Titelstory: Die 100 besten Gitarristen aller Zeiten

Neil Young 100 beste gitarristen
KNORRIGE EICHE
NEIL YOUNG
Von Nancy Wilson

Es gibt nur wenige Gitarristen, die man nur einmal hört und trotzdem sofort identifizieren kann: „Klar, das ist Neil Young!“ Das Gleiche mit Jimmy Page. Es ist stets ihre Persönlichkeit, ihre Seele, die sie in ihr Spiel legen – und so etwas lässt sich nicht kaufen. Man erkennt Neil auf der Akustischen wie auf der Elektrischen. Bei der Akustischen fängt es damit an, dass er sie auf völlig unorthodoxe Weise stimmt. Von ›Bandit‹ aus dem GREENDALE-ALBUM gibt es eine Live-Version, und die klingt so schräg, dass es schon wieder richtig klingt. Nur Neil Young kann sich so etwas erlauben. Und auf der E-Gitarre hat er ebenfalls einen monströsen Sound: Wenn er mit seiner Old Black – der Les Paul mit dem Bigsby – auf die Bühne kommt, habe ich mich oft gefragt, wie bitteschön er diesen Sound hinbekommt. Ich habe unsere Gitarrentechniker gelöchert, die sich wiederum bei Kollegen schlau gemacht haben, aber es ist wie der heilige Gral: Keiner weiß, wie Neil seinen Live-Sound an den Start bringt. In ›Cinnamon Girl‹ spielt er vermutlich das beste Solo, das nur auf einer Note basiert. Aber er steckt mehr Gefühl in diese eine Note als jeder andere.

 

OHNE ÜBUNGEN
ROBIN TROWER
Von Paul Gilbert

Als ich 14 war, hörte ich im Radio ›Day Of The Eagle‹ von BRIDGE OF SIGHS (1974). Ich war damals schon in einer Band und versuchte ›Day Of The Eagle‹ und ›Too Rolling Stoned‹ nachzuspielen. ›Too Rolling Stoned‹ besteht am Ende nur aus einer Bass-Note, über die Robin improvisiert, und auch ›Day Of The Eagle‹ hat einen ungewöhnlichen Schluss. Beide Nummern sind für einen Gitarristen ein gefundenes Fressen! Vor nicht allzu langer Zeit bekam ich die Gelegenheit, Robin zu interviewen. Als ich mich darauf vorbereitete, stieß ich auf Aussagen von ihm, dass er grundsätzlich nicht übe. Ich wollte es nicht glauben und fand es irgendwie auch frustrierend. Er bestätigte es aber im Gespräch, gab allerdings zu, dass er 14 Jahre lang in einer Band gespielt habe, bevor er erstmals ins Studio ging; er verlegte seine Übungen also direkt auf die Bühne. Man hat Trower oft vorgeworfen, nur Hendrix kopiert zu haben. Nun, es gibt schlechtere Vorbilder. Mir wirft man auch vor, eine Yngwie Malmsteen-Kopie zu sein. Yngwie und ich, Jimi und Robin – wir machten uns zur gleichen Zeit auf den Weg und hatten die gleichen Vorbilder. Aber jeder von uns hat sein eigenes Ding gemacht.

 

UNBEKANNTE AVANTGARDE
DAVID O’LIST
Von Gary Lucas

Er ist einer der größten Avantgarde-Gitarristen aller Zeiten, aber dennoch völlig unbekannt. Seine Pionierleistungen auf den beiden ersten The Nice-Alben (THE THOUGHT OF EMERLIST DAVJACK und ARS LONGA VITA BREVIS) sowie seine Arbeit mit der Ur-Formation von Roxy Music (von der es jedoch kaum Aufnahmen gibt) hätten ihm eigentlich einen Platz im Gitarristen-Pantheon sichern müssen. Für mich steht er jedenfalls auf einer Stufe mit Syd Barrett und Jimi Hendrix. Seine psychotischen, polytonalen Expeditionen schneiden durch den Quark der angesagten Gitarristen wie ein Messer durch Butter. Seine Rasierklingen-scharfen Melodiebögen explodieren in Feedback-Orgien und im verhallten Chaos des Binson-Echorec. Man höre nur einmal ›Dawn‹ vom ersten Nice-Album: Die verschiedenen Intonationen, die tonalen Muster, die chromatischen Läufe ließen es mir 1968 eiskalt den Rücken runterlaufen – und tun es noch heute. Oder ›The Cry Of Eugene‹ mit seiner Space-Gitarre und den gewagten Oktav-Sprüngen – ich weiß bis zum heutigen Tag nicht, wie er das gemacht hat. Er ist einfach nicht von dieser Welt.

