Lebenslinien: Roger Glover über Bob Dylan, Alice Cooper, Judas Priest…

Eric Clapton

Eric Clapton Weihnachtsalbum
Ich begegnete Eric zum ersten Mal, noch lange bevor ich ihn wirklich kennen lernte. Es muss irgendwann in den Achtzigern gewesen sein, als ich ihn in einem Hotel getroffen habe. Zu dieser Zeit ging es ihm nicht besonders gut, wenn man es so ausdrücken mag. An diesem Abend war er jedenfalls ziemlich betrunken und wollte unbedingt mit mir Poker spielen, aber ich lehnte dankend ab. Viele Jahre später spielten Deep Purple und Eric bei der Pavarotti-Show in Italien. Auf der Rückreise trafen wir uns in der VIP-Lounge des Flughafens, wo wir gemeinsam eine Stunde Wartezeit zu überbrücken hatten. Es zeigte sich, was für ein lieber Kerl er ist. Zugleich ist er sich durchaus bewusst, wer er ist und welch großes Talent er besitzt. Seit dieser Begegnung war ich auf einigen Konzerten von ihm. ›Lay Down Sally‹ … Wow, was für ein Song, ich liebe diese Nummer!

Nazareth

Seit 1970 sind wir oft mit Nazareth getourt. Also kannten wir uns ziemlich gut, als ihr Manager mich fragte, ob ich mit Nazareth ein Album produzieren wolle. Es hat mich echt überrascht, denn damals hatte ich noch kaum Erfahrung als Produzent vorzuweisen. Aber gut, wir gingen also in ein Londoner Studio und nahmen gerade einmal ein Lied auf. Das war ›Broken Down Angel‹. Es funktionierte einfach nicht, und ich fühlte, dass sich meine schottischen Freunde einfach nicht wohl fühlten in London. Also ging ich zu ihrem Manager und schlug vor, das Album in Schottland aufzunehmen.

Und so nahmen wir RAZAMANAZ in ihrem Heimatort Dunfermline auf. Als Studio dienten uns dort zwei Räume eines Lagerhauses mit Graffiti-beschmierten Betonwänden. Es war schmutzig und ungemütlich, aber plötzlich hatten sie solch eine Energie und wahnsinnigen Enthusiasmus. Sie brachten mir übrigens bei, wie man „pissed“ auf Schottisch ausspricht. Überhaupt hatte ich mit diesen eingefleischten Trinkern eine Menge zu lachen. Später sollte ich noch zwei weitere Alben mit ihnen machen.

Rory Gallagher


Ein weiterer Künstler, mit dem ich ein Album produzierte, war Rory Gallagher. Wir tourten bereits zusammen, als er noch bei Taste spielte. Vier oder fünf Jah-re nach seinem Ausstieg aus der Band bekam ich einen Anruf, dass ich ihm doch mit seinem Album CALLIN CARD helfen solle. Rory war ein wenig – sagen wir einmal – unorganisiert. Er war ein ganz höflicher Mann, aber wenn er erst einmal ein, zwei Drinks intus hatte, wurde er zu einem Komiker, einem wahren Stand-up-Comedian. Er schlüpfte dann immer in die Rolle eines Predigers und konnte nicht mehr damit aufhören.

Wir waren bereits fünf Tage lang im Studio – und nichts war passiert. Stattdessen wurde eine Menge Zeit mit Albereien vergeudet. Also musste ich dann doch einmal durchgreifen und drohte aus dem Projekt auszusteigen. Dann machten wir endlich Fortschritte – und es wurde ein wunderbares Album. Ich genoss seine Gesellschaft … Warte mal, erzähle ich eigentlich nur von toten Menschen?

