Led Zeppelin: Vier gewinnt

Jones spielt die drei Blockflöten für das Intro ein, danach ist Pages Gitarrensolo an der Reihe. Er lehnt rauchend an einer mannshohen Monitorbox und traktiert die psychedelisch angemalte Telecaster, die ihm Jeff Beck 1966 geschenkt hat. Er spielt drei Versionen ein, aus denen das finale Solo zusammengeschnitten wird. Plant braucht nur zwei Gesangstakes, dann ist der Song im Kasten.

Mehr Arbeit verursacht ›Four Sticks‹, Bonzo hat den Dreh zwar endlich raus und ist nach zwei Takes fertig – fix und fertig –, doch der Mix erweist sich als enorm kompliziert. Andy Johns: „Ich brauchte fünf oder sechs Versuche, bis es endlich funktionierte.“

Plant plagen derweil ganz andere Sorgen: ›The Battle Of Evermore‹, so seine Einschätzung, braucht dringend eine zweite Stimme, ein ätherisches Gegenstück zu seinem bluesigen Gesang. Er erinnert sich an eine Jam-Session in L.A.s „Troubadour Club“ mit der britischen Folkband Fairport Convention im vergangenen September. Hilfreich ist zudem, dass Page deren Sängerin Sandy Denny bereits seit Schulzeiten kennt. Denny sagt zu, singt wie eine Nachtigall, Plant ist begeistert. Im Gegensatz zu Denny, die sich von Plant an die Wand gesungen fühlt und 1973 dem Magazin „Sounds“ anvertraut, die gemeinsame Aufnahme sei für sie vor allem frustrierend gewesen.

Led Zeppelin Klappcover IV

Die Aufnahmen sind jedenfalls beendet, 14 Songs sind im Kasten, was locker für ein Doppelalbum reichen würde. Oder für vier EPs, wie Page vorschlägt, was aber schnell wieder verworfen wird. Man einigt sich auf eine einfache LP, doch auch die muss erst noch abgemischt werden. Page, Johns und Peter Grant düsen nach Los Angeles, das dortige „Sunset Studio“ genießt immerhin einen hervorragenden Ruf. Doch das Trio ist mit dem Sound nicht zufrieden, Page beklagt, dass die Abhöranlage „lügt“.

›When The Levee Breaks‹ wird zwar in L.A. fertiggestellt, doch nach der Rückkehr nach London ist der Rest der Band vom Ergebnis wenig angetan. Fakt ist natürlich auch, dass 1971 komplexes Material wie ›Black Dog‹ mit seinem Phaser-Effekt auf dem Gesang, den rückwärts laufenden Bluesharp-Fragmenten und all den Rückwärts-Echos nur schwer zu mixen ist.

Jedenfalls liegt LED ZEPPELIN IV jetzt auf Eis, die Band bestreitet stattdessen eine Club-Tournee, die am 23. März im Londoner „Marquee“ endet. Mitte April wird das „Olympic Studio“ gebucht, wo Led Zep ihr Debüt aufgenommen haben, doch aufgrund weiterer Live-Auftritte zieht sich das Abmischen bis Juni hin. Gemastert wird schließlich Anfang Juli im „Trident Studio“.

Als LED ZEPPELIN IV im November erscheint, ist seit den ersten Sessions über ein Jahr vergangen. Die Band muss zwischenzeitig ohne neues Album durch Europa, Japan und die USA touren und wirkt zunehmend genervt. Nach der Rückkehr aus Japan im September 1971 erzählt Plant dem Magazin „Disc“, dass er mit dem neuen Material zwar sehr zufrieden, die langwierige Produktion jedoch ein „Albtraum“ gewesen sei.

Aber auch nach der Veröffentlichung gibt es Spannungen: ›Stairway To Heaven‹ geht förmlich durch die Decke, avanciert in den USA trotz seiner acht Minuten zum Radio-Hit. Was Atlantic auf die glorreiche Idee bringt, eine ge­­­kürz­­te Single-Version zu produzieren. Peter Grant lehnt ab, Atlantic kürzt den Song auf eigene Faust, doch Grant untersagt die Veröffentlichung. Sein Credo lautet: „Wer ›Stairway To Heaven‹ hören möchte, muss LED ZEPPELIN IV kaufen. Punkt.“ Ein Rat, den seit 1971 ungefähr 30 Millionen Menschen befolgt haben – IV ist damit das meistverkaufte Zep-Album.

Überlassen wir die Schlussworte den beiden Männern, die zum Gelingen enorm viel beitrugen, aber immer im Schatten von Page und Plant standen: „Es ist das Beste, was wir je gemacht haben“, erklärte John Bonham dem „Melody Maker“. John Paul Jones äußerte sich ein wenig differenzierter: „Nach diesem Album verglich uns niemand mehr mit Black Sabbath.“