Bill Wyman: Bill, der Digger

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Bill Wyman: Bill, der Digger

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Wer mit Bill Wyman über dieses Thema spricht, landet schnell bei einem seiner liebsten Hobbys: Der Ex-Stones-Bassist ist leidenschaftlicher „Detectorist“. Mit einem Metalldetektor ausgerüstet zieht er über die Wiesen und Felder Großbritanniens und wartet, bis das Gerät piept. Dann greift er zur Schaufel, um zu bergen, was unter der Erde liegt. „Es ist für mich die sinnvollere Variante, an der frischen Luft zu sein, als Golf zu spielen“, sagt er.

Häufig genug findet er alte Gegenstände aus der Römerzeit. „Ich versuche zunächst selbst herauszufinden, aus welcher Zeit der Gegenstand stammt und welchen Nutzen er hatte. Dann schicke ich das Objekt ins Museum. Ein paar Wochen später erhalte ich dann ein Zertifikat von Historikern, und wenn ich richtig lag, öffnen wir Zuhause am Abend zur Feier des Tages eine gute Flasche Wein.“

Wer jetzt denkt, das Thema sei banal, sollte sich die sehr gute englische Comedy-Serie „Detectorists“ zulegen: Wenn man nur genau hinschaut, liegt in diesem Hobby das ganze Drama des Lebens. Neid, Eifersucht, Geduld, Abhängigkeit, Isolation, Egoismus – und die Not, sich für diese etwas nerdige Leidenschaft andauernd rechtfertigen zu müssen, vor allem bei den Lieben zu Hause, die mit dem Essen warten, während man selbst noch über die Felder marschiert und aufs Piepen wartet.

„Ich kenne die Serie, man hat mich sogar gefragt, ob ich dabei sein wollte. Ich habe abgelehnt, weil ich dachte, das Konzept würde nicht funktionieren.“ Hat es aber. „Und das freut mich.“

Wer sich länger mit Bill Wyman unterhält, versteht nach einiger Zeit, warum der Bassist 1993 bei den Stones austrat – ohne Not, einfach, weil er nicht mehr wollte.

„Es gibt in meinem Leben heute vier oder fünf Dinge, die ich mit der gleichen Leidenschaft angehe, wie das Musikmachen.“ Dazu zählt auch die Fotografie. „Ich fühle mich regelrecht nackt, wenn ich meine Kamera nicht dabei habe. Ich erkenne dann Motive und ärgere mich Schwarz, sie nicht festhalten zu können.“ In seiner Zeit bei den Stones habe er natürlich auch Freiräume genossen. „Aber wenn es auf Tour ging, dann hat die Musik die Kontrolle über unser aller Leben übernommen. Genau das wollte ich mir nicht länger gefallen lassen. Es war einfach nicht mehr das, was ich wollte.“

Dass die anderen unverdrossen weitermachen, gerade wieder unterwegs sind und auf der „Zip-Code-Tournee“ das Album STICKY FINGERS in den Mittelpunkt stellen, findet er aus Sicht von Jagger, Richards, Wood und Watts verständlich. „Diese Männer brauchen und wollen das. Es ist ihr Leben. Ihnen würde ohne Tour etwas fehlen. Mir dagegen mit Tour.“

Apropos STICKY FINGERS: Ein finales Urteil von Wyman zur aktuell geführten Fandebatte, welches denn nun das beste und perfekte Stones-Album sei, STICKY FINGERS oder doch EXILE ON MAIN ST., erhält man von ihm nicht. „Ich will diese beiden Platten nicht gegeneinander ausspielen. Dafür sind sie beide zu gut. Meiner Meinung nach sind die vier von Jimmy Miller produzierten LPs BEGGARS BANQUET, LET IT BLEED, STICKY FINGERS und EXILE ON MAIN ST. nicht nur ebenbürtig, sondern auch das Beste, was wir mit den Stones jemals gemacht haben.”

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