Rückblende: David Bowie – ›Heroes‹

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Rückblende: David Bowie – ›Heroes‹

Das fertige Stück wurde wochenlang nicht angerührt. Es gab Gerüchte, dass ›Heroes‹ als Instrumental geplant war (daher Fripps endlose Soli), doch Bowie sagte, er habe einfach auf den entscheidenden Funken für den Text gewartet, der dann schließlich von den Liebenden an der Mauer kam.

In einer seiner besten Gesangsperformances überhaupt verband er das „Wir gegen den Rest der Welt“-Thema mit lauter poetischen Motiven, etwa den Zeilen über Delfine. Nach eigener Aussage bediente Bowie sich oft der von William Burroughs inspirierten Schreibmethode, wahllos Textpassagen aus Büchern oder Zeitschriften zu nehmen und sie umzubauen. „Ich verwende diese Idee, um neue Bilder für mich heraufzubeschwören oder eine neue Sichtweise auf etwas zu gewinnen. Als Werkzeug finde ich das unglaublich nützlich, und ich bin er­­staunt, wieviele Websites es heute gibt, die das anbieten. Das ist phänomenal. Es sind mindestens zehn, und zwei oder drei sind wirklich hervorragend. Ich habe sie selber schon benutzt. Da füttere ich ein paar Textbrocken ein, klicke auf den ‚Cut-up‘-Button und es verhackstückt das alles für mich.“

›Heroes‹ erschien im September 1977 als Single, schaffte es nur auf Platz 24 in Großbritannien und erreichte die US-Charts überhaupt nicht. Doch die emotionale Kraft dieses Songs sollte noch lange nachhallen, wodurch er schließlich zu einem von Bowies Überklassikern neben ›Space Oddity‹ und ›Changes‹ wurde. Der denkwürdigste Mo­­ment kam zehn Jahre später, als er das Lied live auf dem Festival am Platz der Republik vor dem Reichstag spielte, einen Steinwurf von dem Studio in Berlin entfernt, in dem es entstanden war.

„Das werde ich nie vergessen. Es war einer der emotionalsten Auftritte, die ich je erlebt habe. Ich weinte. Die Bühne stand direkt vor der Mauer, sodass sie zum Hintergrund wurde. Wir hatten erfahren, dass einige Ostberliner das vielleicht hören würden, aber uns war nicht bewusst, wieviele. Auf der anderen Seite waren Tausende, die bis ganz nah an die Mauer gekommen waren. Das war wie ein Doppelkonzert mit der Mauer als Trennwand. Und wir hörten, wie sie auf der anderen Seite jubelten und mitsangen. Selbst jetzt rührt mich das noch zu Tränen. Es brach mir das Herz. So etwas hatte ich noch nie zuvor getan, und werde es wohl auch nie mehr tun. Als wir dann ›Heroes‹ spielten, fühlte es sich hymnisch an, fast wie ein Ge­­bet. So habe ich das seither nie wieder empfunden. Egal, wie gut wir es danach spielten, war es fast beiläufig im Vergleich zu jenem Abend, denn es bedeutete da soviel mehr. Es war die Stadt, wo es geschrieben wurde, und die genaue Situation, über die es geschrieben wurde. Das war einfach überwältigend.

2002 waren wir dann wieder in Berlin. Das Fantastische war, dass die Hälfte des Publikums – das Konzert war in der Max-Schmeling-Halle, die 10.000 bis 15.000 Leute fasst – damals in Ostberlin dabeigewesen war. Ich konnte den Leuten ins Gesicht sehen, zu denen ich vor all den Jahren gesungen hatte. Und wir sangen es alle zusammen. Das war wieder sehr kraftvoll. Solche Erlebnisse führen dir vor Augen, was ein Song und eine Darbietung bewirken können.“

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