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David Crosby: 14. August 1941–18. Januar 2023

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David Crosby: 14. August 1941–18. Januar 2023

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Wir blicken zurück auf das Leben des Mannes, der mit den Byrds, CSN, CSN&Y und solo unvergessliche Musik aufnahm, die zum schillernden Soundtrack einer goldenen Ära gehörte. (Text: Simon Harper)

Was zur Hölle ist falsch an Freiheit, Mann? Darum geht es doch“, empört sich Billy, Dennis Hoppers blauäugiger, nachnamenloser Antiheld auf der Suche nach Amerika in einer denkwürdigen Szene des bahnbrechenden Roadmovies „Easy Rider“ von 1969. Billy steht – ebenso wie sein Reisegefährte Wyatt, gespielt von Peter Fonda – für den hedonistischen, rebellischen Kult der Jugend, die in einer spießigen, intoleranten Gesellschaft zu überleben versucht. Dass Hopper, der auch Regie führte,
seine abenteuerlustige und idealistische Figur – inklusive tief gezogenem Walross-Schnurrbart, schulterlangem Haar und Fransenjacke – nach dem Vorbild von David Crosby schuf, war ein Beleg für den nachhaltigen Einfluss der freigeistigen Ikone der Gegenkultur auf eine ganze Generation am Ende jener revolutionären Dekade. Als „Easy Rider“ im Juli 1969 erschien, war CROSBY, STILLS & NASH, das Debütalbum der dreiköpfigen Supergroup, die zur Speerspitze der Anfang der 70er so dominanten Szene in Kalifornien werden sollte, erst zwei Monate alt, doch ihr Mitbegründer David Crosby (der auf dem Cover erst recht wie die glückselig-bekiffte Blaupause für Billy aussah) galt schon als freimütiger, anti- autoritärer, verschmitzter Prinz der Hippie-Ära.

Es war eine Rolle, in der er sich pudelwohl fühlte und die seinen unstillbaren Durst nach Sex, Drogen und Rock’n’Roll mehr als exzessiv stillte, ebenso wie seine nie nachlassende Streitlust – über die Jahre entlud er seine ungefilterten Launen insbesondere über Politiker, mindere Popstars und natürlich vor allem seine eigenen Bandkollegen. Doch es war seine Stimme – dieser seidene, honigsüße, geschmeidig fließende Ausdruck seiner Seele –, die ihn so einzigartig machte, ja zum Idol einiger der größten Talente, und die bis zu seinen allerletzten Tagen nicht verstummte. Als er diesen Januar mit 81 verstarb, war Croz, wie er liebevoll genannt wurde, längst ein Elder Statesman der Musik, Grammy-gekrönt und gleich zweimal in die Rock And Roll Hall Of Fame aufgenommen (als Mitglied von The Byrds und CSN), dessen letzter Lauf wundervoller Solowerke mehr als reichlich für die orientierungslosen Jahrzehnte davor entschädigte. Er erwies sich auch als schlagfertiger, scharfzüngiger Twitter-Raconteur, der mit seinen ehrlichen Bewertungen ihrer Jointdrehfähigkeiten neue Follower aller Generationen anzog.

Seine kreative Wiedergeburt ging jedoch mit einigen persönlichen Turbulenzen einher. Die Abgründe seiner einstigen Suchtprobleme hatten ihm gesundheitliche und finanzielle Schwierigkeiten beschert und er starb entfremdet von den Weggefährten, mit denen er seine größten Werke erschaffen hatte. Seine Freiheit, so schien es, hatte einen hohen Preis gefordert. Roger McGuinn war Crosby gegenüber schon ab dem Moment misstrauisch, als ihre beruflichen Wege sich erstmals kreuzten. Der Folkgitarrist hatte das Chad Mitchell Trio verlassen und die Szene im New Yorker Greenwich Village auf den Kopf gestellt, indem er traditionelle Stücke mit einem Beatles-Beat versehen hatte. Dann war er nach Los Angeles gezogen und hatte sich mit Gene Clark zusammengetan, seinerseits gerade bei den New Christy Minstrels ausgestiegen, um seine neue Folkrock-Vision als Duo umzusetzen. Schnell wurde ihnen jedoch klar, dass ihre Stimmen so ähnlich klangen, dass sie eine dritte benötigten, also machten sich die beiden auf die Suche nach einem weiteren Mitstreiter. Den fanden sie schließlich Anfang 1964 im Troubadour Club in West Hollywood. „Dieser Typ auf der Bühne kommt sehr arrogant rüber und scheint auf Konfrontationskurs mit dem Publikum zu sein“, erinnerte sich Clark 1989 in Crosbys Autobiografie „Long Time Gone“. „Ich sagte: ‚Wer ist dieser Kerl?‘ Und Roger antwortete: ‚Ich kenne ihn.‘ Aber er wollte nicht darüber reden. Dann sang der Typ und ich war einfach überwältigt. Ich meinte: ‚Mann, ist der gut! Das ist es, man kann sich nichts Besseres wünschen.‘ McGuinn entgegnete: ‚Nein, Mann. Ich kenne David. Wir haben versucht zusammenzuarbeiten. Es ist unmöglich, das wird nie funktionieren.‘“ Crosby hatte seine eigenen Folk-Ambitionen gehegt und seine Karriere als Live-Musiker in Santa Barbara im Duo mit seinem älteren Bruder Ethan lanciert, bevor er es alleine in New York versuchte, wo er McGuinn erstmals begegnete.

