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    Die wahren 100 besten Alben der 70er (Platz 60-41)

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    Die wahren 100 besten Alben der 70er (Platz 60-41)

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    Wir überschreiten die Halbzeit bei unseren wahren 100 besten Alben der 70er, u.a. mit Neil Young, Scorpions, Slade, Aerosmith und Bad Company.

    60-roxy-music60 COUNTRY LIFE
    Roxy Music
    ISLAND, 1974
    Irgendwo zwischen ihrer hochgelobten ersten Glanzzeit und ihren aalglatten Popjahren in den 80ern kam COUNTRY LIFE. An diese Roxy-LP aus ihrer mittleren Phase erinnert man sich heutzutage ebenso wegen des gewagten Covers wie der Musik. Unterstützt von Brian Enos Nachfolger, dem nicht minder geisterhaft aussehenden Geiger/Keyboarder Edwin „Eddie“ Jobson, waren der harte Pop von ›The Thrill Of It‹, der Prog-meets-Bertolt-Brecht-Stampfer ›Bitter-Sweet‹ (auf dem Bryan Ferry in kehligem Deutsch singt) und der ungelenke Funk-Rock von ›Casanova‹ grandios eigenartig. Der eindeutige Beweis dafür, dass die angeborene Verschrobenheit von Roxy Music sich eben doch nicht einfach in Luft auflöste, als Eno die Band verließ.
    Mark Blake

    Zeitzeugen:
    „Ein Album voller ziemlich geradliniger Liebeslieder klingen zu lassen wie den Niedergang des Abendlands, muss man auch erst mal schaffen.“
    Rolling Stone

    59-calvert59 CAPTAIN LOCKHEED AND THE STARFIGHTERS
    Robert Calvert
    UNITED ARTISTS, 1974
    Eine angemessene Würdigung von Robert Calvert würde vermutlich dieses komplette Magazin einnehmen, doch man muss wenigstens dieses famose Kunstwerk erwähnen, auf dem der Brite die Ge­­schichte der berüchtigten Lockheed F-104 Starfighter (auch bekannt als „Witwenmacher“) zu einem atemberaubenden Konzeptalbum verarbeitete, das von Proto-Punk über exaltiertesten Prog bis zu Amateurtheater alles zu bieten hatte. Und ganz nebenbei die wahren Ereignisse um das Skandalflugzeug um zwei Jahre vorwegnahm. Es gibt nur sehr wenige Menschen, auf die die Worte „verkanntes Genie“ so perfekt passen.
    Matthias Jost

    Zeitzeugen:
    „Es scheint eine fast unvorstellbare Unvereinbarkeit, dass ein so eloquenter und gepflegter junger Mann in Verbindung mit diesen wilden, haarigen Typen steht, aus denen Hawkwind bestehen …“
    NME
    58-yes58 GOING FOR THE ONE
    Yes
    ATLANTIC, 1977
    Die vorherrschende Meinung besagt, dass die goldene Ära von Yes bis CLOSE TO THE EDGE von 1972 reichte, worauf sie dann bis ›Owner Of A Lonely Heart‹ von 1983 vergaßen, wie man Songs schreibt. Tatsächlich entdeckten sie ihre Muse wieder auf GOING FOR THE ONE, einem Album voller schlauem Prog mit richtigen Songs. Das Titelstück konnte man fast schon (aber nur fast) als konventionellen Rock‘n‘Roll bezeichnen, das epische ›Awaken‹ verband das Gebet für spirituelle Erleuchtung von Sänger Jon Anderson mit einer fesselnden Melodie, und das Gesamtpaket erschien in einer Dreifach-Gatefold-Hülle, die dem Punk die kalte Schulter zeigte. Immer noch das beste Yes-Werk, von dem niemand spricht.
    Mark Blake

