Titelstory: Die 100 besten Gitarristen aller Zeiten

DER SESSION-CRACK
CARL VERHEYEN
Von Steve Morse

Vergangenes Jahr durfte ich auf seinem Soloalbum beim Track ›On Our Way‹ mitspielen – und einmal mehr feststellen, dass Carl eine unglaublich positive Energie hat. Und jedes Mal, wenn ich ihn treffe, hat er etwas Neues gelernt. Ich liebe auch die Kolumnen, die er in Fachmagazinen schreibt. Er gibt Ratschläge, die für jeden interessant sind – egal auf welchem technischen Level jemand spielt. Carl hat eine ungeheure Erfahrung und entwickelt sich stets weiter. Zudem kann er jederzeit ein lockeres Solo aus dem Ärmel schütteln.

 

Ritchie Blackmore 100 beste gitarristenDER SCHWARZMALER
RITCHIE BLACKMORE
Von Phil Collen

Das erste Konzert, das ich besuchte, war eine Show von Deep Purple, zur Zeit von MACHINE HEAD. Ich erinnere mich noch, dass sie ›Highway Star‹ spielten: Ich war völlig von den Socken und wollte sofort selbst Gitarrist werden. Blackmore war ein wichtiger Einfluss. Ich bin kein Freund von Fingerpickings und kann auch mit der Akustischen wenig anfangen. Eine Gitarre muss elektrisch, laut und schrill sein. Blackmore hat das perfektioniert. Als ich noch bei Girl spielte, kam er einmal zu uns hinter die Bühne und jammte mit uns. Es war fantastisch. Aber wahrscheinlich hatte er mehr Interesse an meiner Freundin als an der Session (lacht). Ich respektiere auch, was er heute macht, selbst wenn es manchmal abgefahren und abgehoben ist. Was zählt, ist die Tatsache, dass er noch Feuer undLeidenschaft hat. Wenn Blackmore einen Akkord spielt, ist es wie ein Schlag ins Gesicht.

 

SOLO-PICKER
AL DI MEOLA
Von Vinnie Moore

Al hatte mit seiner Fingerpicking-Technik einen gewaltigen Einfluss auf all die superschnellen Saiten-Artisten der Achtziger. Als Mitglied von Return To Forever wurde er bekannt – deren Musik ich noch immer auf meinem iPod habe –, aber sein Solo-Zeug gefällt mir letztlich besser, weil es dort mehr Gitarren-Parts zu hören gibt. Er hätte beinahe mein zweites Album TIME ODYSSEY produziert, aber ich bin froh, dass etwas dazwischen kam. Man stelle sich den Psychostrees vor, wenn man im Studio ein Solo spielt und Al Di Meola auf der anderen Seite der Glasscheibe sitzt…

 

NERVÖSES ZUCKEN
MICK RALPHS
Von Mick Jones

Als ich jung war, fuhr ich seiner Band Mott The Hoople zu deren Konzerten nach. Einmal saß mir Mick an einer Bar gegenüber, und ich war so aufgeregt, dass ich mein Bierglas umstieß. Ich liebte ihn, genau wie auch Mick Ronson, der ja 1974 zur Band stieß. Später hatte ich sogar das Vergnügen, Mick privat kennenzulernen, als wir beide das Ian Hunter-Album SHORT BACK N‘ SIDES produzierten. Wobei es gar nicht so einfach ist, mit Leuten zusammenzuarbeiten, die man früher vergöttert hat.Nur einen Lieblings-Gitarristen herauszustellen, ist für mich schwierig. Zunächst dachte ich natürlich an Hendrix, aber mein erster Einfluss war Keith Richards, weil ich zunächst selbst Rhythmus-Gitarrist war. Auch Bruce Springsteen hat mir immer viel bedeutet, genau wie den anderen The Clash-Jungs auch.

 

BLUES-PURIST
STAN WEBB
Von Francis Rossi

In den späten Sechszigern und frühen Siebzigern spielten wir oft mit Chicken Shack zusammen und lernten dabei auch Christine Perfect (später McVie) kennen. Stan spielte seine Stratocaster wie kein anderer. Auf dem Chicken Shack-Album OK KEN gab es einen Track namens ›Fishing In Your River‹, bei dem mir die Luft wegblieb. Und ich schaute mir Stan live an und fragte mich: „Wie zum Teufel hat er sich das bloß draufgeschafft?“ Stan war ein Purist, wenn’s um den Blues ging: Er kannte die Klassiker wie kein anderer. Ich erinnere mich, dass Stan unglaublich kleine Finger hatte. Und dass er gerne einen becherte. 1971 bestellte er einen Drink – und hörte danach praktisch nicht mehr auf mit dem Trinken. Die meisten von uns, so cool wir uns live auch darstellen, sind unsichere Typen.