0,00 EUR

Es befinden sich keine Produkte im Warenkorb.

0,00 EUR

Es befinden sich keine Produkte im Warenkorb.

David Bowie – Ziggy in Amerika

-

David Bowie – Ziggy in Amerika

- Advertisement -

Auch anderswo bewies Bowie ein glückliches Händchen. Lou Reeds TRANSFORMER-Album, von David und Ronno produziert, war gerade in die Top 10 gegangen. Auch die Single davon, ›Walk On The Wild Side‹, startete in Amerika durch, als der zweite Teil der Tour am 14. Februar mit zwei Shows in der Radio City Music Hall von New York begann. Ein Konzert, das auch als Valentinstags-Massaker bezeichnet werden könnte. Bolder und Woodmansey hatten auf dem Flug nach New York erfahren, dass Garson 1000 Pfund die Woche bekam – statt ihrer 30. Sie stellten Defries zur Rede: „Wir sagten, ‘was ist los hier?’“, erzählt der Bassist. „Wir verlangten mehr Geld, ansonsten würden wir den nächsten Flieger zurück nehmen.“ Ronson intervenierte und die Tour ging weiter, aber Bowie flippte aus. Angie Bowie: „David war wütend, absolut wütend. ‘Sie können mich nicht so erpressen‘, sagte er zu mir. ‘Mir ist egal, wer sie sind, ich kann diese Art von Treulosigkeit einfach nicht akzeptieren.’ Ab diesem Zeitpunkt war er nur noch passiv-aggressiv und die Tage der Jungs waren gezählt.“

Bolder und Woodmansey waren beleidigt, während Defries sie ignorierte. „Alles, was wir wollten, war ein fairer Deal“, sagt der Bassist. „CBS bot den Spiders einen dicken Vertrag an, doch Defries schoss ihn ab. Er nahm Ronson beiseite und sagte, ‘Du machst solo weiter und wir werden die anderen beiden los’. Ronson wurde an der Nase herum geführt, à la ‘Ich werde dich zum Star machen, genau wie ich das mit David Bowie gemacht habe’.“

David_Bowie_Pressebilder_1972_40978

Die alte Kamaraderie war nun Geschichte und Bowies Gefolgschaft stieg im The Plaza in New York ab. „Wir nicht“, so Bolder. „Ich, Woody und Ronno wohnten in einem billigen Hotel und betranken uns im Village. David wurde immer isolierter und zurückgezogener. Wir waren nicht mehr abgehoben genug für ihn und die Andy Warhols und Mick Jaggers dieser Welt.“

Defries scheuchte sie weiter und bestand darauf, dass sein Star erster Klasse reiste und in den besten Hotels unterkam – alles bezahlt aus dem Vorschuss von RCA. Als die Schulden stiegen, buchte er eine dritte US-Tour, die kurz vor dem Bankrott umgehend wieder abgesagt wurde. Trevor Bolder: „Wir musste den Durchbruch in Amerika schaffen, weil Defries so viel Geld geliehen hatte, aber das bedeutete, dass die ALADDIN-SANE-Tour nicht gerade angenehm war. Klar, David konnte nicht für immer Ziggy bleiben, aber er lebte auf sehr großem Fuß, während ich und Woody kaum über die Runden kamen. Die Tantiemen kamen nicht, sie kamen nie. Wir bekamen letztlich gar nichts und David wusste entweder nicht, was passierte, oder ignorierte es. Defries tat ihm dann genau dasselbe an. In diesem Geschäft wird man ausgeraubt.“

Als die Tour in Japan ankam, wurde Trevor und Woody in Tokio von Defries mitgeteilt, dass ihr Lohn auf 500 Pfund pro Woche erhöht wird. Er fügte hinzu: „Ich denke nicht, dass ihr auch nur einen Penny davon wert seid. Eigentlich würde ich es lieber den Roadies geben, denn die haben es mehr verdient als ihr.“ Woodmansey stand auf und sagte Defries: „Wenn das so ist, kannst du dir diese Tour und alles andere sonstwohin schieben“. Wiederum rettete Ronnos Eingreifen den Frieden.