 

AC/DC Malcolm Young 100 beste GitarristenMANN IM HINTERGRUND
MALCOLM YOUNG
Von Scott Ian

Er war  das Rückgrat der größten Rock-Band, die es je gab, und er hat Riffs entwickelt, die ihresgleichen suchen. Ist er der größte Rhythmus-Gitarrist in der Welt? Absolut! Nach einem Gig  gab mir jemand eines der Plektren, die Malcolm benutzt hatte. Es war reichlich abgewetzt, was erstaunlich war, denn Malcolm benutzt bei jedem Song ein anderes Plektrum! Er schlägt die Saiten nämlich so hart an, dass er für jede Nummer ein neues braucht!

Als ich auf AC/DC aufmerksam wurde, war ich zunächst von Angus fasziniert. Er stand nun mal im Rampenlicht. Aber 1979, als ich mit dem Gitarrespielen anfing, trat Malcolm in den Vordergrund. Ich hörte mir genau an, was er machte, weil er ja der Mann war, der die Songs schrieb. Wie würde  AC/DC wohl ohne ihn klingen? Man höre sich nur mal die ersten Akkorde von ›Back In Black‹ an: Wen das nicht bewegt, der hat kein Herz. Die Art und Weise, wie er simple Blues-Riifs nimmt und sie durch den AC/DC-Wolf dreht, ist einmalig.

 

JAPAN-IMPRESSIONEN
RICK DERRINGER
Von Mark Farner

Natürlich steht Jimi Hendrix weit oben:  Er hat mich definitiv beeinflusst, weil er stilistisch so offen war und alle Begrenzungen einriss. Und Steve Cropper von Booker T And The MG’s. Er spielte so beseelt, dass alle glaubten, er sei ein Farbiger. Ich mochte auch Eric Clapton, vor allem auf dem ersten Cream-Album. Sie brachten mich erst auf die Idee, dass eine Band auch als Trio funktionieren kann. Aber wer mich wirklich umhaute, war Rick Derringer. Ich war in Japan beim „World Music Festival“ und hörte plötzlich diesen Gitarristen, einen wahnsinnigen Shredder. Ich sagte: „Wollt ihr mir etwa erzählen, dass ein Japaner so was spielen kann?“ Also ging ich rüber – und es war Rick. Er spielte damals nicht mit einer Band, sondern trat solo auf. Er stand allein auf der Bühne mit einem Riesen-Amp und fetzte los wie besessen. Die Leute standen um ihn herum und kriegten den Mund nicht mehr zu. Ich hatte sowas noch nie gehört. Jahre später, 1999, spielte ich mit Rick im ersten „Rock’n’Roll Fantasy Camp“ in Miami. Wir lernten uns kennen, spielten zusammen – und fingen später dann auch an, gemeinsam Songs zu schreiben. Vorletztes Jahr rief er mich an und lud mich in sein Studio nach Florida ein, wo ich für fünf Tracks Vocals ablieferte. Es war einer der Höhepunkte meiner Laufbahn!
Metallica Kirk Hammett 100 beste gitarristen
NUMMER EINS
KIRK HAMMETT
Von Ol Drake

