BEASTMILK – Die Macht des Willens

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BEASTMILK – Die Macht des Willens

Beastmilk 2013a

Da ist er. Der nächste Hype, das nächste okkulte Rockding, das es mühelos in die Feuilletons schaffen wird. Und bevor sich jetzt wieder alle aufregen: Das alles ist keinesfalls unverdient. Was Beastmilk auf CLIMAX bieten, ist höchster Genuss. Okkult ja, retro durchaus auch, aber eben anders als die unüberschaubaren Nachahmer der okkulten Zunft. Beastmilk sind neu. Echt. Scheinen aus der Zeit gefallen in ihrer Verehrung für New Model Army und Joy Division, Danzig und The Cure. Klingen dabei so überzeugend, dass sich unweigerlich die Frage stellt, was hier noch Musik und was Instinkt ist. „Beastmilk ist durch atavistischen Instinkt bedingte Musik“, erklärt Gitarrist Goatspeed. Das ist aber auch schon das Höchste der Gefühle, der finnische Haufen ist nicht für seine Redseligkeit bekannt. Er lässt seine Musik sprechen. Und die treibt all jenen Freudentränen in die Augen, die auf Gitarrennebel, hallenden Gesang, hektisch-ekstatische oder verzweifelt nachtröpfelnde Melodien zwischen Post Punk, Gothic Rock und Doom stehen. „Die Musik und die Optik entsprechen genau dem, was wir sagen wollen. Etwas anderes käme für uns nicht in Frage.“

Das sorgt für das paradoxe Kunststück, dass man CLIMAX zwar die musikalischen Vorbilder anhört, aber dennoch jederzeit nur an Beastmilk denkt. „Das menschliche Gehirn sucht Trost in bekannten Strukturen“, meint der Gitarrist. „Dennoch gilt auch für uns: Die Vergangenheit spielt eine ebenso große Rolle wie die Zukunft.“ Gegensätze wie diese bestimmen dieses erstaunliche Debüt. „Wir besingen die Gegenüberstellung von Tod und Liebe. Liebe bezieht ihre Stärke einzig und allein aus der Ahnung des Todes. Und der Tod erhält seine Bedeutung wiederum allein durch die Liebe – durch diese schreckliche Spannung eines Liebenden, der weiß, dass ihn jeder Kuss näher an den Tod heranführt.“ Ihre Musik entsteht in einem isolierten Prozess, wie der Gitarrist offenbart: „Die unterbewusste Verbindung zwischen uns macht es überflüssig, über die Stücke zu sprechen. Sie entstehen von ganz alleine.“ Das klingt nach Magie. Goatspeed nickt: „Uns leitet der Austausch zwischen dem Makrokosmos und dem Mikrokosmos. Unsere Umgebung spiegelt unser Inneres – wer das erkennt, wird immer den richtigen Weg finden.““

Björn Springorum

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