Nach Ende der zweiten US-Tour zog Bowie Bilanz: „Ich war umgeben von Leuten, die meinem Ego schmeichelten, die mich als Ziggy Stardust behandelten.“ Nach einem Abstecher nach Moskau und Paris kehrte er zurück nach Hause und kam an der Charing Cross Station an, wo tausende Fans auf ihn warteten. Sein Leben hatte sich komplett verändert.

Nachdem es nun unmöglich war, weiter mit den Spiders in der alten Haddon-Hall-WG zu wohnen – Mädchen brachen durch den Keller ein –, zog er im Mai aus Beckenham weg und mietete die Wohnung der Schauspielerin Diana Rigg in Maida Vale. Natürlich ging er wieder auf Tour, doch sein geistiger Zustand begann, sich dem Titel seines neuen Albums anzunähern. Er wurde in einer Daimler-Limousine mit Chauffeur von Konzerten zu den Hotels gefahren, hatte angefangen, exzessiv zu trinken, und konsumierte massenhaft Kokain. In seinem Umfeld sprach man von einem Nervenzusammenbruch oder Schlimmerem. Der erste Abend im Earls Court war ein Desaster. Prügeleien brachen aus und Bowies Flehen, man solle doch nicht so dumm sein, klang schwächlich. Doch es war nicht alles schlecht. Im Green’s Playhouse in Glasgow stellte er erfreut fest, dass Teile des Publikums die Sitze aus ihren Verankerungen rissen. „Kannst du dir vorstellen, wie viel Kraft man dazu braucht? Das klingt für mich nach den 50ern. Und in der letzten Reihe fickten vier Pärchen. Das war großartig – das erste Mal, dass ich von sowas gehört habe.“

Im Juni berief Defries eine Versammlung ein und zeigte Bowie die Bilanzen, einen Ozean von roter Tinte. Allein bei RCA stand man mit Tausenden in der Kreide. Der Manager riet Bowie, sein Karriereende anzukündigen. Das wäre großartige Publicity und würde seinen Marktwert steigern. Bowie war sich nicht sicher, doch am 3. Juli im Hammersmith Odeon biss er in den sauren Apfel und gab auf der Bühne seine Erklärung ab: „An alle… das war eine der besten Tourneen unseres Lebens… Von all den Shows auf dieser Tour wird diese heute ganz besonders lang in unserer Erinnerung bleiben… [großer Jubel]… denn das ist nicht nur das letzte Konzert dieser Tour, sondern das letzte, das wir je spielen werden. Danke.“

Wer diese Rede hörte, war entsetzt, aber als strategische Entscheidung war es ein brillanter Coup. Defries hatte Recht. David war für ihn „ein echter Star. Nicht wie Rod Stewart oder Cat Stevens, sondern… eher wie Marlon Brando oder James Dean. Ich sehe ihn eher in diese Kategorie der ganz großen Unantastbaren. Es ist, als würde er nicht so richtig hierher gehören.“ Und Bowie war sich sicher, dass er die Ziggy/Aladdin-Figur ausgereizt hatte. Das Problem war nur, dass er Woody und Trevor nichts davon gesagt hatte, während Ronson eingeweiht war. Woodys erste Reaktion: „Wegen seines Charakters gab es immer wieder mal solche Gerüchte. Wir wussten nicht, ob es nur ein PR-Gag war.“