Er ist einer der besten Metal-Gitarristen – und gleichzeitig einer der unterbewerteststen. Jedes Kind kennt Metallica-Songs, und deshalb werden seine Leistungen schnell unter den Teppich gekehrt. Schlimmer noch: Man setzt sie als selbstverständlich voraus. Wenn du in einen x-beliebigen Gitarrenladen gehst, sind die Chancen groß, dass du gerade eines seiner Soli hörst, zum Beispiel das von ›One‹. Und dann heißt es schnell: „Wie langweilig. Das kann doch jeder spielen.“ Zunächst mal: Jeder kann das nicht spielen, und außerdem ist es nun mal auf seinem Mist gewachsen. Der Grund, dass sich so viele Gitarristen daran versuchen, ist ja gerade ein Indiz dafür, dass es schlichtweg brillant ist. Aber was einem vertraut ist, bestraft man nun mal schnell mit Desinteresse.

Ich lernte seine Musik erst schätzen, als ich mit meinem Bruder in einen Gitarren­laden ging und mir die Noten von RIDE THE LIGHTNING kaufte. Ich fing mit dem Üben an und konnte nicht mehr aufhören. Wenn ich aber einen Song herauspicken sollte, den Hammett-Verächter unbedingt hören müssen, dann ist es ›The Unforgiven‹ vom METALLICA-Album: Hier ist er auf dem Zenit seines Könnens und spielt unglaublich einfallsreiche Sachen. Er mag ein großartiger Thrasher sein, aber seine Talente gehen weit darüber hinaus.  Ich würde nur zu gerne wissen, was aus Exodus geworden wäre, hätte er die Band nicht Richtung Metallica verlassen. Sie hätten dank seines Talent noch einiges erreichen können! Ohne Kirk Hammett und seine Inspiration würde ich jedenfalls heute nicht in einer Band spielen.

 

DER SUPER-TECHNIKER
STEVE VAI
Von Tom Morello

Es gibt diverse Gitarristen, die sich an ihrer Technik berauschen – Steve Vai gehört definitiv nicht dazu. Er ist ein Künstler, und zwar einer der ganz großen. Für mich spielt er auf dem gleichen Niveau wie die großen Jazz-Innovatoren. Ich stieß durch David Lee Roths EAT ‘EM AND SMILE und Public Images ALBUM auf ihn.

Ich habe definitiv von ihm gelernt, angefangen bei seiner Arbeitsethik. Als ich mit 17 erstmals eine Gitarre in die Hand nahm, fühlte mich zunächst hoffnungslos überfordert. Aber dann las ich, wie viele Stunden Steve täglich übt, und das gab mir eine Perspektive. Und brachte mich fast um! Während ich aufs College ging, spielte ich täglich acht Stunden, um mir die Technik anzueignen, die ich bei Leuten wie Steve oder auch Randy Rhoads so bewunderte. Einmal lud er mich ein, an einer Präsentation der L.A. Music Academy teilzunehmen – zusammen mit Steve Lukather, Stanley Jordan und Joe Satriani. Ich sagte: „Vergiss es. Ihr werdet mich nur zu Tode shredden.“ Nein, nein, sagte er, es wäre nur eine Podiumsdiskussion, bei der über verschiedene Techniken gesprochen würde. Also willigte ich ein. Ein paar Tage vor der Veranstaltung rief er an und sagte: „Bring sicherheitshalber deine Gitarre und einen Verstärker mit, damit wir notfalls  Gitarrentechniken auch demonstrieren können.“ Mir schwante Böses, und als ich dann zum Soundcheck kam, standen sie dort prompt in einer Reihe und zündeten ein Feuerwerk, dass mir Hören und Sehen verging.

 