    Zeitzeugen:
    „Ein tolles Stück und vier interessante Songs. Ich hoffe, dass sie es nicht erwarten können, wieder ins Studio zu gehen, und diese Inspiration weiter nähren.“
    Sounds

    57-badcompany57 RUN WITH THE PACK
    Bad Company
    ISLAND, 1976
    Das Drittwerk von Bad Company verkaufte sich nicht so gut wie die zwei da­­vor und lieferte keinen großen Hit wie ›Can‘t Get Enough‹ oder ›Feel Like Makin‘ Love‹. Dabei hätte es mehr Aufmerksamkeit verdient ge­­habt. Die primitive Breitbeinigkeit von ›Live For The Music‹ ist unwiderstehlich, während ›Silver, Blue & Gold‹ sowie das Titelstück Paradebeispiele für Feinsinn und Melodramatik sind. Beim eher fragwürdigen „Knastköder“-Rock von ›Honey Child‹ kann man wiederum fast sehen, wie die Glühbirne in David Coverdales Kopf aufploppt. Man kann ›Run With The Pack‹ also durchaus die Schuld an der Ge­­burt von Whitesnake geben, doch das sollte man ihm nicht zur Last legen.
    Mark Blake

    Zeitzeugen:
    „All diese supermännlich starken, lebendigen Akkorde voller Aggression und Virilität lassen mich kalt.“
    Sounds

    56-slade56 OLD NEW BORROWED AND BLUE
    Slade
    Polydor, 1974
    Slades viertes Album er­­schien wenige Monate nach dem Erfolg von ›Merry Xmas Everybody‹, der letzten der sechs UK-Nr.-1-Singles der Band, und zeigte, dass ihre Musik sich weiterentwickelte. Auf ›Just A Little Bit‹, ›When The Lights Are Out‹ und ›My Friend Stan‹ blieben sie ihren Hooligan-Wurzeln treu, doch ›Everyday‹ und ›Miles Out To Sea‹ zeigten eine neu gewonnene Reife. Kritiker begannen sogar, sie mit den Beatles zu vergleichen. Überraschenderweise passte diese nachdenkliche Ader genauso gut zur Band wie ihre rabaukenhafteren Momente, etwa das selbsterklärende ›We‘re Gonna Raise The Roof‹.
    Dave Ling

    Zeitzeugen:
    „Durch und durch ein Hit.“
    Record Mirror

    55-burrito55 BURRITO DELUXE
    Flying Burrito Brothers
    A&M, 1970
    Nach ihrer Zeit bei den Byrds erfanden Gram Parsons und Chris Hillman mit ihrem Debüt THE GILDED PALACE OF SIN im Wesentlichen den Country-Rock. Sie verkauften zwar nicht viele Platten, aber sie hatten Dylan, die Stones und die Herren, aus denen die Eagles werden sollten, beeindruckt. Nach dem Geständnis, dass ihnen die Inspiration für ihr nächstes Album ausgegangen war – „Es war wie Zähneziehen“, verriet der Gitarrist und zukünftige Eagle Bernie Leadon –, lieferten sie ein luftigeres Werk als PALACE ab, das auf Seite 2 deutlich besser wurde. Hier fanden sich ›Older Guys‹, ›Cody, Cody‹ und eine bis dato nie aufgenommene Ballade, die Parsons von Jagger und Richards geschenkt worden war und zur definitiven Version dieses Songs werden sollte: ›Wild Horses‹.
    Jo Kendall

    Zeitzeugen:
    „Sie gehen Richtung einfacher Rock‘n‘Roll … aber es ist immer noch eine faszinierende Songsammlung“
    The Times

