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Canned Heat: Touring Heaven und Touring Hell

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Canned Heat: Touring Heaven und Touring Hell

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50 Jahre Mitglied einer Band zu bleiben, ist eine Leistung; dabei beinahe 50 Mitmusiker kommen und – manche für immer – gehen zu sehen, unglaublich. Drummer Fito de la Parra ist dies sowie ein wunderbares neues Album mit „seinen“ Canned Heat gelungen.

Es sagt schon viel aus, wenn eine Band 1965 gegründet wurde und „bereits“ 1975 über United Artists eine „The Very Best Of…“-Langspielplatte auf den Markt kam. Ihre Hits zierten zahlreiche Filmsoundtracks, wenn es um ikonische Untermalung der Hippiejahre ging. Wichtig: Sie waren auch in Woodstock dabei. 2024 kommt nun ein neues, frisches Album, abermals mit zeitlosem Trademark-Boogie und -Blues. Wir sprachen mit Drummer Fito aka Adolfo de la Parra – er ist seit 1967 im Boot, die anderen „klassischen“ Mitglieder mit Spitznamen wie „Die Eule“, „Der Bär“, „Sonnenblume“, „Die Schlange“ oder „Der Maulwurf“ leben leider nicht mehr und machen im Himmel wahrscheinlich gerade Boogie-sessions. Insgesamt waren 48 Musiker bei der Band, die aktuelle Besetzung mit dem rührig um den Fortbestand der Gruppe engagierten Fito legt mit FINYL VINYL jetzt noch mal unkaputtbaren und vitalen Boogie/Blues auf Höhe der Zeit vor. Abwechslungsreich und gewürzt mit neurotisch-humorvollen Texten, kam das zweideutig betitelte Album pfeilgerade am 5. April raus – als man sich also bereits hochoffiziell legal seinen ersten Joint in aller Zweisamkeit vor dem kreisenden Plattenspieler anzünden durfte. Als der mexikanische Emigrant Fito damals gefragt wurde, ob er bei Canned Heat einsteigen wollte, beantwortete er das Angebot übrigens mit einem bescheidenen: „Aber gerne, ich bin sozusagen dafür geboren, bei Canned Heat zu spielen!“ Er denkt auch als „ewiges“ Mitglied – 57 Jahre – nicht daran, in Rente zu gehen. „Ach was, Musiker gehen nicht in Rente. Musiker sterben irgendwann einfach. Alle Musiker, die ich bewundere, spielten, bis sie 70 oder 80 waren. Und dann gingen sie irgendwann von uns. So wird es bei mir wohl auch sein. Ich bin jetzt 78 und liebe meinen Job über alles, warum also sollte ich damit aufhören? Und ich mache Aerobic: Das Schlagzeugspielen erfordert viel Energie, dafür schlafe ich immer tief und fest!“ Rückblickend betrachtet, sagt er, habe jedes Jahrzehnt seine glücklichen Momente gehabt, aber gerade die letzten Jahre waren wegen des Weltgeschehens nicht einfach. Nach der Pandemie läuft es aber wieder, allein im letzten Jahr war die Gruppe dreimal live in Europa unterwegs. „Nur das Reisen wird immer schlimmer, vor allem die Flüge. Dauernd gibt es Verspätungen, Flüge werden gestrichen, du kannst dich auf niemanden mehr verlassen. Wenn du aus Vergnügen in den Urlaub fliegst, nimmst du dann vielleicht den nächsten Flug, aber bei uns ist das was anderes. Letztes Jahr konnten wir zum Beispiel nicht in Bilbao auftreten, weil mein Flug mit sechs Stunden Verspätung startete, dadurch verpasste ich alle weiteren Verbindungen.