In seine Heimatstadt Los Angeles zurückgekehrt, schlug er McGuinn und Clark vor, sich zusammenzutun. Als Ass im Ärmel erwähnte er, dass sein Freund Jim Dickson ein Studio besaß, das sie benutzen dürften. Ein Angebot, das McGuinn nicht ausschlagen konnte. In den folgenden Monaten verstärkte sich die Gruppe mit Dickson als Manager noch um Chriss Hillman am Bass und Michael Clarke am Schlagzeug. Und sie gab sich einen Namen: The Byrds. Ihre holprigen Anfänge spielten sich auf kalifornischen Clubbühnen ab und erinnerten an den frechen, langhaarigen Habitus der Rolling Stones. Ihr Durchbruch kam schließlich mit ihrer Debütsingle, die im April 1965 veröffentlicht wurde: einer lieblichen elektrifizierten Interpretation von Bob Dylans ›Mr. Tambourine Man‹. Plötzlich waren The Byrds ein Phänomen. Ihr klingelnder Folkrock-Stil eroberte das Radio, als Amerika gerade gegen die British Invasion ankämpfte. Das Album MR. TAMBOURINE MAN, dominiert von weiteren Dylan-Covers und Eigenkompositionen von Gene Clark, etablierte sie dann als Pioniere des aufkeimenden Westcoast-Sounds, der sich dann wiederum in RUBBER SOUL von den Beatles niederschlug. McGuinn übernahm zwar den Löwen- anteil des Leadgesangs, doch Crosby, der seine lieblichen Harmonien mit einem seligen Lächeln darbot, besaß eine strahlende Präsenz, die ihn dazu prädestinierte, ein Star zu sein. „Ab da begannen wir, Geld zu verdienen“, erzählte er später.

„Dann kaufte ich mir einen neuen, grünen Porsche. Es war der Moment, als mir klar wurde, dass die 60er eine interessante Zeit werden dürften.“ Ein Leben im Rampenlicht bedeutete für Crosby aber gar keine so große Umstellung. Seine Eltern, beide mit Wurzeln in der Oberschicht von New York (seine Mutter Aliph Van Cortlandt Whitehead entstammte der politisch einflussreichen Van-Cortlandt-Dynastie), waren nach Los Angeles gezogen, weil sein Vater Floyd Crosby Ambitionen im Filmgeschäft hatte – eine Entscheidung, die sich bezahlt machte, denn 1931 gewann er einen Oscar als bester Kameramann. 1937 wurde Ethan geboren, vier Jahre später dann David, der auf den Filmsets aufwuchs, wo sein Vater arbeitete. „Ich war schon immer ein Showbiz-Kind“, bestätigte er später. Musik war eine einende Kraft im Crosby-Haushalt, wo die Familie oft gemeinsam musizierte: Floyd spielte Mandoline, Ethan Gitarre, Aliph sang und David lieferte seine ersten Harmonien ab. Doch diese gemeinsamen Darbietungen konnten David nicht festigen oder sein zunehmend provokatives Verhalten verhindern – als Teenager flog er gleich von mehreren exklusiven Privatschulen, und nach der Trennung seiner Eltern Ende der 50er wurde es noch schlimmer. Als sein Bruder ihm dann ein paar Akkorde auf der Gitarre beibrachte, eröffnete sich ihm eine neue Welt, umso mehr, als er die Stimmung in den örtlichen Jazzclubs mitbekam, in denen Ethan auftrat. „Ich habe schon immer gesagt, dass ich die Gitarre nur als Abkürzung zum Sex gelernt habe“, schrieb Croz.

Und der aufstrebende Folkie ließ nichts anbrennen, wenn es darum ging, Frauen nachzustellen – bis seine ausufernde Promiskuität ihn in Schwierigkeiten brachte. Als er erfuhr, dass eine seiner Freundinnen schwanger war, floh er aus Kalifornien und trat die musikalische Reise an, die ihn letztlich zu seiner schicksalhaften Allianz mit McGuinn und Clark führte. Die Byrds waren unablässig kreativ und erkundeten in ihren ersten glorreichen Jahren verschiedene Stilrichtungen, mit wunderbaren Ergebnissen. Auf Folkrock folgten Jazz, Country und indische Einflüsse, was in den ersten Keimen der Psychedelik mündete. Lieder wie ›Eight Miles High‹, ›Mr. Spaceman‹ und ›5D (Fifth Dimension)‹ belegten die eindrucksvoll progressive Natur ihres Klangspektrums. Als Hauptsongwriter Clark dann im Februar 1966 ausstieg, blühten die anderen Byrds als Komponisten auf. Crosby schrieb gemeinsam mit McGuinn grandiose Stücke wie den Bebop-Raga ›I See You‹ auf dem Album FIFTH DIMENSION aus demselben Jahr oder die wehmütige Summer-of-Love-Hymne ›Renaissance Fair‹ auf
YOUNGER THAN YESTERDAY von 1967. Seine eigenen Songs gaben aber bessere Einblicke in seine
kreative Entwicklung: Enigmatische Texte, ungewöhnliche Tunings und freie Rhythmen belegten sein Verlangen, die Horizonte zu erweitern.

Die ganze, ausführliche Story über das Leben von David Crosby findet ihr in Ausgabe #118 von CLASSIC ROCK.

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