Coldplay: Frankfurt, Festhalle

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Coldplay: Frankfurt, Festhalle

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Coldplay_Music_MidtownGenauso wie im IKEA-Kinderparadies.

Warum nicht einmal das Pferd von hinten aufzäumen, dachten sich Coldplay anlässlich ihrer Welttournee. So dreht sich sonst gewohnte Dramaturgie beim mit 13.800 Besuchern seit Monaten ausverkauften Gastspiel in der Frankfurter Festhalle einfach um: Anstatt wie üblich zum Finale hin ausgelassen Konfetti und Luftschlangen zu verschießen, verballert das Londoner Quartett seine kollektiven Fröhlichmacher schon innerhalb der ersten vier Songs.

Während der in Manier einer dramatischen Ouvertüre arrangierte Titelsong des aktuellen Studiowerks Mylo Xyloto ertönt, erstrahlt die Bühne im dämmrigen UV-Licht in neofarbener Graffiti wie ein Kinderspielplatz. Per Funk gesteuerte verschieden farbige Armbänder blinken an den Handgelenken der Zuschauer bei ›Hurts Like Heaven‹ auf. Für ›Yellow‹ kommen zahllose Riesenluftballons zum Einsatz, gefolgt von ›In My Place‹ mit Unmengen Konfettischwaden aus gleich mehreren Kanonen. Da drängt sich die Frage auf, ob man bei Coldplay oder bei einem fröhlichen Kindergeburtstag gelandet ist. Zumal das Publikum mit Dauerhopsen wie im Kinderparadies bei Ikea agiert. Barrieren zwischen Künstler und Zuhörer sind ohnehin unerwünscht. Chris Martin, Sänger, Rhythmusgitarrist und Pianist, den es mit schlaksiger Körpergröße immer wieder auf den illuminierten Catwalk drängt, gibt den besorgten Papa, wenn er sich zwischen ›Major Minus‹ und dem balladeskem Solo ›The Scientist‹ mit deutsch gesprochenen Worten nach dem Wohl der Fans erkundigt. In knapp 90 Minuten schütteln Coldplay gewohnt rasant einen Querschnitt aus fünf Alben aus dem Ärmel. Perfekt im kristallklaren Klangbild, auch wenn die Lautstärke oft zu sehr dominiert, folgt Hymnisches auf Pathetisches der Marke Stadionrock. Wie virtuos sich die mit Sologitarrist Jonny Buckland, Bassist Guy Berryman und Schlagzeuger Will Champion komplettierten Coldplay tatsächlich entwickelt haben, unterstreicht das Akustik-Set auf der Zunge des Catwalks klar. Da bleibt es Einerlei, ob sie mitunter wie „Poor Man’s U2“ tönen. Schließlich drängt sich der Vergleich nicht erst auf, seit Studioklangzauberer Brian Eno auch die letzten beiden Werke von Coldplay co-produzierte. Mit viel Poesie im Text von ›Every Teardrop Is A Waterfall‹ klingt der Reigen für die zum Teil weit angereisten Fans dann doch ein wenig zu abrupt aus.

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