The Vintage Caravan – Reif auf der Insel

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The Vintage Caravan – Reif auf der Insel

TheVintageCaravan2013jWer mit zwölf Jahren eine Band gründet, muss entweder frühreif oder Isländer sein. The Vintage Caravan sind beides, wie ihr Debüt VOYAGE beweist.

Als Metallica am 4. Juli 2004 im Rahmen ihrer „Madly In Anger With The World Tour“ in Reykjavík gastierten, hatte Óskar Logi keinen Bock auf Rock. „Ich war damals zehn Jahre alt und Metallica interessierten mich nicht. Das kam erst ein Jahr später, was mich heute noch immer ärgert. Damals bin ich im selben Jahr zu Deep Purple gegangen, aber währenddessen umgekippt. Vielleicht sollte ich vor Konzerten etwas essen.“

Inzwischen gibt sich der Gitarrist und Sänger nicht nur ernährungsbewusster, sondern mischt auch mit seiner eigenen Band The Vintage Caravan munter mit im großen Rocktheater.

„Im Alter von zwölf Jahren haben wir beschlossen, diese Band zu gründen. Dafür gab es keinen besonderen Grund, wir wollten eigentlich nur Spaß haben, nachdem wir uns durch die Plattensammlungen unserer Eltern gewühlt hatten.“

Zusammen mit Alex Örn (Bass) und Guðjón Reynisson (Schlagzeug) war der Schlachtplan sofort festgelegt – ein Trio muss es sein. „Natürlich ist eine solche Besetzung nicht die einfachste, weil jeder hundertprozentig genau spielen muss, aber für mich ist das auch das authentischste Format. Rau und kraftvoll. So breit wie ein Sextett zu klingen, ist eine echte Herausforderung zu dritt.“

Vor allem, wenn man sich schon in frühester Jugend dem Classic Rock verschrieben hat. In der Schule gab es wegen des „antiken“ Geschmacks keine Probleme, lacht Óskar: „Wir waren nie Außenseiter wegen unseres Musikgeschmacks, obwohl ich der Einzige in meinem kleinen Kaff war, der den ganzen Tag Jimi Hendrix und Rush gehört hat. Aber ich glaube, die anderen fanden das eher cool als komisch. Bloß die Mädchen konnte man damit nicht beeindrucken.“ Interessant sind die drei Nordlichter trotzdem, qua Geburt: Island ist bis auf Exoten wie Björk oder Sigur Rós nicht gerade ein klassisches Ex-portland für Popkultur. Vor- oder Nachteil? „Eher ein Vorteil“, mutmaßt der Frontmann. „Die isländische Szene besitzt einen guten Ruf, das erklärt das Interesse an unserer kleinen Kapelle. Dazu kann ich mehr sagen, wenn wir nächstes Jahr auf Tour gehen.“

The Vintage Caravan werden dann ihren leicht progressiv angehauchten Classic Rock außerhalb ihrer kleinen Enklave verbreiten. Denn die Szene ist übersichtlich, richtig leben kann man kaum von einer Existenz als Profimucker, also ist der Schritt in die große weite Welt ein logischer. Dabei dürften sie auf offene Ohren stoßen, denn gerade der exotische Ansatz macht das Debüt VOYAGE zu einem der interessantesten Alben des kommenden Jahres. „Das liegt wirklich an Islands Lage“, erklärt der singende Gitarrist. „Wenn du Musik nicht wegen der Kohle, sondern um ihrer selbst willen machst, dann ergeben sich automatisch mehr Freiheiten und eine gewisse ‚Ist mir doch egal‘-Haltung. Dazu kommt die wunderschöne Natur um uns herum, in der Songs wie ›Winterland‹ zum Beispiel fast automatisch entstehen. Die Inspiration dazu liegt quasi auf der Straße.“

Auch ihr aktuelles Video zu ›Expand Your Mind‹ ist ein gutes Beispiel für die ungezwungene Herangehensweise. „Bowen Staines, den wir durch seine Arbeit an Sólstafirs Video zu ›Fjara‹ schon kannten, schrieb das Script, gedreht haben wir zwei Monate, geschnitten sieben. Viel Arbeit, die sich aber gelohnt hat. Man erkennt beim ersten Sehen kaum alle Details: Party auf einem Hoteldach, ein purpurner Dildo, Tom Selleck und ein Hot Dog mit gepiercten Nippeln.“

Jörg Staude

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