Die Wahrheit dämmerte nicht bei der Aftershow-Party im Inn On The Park, sondern bei einem exklusiven Treffen am 4. Juli im Café Royal, wo Bowie mit Mick und Bianca Jagger, Lou Reed, Rod Stewart, Jeff Beck, Keith Moon, Cat Stevens, Lulu, Barbra Streisand, Sonny Bono, Tony Curtis, Ryan O’Neal, Elliot Gould, DA Pennebaker sowie Paul und Linda McCartney Hof hielt. Peter Cook und Dudley Moore sorgten für derbes Kabarett, Dr. John spielte Klavier. Ein grandioser Abend, sofern man kein Schlagzeuger oder Bassist war. Bolder: „Bowie und seine Kumpel saßen an einem Tisch und amüsierten sich prächtig, während ich und Woody ignoriert wurden, als wären wir nicht mal in der Band.“ Selbst Angie Bowie war vom kaltschnäuzigen Verhalten ihres Ehemanns überrascht. „Trevor sagte, ‘Wir sind jetzt arbeitslos, Angie. Er hat uns fucking gefeuert!’ Was so krass – und befremdlich – ist, ist dass er sie weiter für sich arbeiten ließ… und erst, als sie ihm ihre beste Leistung gegeben hatten und ihren größten Triumph genossen, stellte er sie bloß – ohne Gnade… in der öffentlichsten, erniedrigendsten Art und Weise.“ Angie hielt es für „schonungslos – feige und grausam.“

Jahre später rechtfertigte Bowie seine Entscheidung. „Ich wusste nicht so recht, worauf ich mich eingelassen hatte, denn ich wusste, dass es das Ende der Spiders bedeutete. Ich wusste, dass ich im Kontext dieser Band alles erreicht hatte, was es zu erreichen gab. Und ich war des Tourens so überdrüssig, dass ich mich tatsächlich fragte, ob ich jemals wieder auf Tour gehen wollte. Also sagte ich, ‘wir werden nie wieder touren’ und meinte es auch so. Und etwa 48 Stunden später saß ich da und dachte mir, ‘Was habe ich nur gesagt? Ich glaube nicht, dass ich es wirklich so gemeint hatte, denn ich fühle mich doch schon besser’, aber es war schon zu spät. Ich machte Woody und Trevor wirklich wütend damit und sie waren außer sich, wohl weil ich ihnen nicht wirklich gesagt hatte, dass ich die Band auflösen würde. Aber es war das, was Ziggy getan hatte, also musste ich es auch tun.“

Ken Scott sieht es so: „Bowie denkt nicht, dass er Menschen benutzt und fallen lässt. Er ‘trennt sich’ von ihnen, wenn es ihm gelegen kommt. Ihm war außerdem nicht klar, wie sehr Tony Defries sein Leben tatsächlich kontrollierte. Es gibt Geschichten darüber, wie Mr. Defries ihn behandelt hat, die ich beim besten Willen nicht wiederholen kann.“

Hinter Bowies Wahnsinn stand kalkulierte Logik. „ALADDIN SANE war mein Versuch, Ziggy neu zu definieren und aus ihm das zu machen, was die Leute wollten. Das ZIGGY-STARDUST-Album erzählte die ganze Geschichte, dem war nichts hinzuzufügen. Und ich wusste, als ich ALADDIN SANE machte, dass dieses ganze Konzept schon am Ende war. Das war eine harte Zeit und das erste und einzige Mal, dass ich mich fühlte, als arbeite ich für jemand anderen. Ja, ALADDIN SANE war ein ziemlicher Sellout.“

„A lad insane“ (ein verrückter Junge)? Noch nicht ganz. Falls irgendjemand glaubte, dass Bowie sich an den Rand des Zusammenbruchs manövriert hatte, lagen sie falsch. Bald würde er die Hunde von der Leine lassen und die Dinge sollten so richtig chaotisch werden…

- Advertisement -

Weiterlesen

Glenn Hughes: Schimpft über Deep Purple

In einem jüngsten Interview mit dem "Guitar Interactive Magazine" hat sich Glenn Hughes über seine ehemaligen Kollegen von Deep Purple ausgelassen, als man ihm...

Michael Schenker: Stargespicktes Album MY YEARS WITH UFO

Am 20. September erscheint das neue Album MY YEARS WITH UFO von Michael Schenker. Auf der Platte wird der Ausnahmegitarrist seine Zeit bei UFO...

Daily Thompson: Wenn Kreise sich schließen

Manchmal gibt es im Leben diese besonderen Momente, in denen sich lose Fadenenden plötzlich zu einem großen Ganzen verknüpfen lassen. Da steht man da...

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

- Advertisment -

Welcome

Install
×