Seit der Pandemie ist eigentlich alles schlechter geworden. Dabei war Fliegen früher purer Spaß! Alles flutschte, man wurde an Bord gut versorgt und hatte Platz. Dann kam Reagan und hat die staatliche Regelungen für Fluggesellschaften aufgehoben. Seitdem regiert der Kapitalismus, es wird nur noch gespart. Versteckte Aufpreise und so, für maximal viel Geld geben sie dir so wenig wie möglich. Auch nach 9/11 ist alles nur noch schlimmer geworden.“ Wo wurde die neue Platte aufgenommen? Fito: „In Burbank, Kalifornien. Das Studio heißt Paul And Mike’s Recording. Man denkt erstmal, es sei nicht größer als eine Garage. Aber Paul du Gré ist ein echt guter Aufnahmetechniker, mit ihm haben wir schon zwei andere Platten gemacht. Drinnen ist das Studio vielleicht nicht so geräumig und auch nicht so schick wie all diese Luxusstudios, es kommt aber halt auf die Person an, die drin arbeitet. Und Paul hat es einfach drauf. Er benutzt digitales und analoges Equipment, ich weiß nicht, wie er das macht, aber es klingt herausragend. Er ist ein Genie!“ Gerade als älterer Musikhörer weiß man das zu schätzen, das Album hat – legt man es zu Hause auf einer guten Anlage auf – wirklich das ganze Frequenzspektrum und besitzt einen schön ausbalancierten, transparenten Sound. Aber der Konsument hört heutzutage Musik halt leider meist nur unterwegs, vor allem die jüngeren. Fito: „Ja, die hören Musik nur noch über ihr Smartphone, über Plastik. Und ja, es klingt dann auch nach Plastik! Ich als Drummer bilde ja in einer Band mit dem Bassisten eine solide Einheit, aber über moderne Wiedergabegeräte geht einfach die Hälfte der ganzen Musik verloren. Ich vermisse dabei vor allem den Bass, man hört oft nur hohes Gizirpe. Aber die Industrie arbeitet daran, ich hoffe es wird in Zukunft besser.“ Die Aufnahmen selbst sind bei einer derart erfahrenen Gruppe flott erledigt. „Wir proben relativ wenig und machen auch nicht viele Takes eines Songs im Studio. Sonst kann es passieren, dass der Track seine Frische verliert. Der erste Take ist meistens der beste. Schau dir mal Leute an wie John Lee Hooker: Der brauchte maximal zwei Takes. Mit ihm als Gast brauchtest du im Studio was anderes gar nicht erst versuchen. Er sagte dir dann, beim dritten Versuch käme eh nur Scheiße raus.“ Dazu kommt, dass der Blues, wie auch der Jazz, live vor allem von der Improvisation lebt. Genauso lebt ein Livekonzert von Canned Heat davon, dass die Lieder variabel gespielt werden. Mit ein paar Ausnahmen: „Unsere Hits spielen wir im Gegensatz dazu immer originalgetreu. Das erwartet das Publikum einfach von dir. Oder wie es Strawinsky einmal gesagt hat: ‚People don’t know what they like, they like what they know!‘“

Im Sommer sind Canned Heat wieder in Europa unterwegs. Deutschland ist für Fito das Lieblingsland zum Touren: Alles ist gut vorbereitet, die Verpflegung stimmt, die Locations sind schön und die Bühnentechnik ist meist hochklassig. Und nicht zuletzt flutscht hier einfach alles. Auch wenn wir Letzteres hierzulande vielleicht anders sehen, aus Sicht einer Band auf Tour macht es bei uns offensichtlich einfach mehr Spaß als an den meisten Orten sonst auf der Welt. „Wir haben da diesen Running Gag, von wegen ‚Touring Heaven‘ und ‚Touring Hell‘. Der ‚Touring-Himmel‘ ist Deutschland, wenn es um die Organisation geht. Wenn es um das Essen geht, ist Frankreich himmlisch. Die ‚Touring-Hölle‘ ist, wenn die Italiener organisieren. In Deutschland ist es übel, wenn es um die Polizei geht, und in Sachen Essen sind eindeutig die Engländer die Hölle auf Erden.“ Was die Zukunft der Musik betrifft, ziehen für Fito dunkle Wolken auf. „Ich kann es mir einfach nicht vorstellen, dass ein Computer Musik komponiert, auch wenn das bereits passiert. Ich bin ja schon sehr alt und hoffe nicht, noch miterleben zu müssen, wie eine KI unsere Musik kopiert und daraus neue Lieder macht. Computer haben unser Leben viel einfacher gemacht, aber wenn es um Kreativität geht, kann ich mir nicht vorstellen, dass ein Computer das lernen kann. Wer weiß, was in 15 Jahren sein wird, ich werde es wohl nicht mehr mitbekommen. Aber ich wünsche allen jüngeren Leuten, dass die Menschheit und die wichtigsten Entscheider auf dieser Welt Kunst und Kreativität von künstlicher Intelligenz fernhalten.“ Fito ist übrigens geistig f itter als offenbar sein Landsmann Joe Biden, der schon mal den aktuellen französischen Premier Macron mit dem seit 30 Jahren verstorbenen Mitterand oder erst kürzlich Merkel mit Kohl verwechselt. „Mit Deutschland verbinde ich auch ein Stück Geschichte, das ich miterleben durfte“, sagte er. „Wir haben mit Canned Heat sogar schon in Ostdeutschland gespielt, als die Mauer noch stand und es unter kommunistischer Kontrolle war. Adenauer war damals Staatsoberhaupt im Westen. Es war ein großes Abenteuer, damals nach Ost-Berlin zu kommen und dort zu spielen.“

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