch wenn ihre Formel dem Punk seine Blaupause verschafft hatte, führten die stetige Verfeinerung ihres Könnens auf Tour und ein größeres Budget zu einem Karriere-Highlight. Auch mit einem klaren Surf-Einfluss auf Stücken wie ›Cretin Hop‹, ›Rockaway Beach‹ und ihrer wunderbar verrückten Version des Trashmen-Klassikers ›Surfin‘ Bird‹ waren die New Yorker immer noch voller Aufregung, durchgeknallter Un­­schuld und pulverisierender Energie wie keine ihrer Nachahmer, und konnten nun auch noch einen kraftvolleren Sound und mehr Vielfalt vorweisen – mit ›Here Today, Gone Tomorrow‹ hatten sie sogar eine Ballade im Programm.
Kris Needs

Zeitzeugen:
„ROCKET TO RUSSIA ist der beste amerikanische Rock‘n‘Roll des Jahres und vielleicht das lustigste Rockalbum aller Zeiten.“
Rolling Stone

47-zappa47 OVER-NITE SENSATION
Frank Zappa & The Mothers Of Invention
DISCREET, 1973
OVER-NITE SENSATION wurde von kindischen Schuljungen mit offenen Armen empfangen, die im guten alten Profiflucher Uncle Frank einen unerwarteten Seelenverwandten erkannten. Die Platte entschärfte ihre dichtgewobene technische Komplexität mit dem energiegeladenen Starkstrom von (den nicht namentlich erwähnten) Tina Turner & The Ikettes und trug dazu bei, Zappa in der öffentlichen Wahrnehmung als un­­verbesserlichen Perversen neu zu positionieren, der stets mit seinem borstigen Schnurrbart in die Kamera augenzwinkerte und nichts und niemanden ernstnahm.
Ian Fortnum

Zeitzeugen:
„Nach gesellschaftskritischen Songs über Plastikmenschen, High-School-Hierarchien, Hirnpolizei und die Damen der Straße kehrt Zappa zum überzeugendsten Element seiner verrückten Persönlichkeit zurück: den Freuden eines feuchten Schritts.“
Crawdaddy

46-mc546 BACK IN THE USA
MC5
ATLANTIC, 1970
Was konnten MC5 nach dem brandheißen KICK OUT THE JAMS tun? Bei Atlantic unterschreiben, sich der straffen Produktion des zukünftigen Springsteen-Mentors Jon Landau unterwerfen und eine Platte machen, die den Teenie-Rock‘n‘Roll aktualisieren wollte. Trotz des verdünnten Klangs wurden Blitzschläge wie ›The Human Being Lawnmower‹, ›The American Ruse‹ und ›Teenage Lust‹ später als Proto-Punk-Klassiker auf einem der wichtigsten Werke des Jahrzehnts anerkannt.
Kris Needs

Zeitzeugen:
„… die Musik, der Sound und letztlich die Sorgfalt, mit der diese Motive geformt wurden, zieht es herunter, bis auf zwei oder drei tolle Stücke, die es verdient hätten, in jeder Jukebox im ganzen Land zu laufen.“
Rolling Stone

45-mikeoldfield45 HERGEST RIDGE
Mike Oldfield
VIRGIN, 1974
Es sagt viel über HERGEST RIDGE aus, dass dessen Vorgänger, der Megaseller TUBULAR BELLS von 1973, wieder in den britischen Charts aufstieg, um es von Platz 1 zu verdrängen. Das arme Ding hatte nie auch nur die geringste Chance. Oldfield hasste die Aufmerksamkeit, die ihm sein Riesenerfolg bescherte, und nahm die Demos zum Nachfolger in ländlicher Abgeschiedenheit auf. Das Resultat war eine filmische Untersuchung von Folk, Klassik und Ambient, die mehr mit dem Komponisten Terry Riley als einer Rockband zu tun hatte und wohl am besten in bewusstseinserweitertem Zustand zu genießen war. Bis heute machen diese idyllischen Stimmungen es zu einem viel einladenderen Hörerlebnis als Oldfields exzessiv konsumiertes, viel zu präsentes Debüt.
Mark Blake

Zeitzeugen:
„Mike Oldfield besitzt die einzigartige Gabe, mit Musik Landschaften zu malen. Dieser Ausblick ist erhaben, geordnet, englisch und sehr grün.“.
Down Beat

44-aerosmith44 GET YOUR WINGS
Aerosmith
COLUMBIA, 1974
Es heißt oft, Aerosmith hätten erst 1975 mit TOYS IN THE ATTIC in die richtige Spur ge­­funden. Wer je­­doch eine dreckigere Erfahrung sucht, greift auf dessen Vorgänger GET YOUR WINGS zurück. ›Same Old Song And Dance‹, ›Lord Of The Thighs‹ und eine fetzige Coverversion von ›Train Kept A Rollin‘‹ sind der Urquell des Aerosmith-Sounds: im Wesentlichen Steven Tylers lasziver Gesang über Mädchen, Stimulanzien und geile Zeiten, gepaart mit „Funky White Boy“-Gitarrenlicks. Wiederholen ad infinitum. ›Seasons Of Wither‹ mit seinem langsamen Aufbau und dem finalen Gitarren-Crescendo klingt wie absolut jede Ballade von Guns N‘Roses, nur eben bereits zwölf Jahre früher.
Mark Blake