Judas Priest

1977 sollte ich mit Judas Priest an SIN AFTER SIN arbeiten, also besuchte ich die Band in den Pinewood Studios, wo sie zu dieser Zeit probten. Ich hörte mir einige Lieder an und machte Vorschläge, wie man die Arrangements verbessern könnte, worauf sie mich nur ansahen und mit eisigem Schweigen bestraften. Es vergingen einige Stunden, und die angespannte Stimmung wollte einfach nicht besser werden. Also schlug ich vor, in ein Pub zu gehen, um sich ernsthaft zu unterhalten. Als wir dann dort zusammensaßen, fragte ich: „Kann es sein, dass ihr mich nicht als euren Produzenten haben wollt?“ Die Antwort, die ich bekam, war ehrlich und direkt. Sie sagten: „Ja, da hast du recht. Wir würden es lieber selbst machen, unser Management bestand darauf, dich zu engagieren!“

Weil ich mich nicht aufdrängen und ihnen das Album nicht versauen wollte, ließ ich sie es selbst machen. So verblieben wir dann, bis mich ihr Gitarrist Glenn Tipton drei, vier Wochen später anrief. „Hey Roger, was machst du denn morgen?“, fragte er mich. Es stellte sich heraus, dass sie einige Probleme mit den Aufnahmen hatten. Ihr Drummer hatte in der Zwischenzeit Judas Priest verlassen, und jetzt hatten sie nur noch sechs Tage Zeit, um die Platte fertig zu bekommen. Ich hörte mir das Material an, das sie bis dato fertig hatten – und naja, es war fürchterlich. Also begannen wir gemeinsam von vorne – und es wurde eine sehr gehetzte Produktion.

Als Ersatz-Drummer hatten wir den fantastischen Simon Phillips, der unter anderem auch für Toto und The Who spielte. Das Album besaß zwar nicht den späteren bombastischen Judas Priest-Metalsound, aber gemessen an den Umständen wurde es ein einigermaßen anständiger Langspieler.

Gillian Glover (Rogers Tochter)

Gillian kenne ich schon sehr lange, ich traf sie bereits im Krankenhaus (lacht). Als sie zwölf war, nahmen wir zum Spaß einige Demos auf. Es war nichts besonderes, der Gesang eines kleinen Mädchens eben. Etliche Jahre später, nachdem sie fertig mit ihrem Studium war, zog sie nach Ägypten, um Tauchlehrerin zu werden. Irgendwann einmal erzählte sie mir dann ganz beiläufig am Telefon, dass sie in eine Band eingestiegen war. Einen Monat später besuchte ich sie und durfte feststellen, dass sie ihre Stimme gefunden hatte. Nicht nur irgendeine Stimme, sondern eine liebreizende, tiefe, rauchige und sexy Stimme.

Seitdem haben wir einige Male zusammen gearbeitet. Sie hat auch an meinem Solo-Album mitgeschrieben und zwei Lieder selbst gesungen. Ich finde, sie ist ein großes Talent. Aber sie ist sehr eigenständig und braucht die Hilfe ihres Vaters nicht. Wir haben ein wundervolles Vater-Tochter-Verhältnis. Sie geht wirklich gut damit um, dass ihr Papa ein Typ ist, der einigermaßen bekannt ist.

4 KOMMENTARE

  1. Ein sympatischer Typ. excellenter Musiker der aus der besten Ära der Rock- Musik stammt.
    Es erfüllt mich mit Freude und Genugtuung dass ich in diese Ära mit allen Sinnen erleben durfte.
    Jede Zeitepoche hatte und hat solche musikalischen Ausnahme-Künstler hervorgebracht, auch die aktuelle wie z.B. Gojira , Prestina und noch viele andere.
    Ich genieße es mit meinem Sohn die Musik dieser Bands zu hören. Gute Musik kennt keine Altersbeschränkung ( bin selbst Jahrgang 1951 ) es ist eine Frage der persönlichen Einstellung , der Offenheit gegenüber Neuem.
    Geistige Freiheit ohne Doktrinen sind die Voraussetzung um ein genussvolles Leben führen zu können. Musik ist eines der Stimulanzen für dies Lebensweise.

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