    54-scorps54 IN TRANCE
    Scorpions
    RCA, 1975
    Auch wenn sie dieses Rockding noch nicht so ganz verinnerlicht hatten, war dies doch das erste richtige Scorpions-Album. Gitarrist Uli Jon Roth blieb ein prägender Einfluss, doch vor allem stellt man hier einen deutlichen Wandel von den Hippie-Ergüssen der beiden vorherigen Platten der Band zu fokussierteren und sorgfältiger strukturierten Songs fest, etwa bei ›Robot Man‹, ›Top Of The Bill‹ oder dem Titelstück. Das Cover war derweil nicht halb so kontrovers wie das des Nachfolgers VIRGIN KILLER, aber mit den entblößten Brüsten des Models darauf immer noch ausreichend provokant, um in den USA geschwärzt zu werden.
    Geoff Barton

    53-beach53 SURF‘S UP
    The Beach Boys
    REPRISE, 1971
    Mit seinem düsteren Cover und dem Umweltbewusstsein war es der Versuch der Beach Boys, in der Gegenkultur ak­­zeptiert zu werden. Dass sie darauf ziemlich lebensüberdrüssig klangen, könnte daran liegen, dass dies ihr 17. Studioalbum seit 1962 war. Carl Wilsons beseeltes ›Long Promised Road‹ war von einem berückenden Schleier verhüllt, Al Jardines ›Lookin‘ At Tomorrow‹ war wunderbar getragen, während Manager Jack Rieley eine bewegende Beichte aus der Sicht eines Baumes darbot. Doch natürlich war es Ober-Beach-Boy Brian Wilson, der mitten in seinem Jahrzehnt des Grauens mit dem wunderschönen ›‘Til I Die‹ und dem barocken Titelstück, gerettet vom legendären SMILE, allen die Show stahl.
    Paul Lester

    Zeitzeugen:
    „Eine volle Ladung Wahrheit in einer Zeit, in der wie sie am nötigsten haben. Wollen wir hoffen, dass Brian noch ein bisschen länger unter uns weilen will.“
    Melody Maker

    52-cheap52 CHEAP TRICK
    Cheap Trick
    EPIC, 1977
    Ihr charakteristischer Sound aus großen Riffs und noch größeren Hooks sollte sie zu Stars machen, doch vor ihren Hitalben AT BUDOKAN und DREAM POLICE kam ihr Debüt, das hinter den Erwartungen zurückblieb. Mit Songs über Serienmörder und Pädophile (›Daddy Should Have Stayed In High School‹ gab der heute oft gehörten Ausrede Vorschub, dass „es andere Zeiten waren“) waren dies Cheap Trick in ihrer reinsten Form. Es ist offensichtlich, warum die Punk-Pioniere Big Black aus Illinois später ›He‘s A Whore‹ coverten – der Großteil dieses Erstlings verfügt über die Bedrohlichkeit und Intensität einer Garagenband, die sie nie wieder einfangen sollten.
    Mark Blake

    Zeitzeugen:
    „In ihren Texten geht es um Lust, Verwirrung und Frauenfeindlichkeit… Schaut sie euch an, bevor Oberschwester Ratched ihnen den Stirnlappen filettiert.“
    Rolling Stone

    51-young51 AMERICAN STARS ‘N BARS
    Neil Young
    REPRISE, 1977
    Ende der 70er war es unmöglich geworden, Neil Youngs nächsten Schritt vorherzusagen. Nach dem strikten Country-Rock von HARVEST und dem rohen Nihilismus von ON THE BEACH war sein achtes Album ein oft verspieltes Amalgam verschiedener Stile. Wenn er gerade kein lüsterner Stallknecht (›Saddle Up The Palomino‹) war oder sanft mit Emmylou Harris und Linda Ronstadt flehte, entblößte er entweder mit seltener Offenherzigkeit seine Seele (›Star Of Bethlehem‹) oder galoppierte mit Crazy Horse auf dem epischen Bombast von ›Like A Hurricane‹ dahin.
    Rob Hughes

    Zeitzeugen:
    „Young hat einen Großteil der Verzweiflung abgeschüttelt, die die Stimmung seiner jüngsten Werke bestimmt hat.“
    Melody Maker

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