Zeitzeugen:
„Das zweite Album von Aerosmith stürmt mit aufgestauter Wut voran, aber vermeidet die Exzesse, denen so viele ihrer Konkurrenten erliegen.“
Rolling Stone

ace-frehley_ace-frehley43 ACE FREHLEY
Ace Frehley
CASABLANCA, 1978
Angesichts seiner Rolle als ewiger Loser bei Kiss hätte nur ein sehr mutiger Buchmacher Wetten darauf angenommen, dass der Gitarrist (und manchmal Sänger) das erfolgreichste der vier Soloalben abliefern würde, die die einzelnen Bandmitglieder am 18. September 1978 veröffentlichten. Doch genau so geschah es. Einige Leute betrachten Paul Stanleys Platte als die beste des Quartetts, doch Frehley ist ihr in jedem Song mehr als ebenbürtig und brachte mit ›New York Groove‹ den einzigen US-Top-40-Hit dieser Serie hervor. Mit über einer Million verkaufter Einheiten ließ er einen gewissen Demon ziemlich alt aussehen.
Dave Ling

42-khan42 SPACE SHANTY
Khan
DERAM, 1972
Das einzige Album der kurzlebigen Band aus Canterbury, die u.a. Gitarrist Steve Hillage und Dave Stewart, den einstigen Keyboard-Zauberer von Egg und zukünftigen von Hatfield And The North, zu ihren Mitgliedern zählen konnte, ist ein verborgener Schatz. Mal nerdig verkopft, mal schwerverdaulich, mal spacig oder jazzy, ist es ein echter Klassiker des 70s-Prog, der es verdient hätte, nicht nur von den Supergeeks des Genres gekannt zu werden. Vor allem Hillage und Stewart glänzen hier, auch wenn heute die bisweilen peinlichen Texte und überkandidelten Songtitel – z. B. ›Stranded (Including Effervescent Psycho Novelty No. 5)‹ oder ›Space Shanty (Including ‚The Cobalt Sequence‘ And ‚March Of The Sine Squadrons‘)‹ – etwas mehr auf dem Boden gebliebene Hörer abschrecken könnten.
Paul Henderson

41-procal41 GRAND HOTEL
Procol Harum
CHRYSALIS, 1973
Das einzige, was man wirklich über GRAND HO­­TEL wissen muss, ist dass die epische Riesigkeit des Chors, Or­­chesters, Gitarrensolos und maximal aufgebohrten Mittelteils auf dem Titelstück Douglas Adams dazu inspirierte, „Das Restaurant am Ende des Universums“ zu schreiben. Weniger erleuchtete Ohrenzeugen verurteilten natürlich Procols immer hochtrabendere Konzepte, doch die­­se Platte stopft genug überwältigenden Pomp für ganze Alben in jede einzelne Strophe.
Ian Fortnum

Zeitzeugen:
„GRAND HOTEL ist eine Ansammlung aufgeblasener Produktionen, die im schlimmsten Fall Selbstparodien nahe kommen, und einfacherer, weniger pompöser Stücke, die andeuten, dass Procol Harum doch noch einen Ausweg finden könnten.“
Rolling Stone

Hier findet ihr die Plätze 80-61.

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Das Neueste

Lynyrd Skynyrd: One More From The Road

1975. Ein Blutbad bahnt sich an. Lynyrd Skynyrd trinken – und zwar so richtig – an der Hotelbar: Pfefferminzschnaps,...

The Black Crowes – SHAKE YOUR MONEY MAKER (30th Anniversary)

Geschwisterliebe Als die Black Crowes 1990 ihren Erstling SHAKE YOUR MONEY MAKER auf die Fans losließen, stand die Rockgitarre insbesondere...

Review: Alice Cooper – DETROIT STORIES

Unser Interview mit Alice Cooper lest ihr in der aktuellen Ausgabe von CLASSIC ROCK! Man kann sich ja bekanntlich neu...

Billy Gibbons: ›Rattlesnake Shake‹ live mit Steven Tyler

In Gedenken an den verstorbenen Peter Green gaben Steven Tyler und Billy Gibbons vor circa einem Jahr gemeinsam den...
- Werbung -

Review: Joanna Connor – 4801 SOUTH INDIANA AVENUE

Joe Bonamassa, der moderne Säulenheilige des Blues, betreibt ein neues Förderprogramm. Unter seinem Indie-Labelbanner „Keeping The Blues Alive“ hat...

Review: Willie Nelson – THAT’S LIFE

Willie Nelson huldigt nach MY WAY erneut seinem einstigen Kumpel Frank Sinatra Eine Country-Legende ehrt eine Jazz-Legende – mehr Crossover...

Pflichtlektüre

Was machen eigentlich Killer Dwarfs?

Der 26. Mai 2014 wäre beinahe das Ende der...

David Bowie: Ausnahmekünstler ist tot

David Bowie ist gestern im Alter von 69 Jahren...
- Advertisement -

Das könnte dir auch gefallenÄHNLICH
Für dich empfohlen