ROCKABILLY-REBELL
CLIFF GALLUP
Von Jeff Beck

Die erste elektrische Gitarre, die ich je hörte, war Les Paul mit ›How High The Moon‹. Meine Mutter, die eine klassisch geschulte Pianistin war, sagte: „Ich habe schon von diesem Typen gehört. Er arbeitet nur mit Taschenspielertricks und hat so etwas wie Klangspiegel, mit denen er seine Musik aufnimmt.“ Und wie Kinder nun mal sind: Ich besorgte mir sofort eine E-Gitarre. Mein favorisierter Rock’n’Roll-Gitarrist wurde Cliff Gallup (von Gene Vincent And The Blue Caps), allerdings würde ich die Auszeichnung für das gesamte Lebenswerk letztlich Django Reinhardt verleihen. Cliff liebte ich, weil er so präzise und geradeheraus spielte. Es steckte ein kleiner Teufel in ihm. Und obwohl die Blue Caps eigentlich entspannte, biertrinkende und frauenliebende Hillbillies waren, gab es eine Akribie in diesen alten Rockabilly-Aufnahmen, die fast schon unheimlich war. In ›Cat Man‹ beispielsweise schreit Gene Vincent: „I’m gonna come out of the bushes and get you.“ Das konnte einem 1956 schon ganz schön Angst einjagen.

Cliff hatte sich schnell diesen Bo Diddley-Rhythmus angeeignet, der aus dem Nichts kam; niemand vorher hatte auch nur annähernd Ähnliches gemacht.

 

GITARRE DELUXE
BILL NELSON
Von Brian Tatler

Er war in den Siebzigern mein absoluter Liebling. Ich hörte die Be Bop Deluxe-Alben rauf und runter, und Bills Soli waren unglaublich geschmackvoll – nicht bluesig, aber positiv und aufbauend. Songs wie ›Jet Silver (And The Dolls Of Venus)‹, ›Maid In Heaven‹ und ›Crying To The Sky‹ haben mich beeinflusst – all diese wundervollen Tracks stammen von Bill. Für seine Zeit spielte er erstaunlich schnell und flüssig, und es ist wohl kein Zufall, dass er alle seine Alben nach Gitarren benannte: AXE VICTIM, SUNBURST FINISH und FUTURAMA. Alles drehte sich nur um sie.

 

MUSIK UND REVOLUTION
TOM MORELLO
Von Wayne Kramer

Auf die heutigen Gitarristen trifft zu, was in den Fünfzigern Jahren auf Saxofonisten zutraf: Es gibt einige wenige Originale – und Tausende von Mitläufern. Nachdem ich nun mehrfach mit ihm im Studio und auf der Bühne gestanden habe, kann ich nur sagen: Tom Morello ist ganz weit vorn. Er ist so weit vorn, dass andere Gitarristen Jahre brauchen werden, um sein Niveau zu erreichen. Und selbst dann wird er schon wieder neue Sounds und neue Techniken entdeckt haben, weil er eben konstant kreativ ist.

Sein Sprungbrett war Metal. Als er jung war, wuchs er mit dieser Musik auf. Aber dann kam HipHop, und Tom fand Gefallen an dem, was er von den MCs und DJs zu hören bekam. Und als Resultat davon hat er nun ein ganzes Spektrum kultureller Einfüsse für sich entdeckt. Der Grund für seine Musikalität: Hinter der ganzen verzerrten Hardrock-Marshall-Effekt-Dröhnung versteckt sich ein echter Funk-Player. Wenn man aufmerksam seine Phrasierungen und sein Timing verfolgt, wird man das feststellen. In einem anderen Leben wäre er vermutlich der Gitarrist der Ohio Players geworden.

Nichts ist so wichtig wie Originalität. Vor diesem Hintergrund erscheint auch Toms politischer Aktivismus in einem ganz neuen Licht. Denn wie sagte schon der Große Vorsitzende Mao: „Schlechte Kunst ist schlecht für die Revolution.“ Der Revolution geht‘s also bestens.

 

SLIDE MIT SÜDFLAIR
DEREK TRUCKS
Von Mike Wilton

Ich interessiere mich normalerweise eher für die intensiveren Sachen, insofern ist es für mich eine willkommene Ablenkung, zwischendurch Musik mit einem entspannten Southern Country-Feeling zu hören. Zuletzt hat mich Derek Trucks beeindruckt, der eine exzellente Slide-Gitarre mit wunderbarem Feeling spielt. Sein letztes Album ALREADY FREE sollte man unbedingt mal auschecken!

