Live: Alice Cooper

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Live: Alice Cooper

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Alice Cooper 2Lichtenfels, Stadthalle

Rock‘n‘Roll Highschool

Golfclub Tambach in der Nähe von Coburg: ein Mann mit schwarz gefärbten Haaren, die er zu einem Zopf unter einer Kappe gebunden trägt, läuft samt Golfbag und einer weiteren langhaarigen Person über das Grün. Nebenbei beantworten sie fleißig Fragen der Lokalpresse. Der Ältere hört auf den Namen Vincent Damon Furnier, dessen Alterego keine 24 Stunden zuvor auf dem über 600 Kilometer entfernten Wacken Open Air enthauptet wurde. Von seinem Begleiter, Gitarrist Ryan Roxie war bisher nicht bekannt, dass er zusammen mit seinem Chef den Schläger schwingt. Ein recht kurioser Anblick, wenn man bedenkt, dass auf dem Platz sonst nur lokale Geschäftsleute, deren Gäste und vereinzelt Studenten zum Driver greifen. Szenenwechsel ins 25 Kilometer entfernte Lichtenfels: Vor der Stadthalle stehen einige verdutzte, weit angereiste Cooper Fans, die eigentlich ein Open Air des „God Of Shock Rock“ erwarteten und nun in einer über 40 Grad heißen Halle ihrem Meister huldigen müssen. Wie sie später erfahren, wurde die Verlegung wegen „extrem starker Unwetter“ einige Tage zuvor stündlich im Lokalradio verkündet. Von der drohenden Apokalypse ist an diesem Sonntag allerdings nichts zu sehen, denn am Himmel tummeln sich nur ein paar putzige Schäfchenwolken. Als sich die Pforten der Halle öffnen, bilden sich lange Schlangen an den Bierständen. Hier wird heute das „unbeliebteste Bier Frankens“ (entschärfter O-Ton eines Konzertbesuchers – Anm.d.A) gezapft. Zum Glück gibt es noch einen sehr feinen Cocktailstand, der Abhilfe verschafft. Während Neonfly aus England, die mit ihrem Sound, der irgendwo zwischen Firewind, deutschem Power Metal und eingängigen Dream Theater rangieren, die Bühne entern, steigt das Thermometer noch einmal gewaltig in die Höhe, denn die Stadthalle füllt sich nun merklich. Nach diesem mehr als soliden Gig beginnt ein hektisches Treiben vor den Augen der Zuschauer, denn die Spielzeuge von „The Coop“ werden in Position gebracht. Keine halbe Stunde später steht Rock‘n‘Roll Entertainment der Extraklasse auf dem Programm – alleine die Mitmusiker des Zeremonienmeisters sind eine Augenweide: Orianthi, die schon in der Backingband von Michael Jackson die Sechssaitge zupfte, verzaubert nicht nur durch ihr exquisites Gitarrenspiel sondern ist neben Golfkumpel Ryan Roxie der perfekte Sidekick für Cooper. Zur großen Freude seiner Fans hat Alice einen lange nicht mehr gespielten Klassiker im ersten Aufgebot der Setlist: ›House Of Fire‹ vom gewaltigen POISON wird so gnadenlos abgefeiert, dass man sich fast schon im Zugabenteil wägt. Danach reist die Stimmung nicht ab, denn es wird scharf nachgeschossen: ›No More Mr. Nice Guy‹, ›Hey Stoopid‹ und ›He‘s Back (The Man Behind The Mask)‹ bilden die Highlights der ersten Hälfte.

Beim von Zodiac Mindwarp komponierten ›Feed My Frankenstein‹ „verwandeln“ sich die „Leichenteile“ des zuvor feinsäuberlich zerlegten Alice – dank einer neuen, mit Blitzen betriebenen Maschine – in ein drei Meter großes Monster, welches einen besonderen Brass gegen Gitarrist Tommy Henriksen hegt. Nach dem Sieg über dieses Ungetüm beginnt eine Lehrstunde in Sachen „tote Rockstars“ – visualisiert durch Grabsteine auf und in Bannerform hinter der Bühne. Von The Doors über The Beatles und Jimi Hendrix bis zu The Who gedenkt Cooper mit grandios vorgetragenen Coverversionen seinen dahingeschiedenen Kollegen. Mit dem abschließenden Dreigespann aus ›I‘m Eighteen‹, dem Überhit ›Poison‹ und dem von Luftballons, Konfettiregen und Feuerwerk unterstützten ›School‘s Out‹ endet einer der heißesten aber besten Konzertabende 2013.

Text: Chris Franzkowiak

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