Live: Beatsteaks

-

Live: Beatsteaks

Beatsteaks in MŸnsterMünchen, Olympiahalle

Wie viel Punkrock bleibt (live) übrig, wenn die Nation einen liebt?

Mittlerweile müssen die größten Hallen für Berlins Punk-Band der Stunde herhalten.Nach dem Mega-Gequetsche 2008 gehen die Herren diesmal auf Nummer sicher: Die ehrwürdige Olympiahalle ist mit gut 6.000 Nasen gut, aber doch recht luftig gefüllt. Was, wenn man die Reaktionen auf das Vorabgeplänkel von Rapper Dendemann ansieht, leichte Zweifel aufkommen lässt, ob auch dieser Kessel überkochen wird. Er wird, denn das Volk ist schlau: Unten in der Arena drängen sich die Massen in der vorderen Hälfte, hüpfen, schreien und jubeln, wie es sich gehört, während hinten die älteren Semester anerkennend die Köpfe nicken. Auch der bestuhlte Teil kommt nicht zu kurz, verlegt Frontmann Armin doch seinen obligatorischen Ausflug diesmal nicht in die Lichttraverse (zu hoch), sondern in eben jenes Hinterland der Arena.

Was die „offiziellen“ Showelemente betrifft, haben die Jungs eine gute Balance gefunden. Klar, Clubgefühl kann in einem solchen Hangar wie der Olympiahalle nicht aufkommen, aber sie lassen sich auch nicht von einer übermässig effekthascherischen Kulisse (trotz neuer Videoleinwand) und Lichtshow in den Hintergrund drücken. Und den Leuten ist es definitiv egal: Vom ersten Song an (›Atomic Love‹) sieht das Ganze verdächtig nach Warm-up-Party für Rock am Ring aus. Denn echte Punkrocker in Leder und Iro verirren sich natürlich längst nicht mehr auf ein Beatsteaks-Konzert, stattdessen werden verdächtig viele iPhones in den Himmel gereckt, um den Moment zu erfassen, und schwitzende Leiber in angesagten Quicksilver & Co.-Shirts herangezüchtet. Wobei man sagen muss, dass das preiswerte Merchandise gerne gekauft und auch gerne gleich angezogen wird – ganz so cool also ist die Meute dann doch nicht.

Aber zurück zum Auftritt: Der ist explosiv, wenn auch nicht ganz frei von Routine. Die Songs des neuen Albums BOOMBOX werden frühzeitig durchpromotet, danach ist eine Fiesta aus klassischen Beatsteaks-Hits angesagt, inklusive der üblichen Kurz-Einsprengsel von Oldies, die nicht immer Goldies sind (herausragend dabei: ›Dancing With Myself‹) . Spaß halt, und Spaß wird gehabt: Vor allem in den ersten Reihen zerlegen sich die Leute bis zu den essenziellen Highlights im Zugabenteil (›Cut Off The Top‹, ›Ain’t Complaining‹ etc.) hingebungsvoll. Aus den hinteren Reihen betrachtet bleibt aber die Feststellung: Der Laden war eine Nummer zu groß.

Text: Gregor Arndt

Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Das Neueste

Snowy White: Frieden geschlossen | uncut

Auch wenn Snowy White seit Jahren zu Protokoll gibt, wahrscheinlich die letzte Platte seines Lebens aufgenommen zu haben, erfreut...

Video der Woche: Taste ›What’s Going On‹ (Live At The Isle Of Wight Festival 1970)

Heute wäre Rory Gallagher 76 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass gehen wir zurück ins Jahr 1970, seinem letzten...

Werkschau: Unser großer Albumguide zu Bon Jovi

Die Band aus New Jersey hielt ihrem Markenzeichen-Sound (fast) immer die Treue und bescherte uns damit Jahrzehnte voller Rockhymnen. Unverzichtbar SLIPPERY...

Neuheiten: Ab heute im Plattenladen

Bruce Dickinson: THE MANDRAKE PROJECT "THE MANDRAKE PROJECT ist das siebte Soloalbum von Bruce Dickinson und erscheint 19 Jahre und...

CLASSIC ROCK präsentiert: Sweet live!

Nach dem großen Andrang auf ihre Abschiedsshows im Jahr 2023 und dem großen Erfolg ihresletzten Albums ISOLATION BOULEVARD beschlossen...

Walter Trout: BROKEN

Zwischen Wut und Besänftigung Rockig und trotzig gibt sich der 72-jährige Walter Trout, wenn er in Metaphern seine Sicht auf...

Pflichtlektüre

U2: Berlin, Olympiastadion (12.07.2017)

Ein Abend voller Hymnen Auch wenn die Iren ihren Ultra-Bestseller...

Seht das Video zu ›We Built This House‹

Die Scorpions präsentieren den offiziellen Clip zu ›We Built...

Das könnte dir auch gefallen
Für dich empfohlen