Lebenslinien: Jeff Beck

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Lebenslinien: Jeff Beck

RONNIE WOOD

ron wood
Ich erinnere mich daran, dass wir einmal einen Gig in Florida spielten, bei dem es derbe regnete, wie bei einem Monsun. Alles im Club war feucht, weil sich die Tropfen durch die Wärme in einen richtigen Dampf verwandelt hatten. Erst machte es uns nichts aus. Ronnie setzte gerade zu seinem berühmten Bass-Solo an, als ich zu ihm rüberging, um ihn abzuklatschen.

Dabei gab es einen riesigen Schlag, denn 400 Volt hauten uns aus den Socken. Wir purzelten beide hilflos von der Bühne. Zum Glück ist uns nichts weiter passiert. Allerdings hat heute noch jeder von uns eine kleine Narbe in in der Mitte der Handfläche, in die der Strom reingeschossen ist.

JIMMY PAGE

Meine Schwester war auf der Epsom Art School. Eines Tages kam sie in mein Zimmer gerannt und sagte: „Ich habe in der Schule jemanden kennen gelernt, der genauso verrückt ist wie du und auch so eine komische Gitarre spielt.“ Ich war sofort neugierig und fragte: „Wo ist der Typ?“ Sie antwortete: „Komm mit, ich bringe dich zu ihm. Ich will nämlich, dass du ihn spielen siehst, denn ich glaube, dass er es draufhat.“

Also liefen wir zu Jimmys Haus und wurden mit Kuchen und Tee bewirtet. Von diesem Zeitpunkt an waren wir oft bei Familie Page zu Gast. Jimmys Mutter hatte ihm sogar einen richtig guten Kassettenrekorder gekauft, so dass wir darauf Songs aufnehmen konnten. Ich habe leider keinen blassen Schimmer, was aus den Tapes geworden ist, aber da ist jede Menge rarer Kram drauf.

Als ich das erste Mal Led Zeppelin hörte, war ich zunächst sauer und dachte: „Hey, er hat sich aber ziemlich krass von meinem TRUTH-Album inspirieren lassen.“ Als ich schließlich darüber hinweg war, wurde mir langsam klar, dass ich mehr brauchte als nur gute Songs. Es musste ein Frontmann her, den auch die Mädchen cool fanden. Robert Plant war dafür wie geschaffen mit seinen goldenen Locken und seinem nackten Oberkörper. Und wir? Wir hatten bei der Jeff Beck Group nur Rod Stewart…

STEVIE RAY VAUGHAN

Stevie Ray Vaughan Album
Ich habe ihn 1981 bei der CBS Convention auf Hawaii getroffen. Er war ziemlich fertig – er futterte Hähnchennuggets aus einer Pappbox. Und verschlang nicht nur die Hühnerteilchen, sondern die Verpackung auch gleich mit. Seltsam…

1989 sind wir dann zusammen auf Tour gegangen. Es ging ihm viel besser: Er hatte eine wunderhübsche neue Freundin und war ihr auch absolut treu. Wenige Monate später passierte das tragische Unglück. Er sollte bei einem Konzert im Alpine Valley Music Theatre in Wisconsin mit einem Helikopter fliegen, weigerte sich aber.

Alle redeten auf ihn ein: „Stell dich nicht so an, Eric Clapton ist auch gerade damit geflogen.“ Also stieg er schließlich ein – und kam nie zurück. Ich habe später nie wieder jemanden getroffen, der näher an Jimi Hendrix’ Gitarrengenius herangekommen ist als Stevie Ray Vaughan.

EDDIE VAN HALEN

Er galt ja spätestens seit ›Beat It‹ von Michael Jackson als der Star unter den weißen Gitarristen. Ich habe ihn ein paar Mal live gesehen – sein Hochgeschwindigkeits-Tapping sagt mir nicht besonders zu, aber rein technisch betrachtet kann er wirklich einiges.

Allerdings war ich einmal dabei, als er ein reines Blues-Solo gespielt hat, und das war wirklich außergewöhnlich! Da ist mir erst klar geworden, dass Eddie wirklich ein herausragendes Talent besitzt. Schade, dass er die Trinkerei nicht sein lassen konnte.

MICK JAGGER

Rolling Stones Mick Jagger
Anfang der Sechziger bin ich oft mit ihm verwechselt worden. Ständig kreischten irgendwelche Mädchen, wenn ich in einem Club auftauchte oder nur die Straße entlang lief. Mir war zunächst gar nicht klar, warum sie plötzlich „Mick!“ riefen, nur weil sie mich auf dem Beifahrer­sitz irgendeines Autos sahen. Ich fragte mich die ganze Zeit, wer zum Teufel dieser Mick war. Erst nach einer Weile fand ich heraus, dass es diesen Typen gab, der bei den Rolling Stones spielte und Mick Jagger hieß.

Ich hörte mir die Musik an und dachte: „Eigentlich könnte ich doch bei ihnen mitmachen. Mein Stil passt zu ihnen, ich liebe Blues, und vom Image her gibt’s auch keine großen Unterschiede.“ Also behielt ich ihre Karriere im Auge.

Und tatsächlich rief mich Mick Jagger eines Tages an und wollte eine Platte mit mir machen, SHE’S THE BOSS. Das war das erste Mal, dass ich ihn persönlich traf. Ich mochte ihn, er behandelte mich sehr höflich und zuvorkommend – wie ein echter Gentleman eben.

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