 

SCHREI DER SEELE
ROY BUCHANAN
Von Jeff Lang

Ich lernte Buchanan durch die Plattensammlung meines Vaters kennen. Neben James Burton war er einer der ersten Gitarristen, die Blues-Phrasierungen mit Countrymusic kombinierten, ein Pionier der schmutzigen Rock’n’Roll-Gitarre. Technisch war er unglaublich versiert, er konnte Wah-Wah- und Pedal-Steel-Sounds auf den Saiten simulieren und überhaupt die unglaublichsten Klänge produzieren. Doch was mich am meisten beeindruckte, war die Fähigkeit, seine Gitarre so klingen zu lassen, als spräche sie direkt aus seinem Inneren. Bei ›Roy’s Blues‹ oder ›The Messiah Will Come Again‹ hört man ihn nicht nur spielen – es ist ein Schrei seiner Seele.

 

GESCHULTES TALENT
RANDY CALIFORNIA
Von Phil Manzanera

Ich wuchs in Südamerika auf, und über den BBC World Service lernte ich zunächst die Beatles und Beach Boys kennen. Als ich später in England zur Schule ging, hinterließen drei Dinge bei mir einen nachhaltigen Eindruck: Roger McGuinns Coltrane-inspiriertes Solo auf ›Eight Miles High‹, Jimi Hendrix auf „Ready Steady Go“ mit ›Hey Joe‹ und danach Randy California und Spirit. Ich sah sie 1969 im Londoner Lyceum, Wahnsinn! Randy hatte oft mit Hendrix gejammt, daher ist es kein Wunder, dass er von ihm geprägt wurde. Hendrix beeinflusste damals viele, aber Randy California war der talentierteste!

 

VOGELFREIHEIT
DUANE ALLMAN
Von Ace Mark

Die Allman Brothers waren letztlich Duanes Band. Er gab den Ton an und den Takt vor, spielte eine wundervolle Slide-Gitarre und schrieb nebenbei einen riesigen Fundus klassischer Rock-Songs. Die Allmans waren eine einzigartige Mischung aus Rock, Blues, Country und Jazz.  Darüberhinaus war Duane ein begehrter Session-Musiker, und seine Gitarre auf Wilson Picketts ›Hey Jude‹ machte auf Clapton einen derartigen Eindruck, dass sie wenig später das legendäre LAYLA AND OTHER ASSORTED LOVE SONGS aufnahmen. Es war tragisch, dass er 1971 im Alter von 24 Jahren bei einem Motorradunfall ums Leben kam. Kurz nach seinem Tod setzten ihm Lynyrd Skynyrd mit ›Free Bird‹ ein musikalisches Denkmal.

 

BRACHIALE DÜSTERNIS
TONY IOMMI
Von James Hetfield

Wahrscheinlich der erste Auslöser, der mich als Kind zur Gitarre brachte, war Elton Johns Auftritt in „Saturday Night Live“ mit ›Saturday Night’s Alright For Fighting‹. Ich bin nicht unbedingt ein Fan von ihm, aber diese Nummer ist Riff-Rock in Perfektion. Meine älteren Brüder spielten damals schon in Bands, deshalb standen bei uns zu Hause immer akustische Gitarren rum. Aber erst wenn Musik durch den Verstärker kommt, kannst du sie richtig fühlen. Und was Riffs und Rhythmus angeht, so ist Tony Iommi mein Mann. Wegen ihm begann ich, mich auf Riffs und Rhythmusarbeit zu konzentrieren. Ich habe auch Respekt vor anderen Kollegen wie Malcolm Young oder auch Rudolf Schenker, der sehr perkussiv spielt. Und ein eher überraschender Kandidat wäre noch Alex Lifeson, den man gemeinhin nicht als Rhythmusgitarristen betrachtet, aber er kommt oft mit erstaunlich schrägen Ideen rüber. Aber Iommi ist für mich der Fels in der Brandung.

Er ist einer dieser stillen Genies: Am Anfang war er ja der Frontmann der Band, und Ozzy stand im Hintergrund. Die Riffs zählten mehr als der Gesang. Und es war alles in Moll, jedenfalls hatte es diese spezielle Atmosphäre. Iommi konnte aber auf Knopfdruck von einem brachialen Doom-Riff in den „Happy-Modus“ umschalten. Ich kriege das einfach nicht hin.

Außerdem möchte ich hier noch zwei Gitarristen erwähnen und ihnen danken: Jimmy Page für alles, was er in seinem Leben gemacht hat. Und Joey Ramone für seinen harten Anschlag.

 

AKKORD-ARBEITER
PETE TOWNSHEND
Von Ace Frehley

Von Pete Townshend lernte ich, wie man Rhythmus-Gitarre spielt – von ihm und Keith Richards. In Sachen Akkordfolgen ist Townshend ein Gott. Und er kann den gleichen Akkord in 20 verschiedenen Positionen spielen. Pete hat eine großartige rechte Hand und eine nicht minder großartige linke. Was Rhythmus-Arbeit angeht, habe ich unendlich viel von ihm abgeschaut. Wenn ich The Who-Songs höre, staune ich auch immer darüber, dass er ein ganzes Geflecht von Akustik-Tracks unter seine E-Gitarre legt. Auch das habe ich mir angeeignet: Selbst bei  Heavy Rock-Tracks stopfe ich eine Akustische drunter, um dem Klang mehr Fülle zu geben, selbst wenn man das als Hörer zunächst gar nicht bewusst wahrnimmt.

Mein liebster The Who-Track? Auf ›Tattoo‹, einem eher obskuren Song, glänzt Pete als Picker. ›Pinball Wizard‹ ist großartig, aber ich glaube, letztlich würde ich doch auf ›My Generation‹ tippen. Er hat so viele Leute inspiriert, und Petes Rhythmus-Gitarre klingt einfach großartig.

Ich sah The Who zum ersten Mal in New York bei der Murray The K-Show, in der auch Cream auftraten. Ich schwänzte die Schule und schaffte es irgendwie, mit meinem Kumpel einen Platz in der ersten Reihe zu ergattern. Dann sah ich sie noch einmal auf derselben Tour. Sie spielten im Fillmore East, und zwar an dem Tag, an dem Marthin Luther King erschossen wurde. The Who wollten zuerst nicht auftreten, weil sie Unruhen befürchteten. Am Ende spielten sie dann zwar, aber nur ein kurzes Set, wenn ich mich recht ­erinnere. Jahre später stellte sich heraus, dass Paul Stanley ebenfalls bei diesem Gig war.
Frank Zappa 100 beste gitarristen
DER GROSSE DIRIGENT
FRANK ZAPPA
Von Dweezil Zappa

Viele Gitarristen werden ganz aufgeregt, wenn sie jemanden Sachen spielen sehen, die sie bislang für unspielbar hielten. Mich dagegen haben die technischen Möglichkeiten meines Vaters nie verunsichert. Wir saßen zusammen und spielten. Was er musikalisch drauf hatte, konnte ich in jungen Jahren allerdings noch nicht ermessen. Er zeigte mir kompositorische Tricks, aber sie waren jenseits meines Horizonts. Es klang interessant, aber ich kapierte die Zusammenhänge nicht. Ich habe das Projekt „Zappa plays Zappa“ ins Leben gerufen, weil ich mir wünsche, dass die Leute leichter Zugang zu Franks Musik bekommen. Es gibt noch immer viele Missverständnisse, was seine Musik und seine Person betrifft. Er war in erster Linie Komponist, der eine Rockband wie ein Orchester einsetzte. Seine Ideen entstanden im Kopf, dann brachte er sie zu Papier. Ich hatte keine musikalische Vorbildung, sondern brachte mir Gitarre durchs Zuhören bei. Für die „Zappa plays Zappa“-Tour habe ich für eine unglaublich schnelle Passage zum Ende von ›The Black Page‹ fünf, sechs Monate geübt und geübt, bis ich sie endlich draufhatte. Aber es hat sich gelohnt, und ich bin mir sicher, dass Frank sich freuen würde, dass wir uns so ins Zeug legen, um seiner Musik gerecht zu werden.