Jeff Loomis – Das letzte Hurra?

-

Jeff Loomis – Das letzte Hurra?

Jeff Loomis 2012 (3)In 20 Jahren bei Nevermore konnte Jeff Loomis ausgiebig beweisen, was er als Gitarrist auf dem Kasten hat. Sein zweites Soloalbum könnte jedoch das Ende des ausgefeilten Saitensports einläuten.

Auf die Frage, was das Wichtigste sei, das Jeff Loomis in seinen zwei Jahrzehnten als professioneller Musiker gelernt hat, kommt eine vielsagende Antwort: „Ich würde sagen, das Wichtigste ist es, deinen Bandkollegen nahe zu sein.“ Wer dahinter einen Hinweis auf die Gründe für seinen Ausstieg bei Nevermore vermutet, liegt richtig, denn er bestätigt: „In den letzten Jahren war das in der Band verloren gegangen. Da war plötzlich viel Distanz, man redete nicht mehr so viel miteinander, tauschte sich nicht mehr aus. Als wir das letzte Album THE OBSIDIAN CONSPIRACY aufnahmen, waren wir teilweise nicht mal mehr alle gleichzeitig im Studio anwesend. Das waren ziemlich dunkle Zeiten.“

Stolz kann er dennoch sein auf alles, was die Thrash-Prog-Metaller in ih-rer langen Karriere erreicht haben, was gerade in Deutschland mit Chartplatzierungen und vollen Häusern honoriert wurde. „Ich bin eingestiegen, als ich gerade mal 20 Jahre alt war, also bin ich mit Nevermore erwachsen geworden. Klar ist das ein riesiger, wichtiger Teil meines Lebens. Aber jedes Buch hat nun mal ein Ende. Für mich war die Zeit gekommen, mich neu auszurichten und etwas anderes in Angriff zu nehmen.“

Seit Verkündung seines Ausstiegs im April 2011 hart er sich auf sein neuestes Projekt gestürzt, das nun als sein zweites Soloalbum mit dem Titel PLAINS OF OBLIVIONS in den Läden steht. Zu hören gibt es darauf vor allem eines: einen Gitarrenvirtuosen, der sein Instrument so perfekt beherrscht, als sei es direkt in seine Gehirnwindungen gepluggt. Ob halsbrecherische Kamikaze-Soli oder satt magenschwingendes Donner-Riffing: Der Mann weiß genau, wie er seiner Axt Geräusche entlocken kann, die mindere Musiker nie bezwingen werden.

Wer nun aber glaubt, die gesamte Platte sei nur eine jener Übungen in masturbatorischer Saitenakrobatik, die außer beeindruckenden technischen Fähigkeiten wenig zu bieten haben, wird schnell angenehm überrascht und eines Besseren belehrt. Zum einen hat Loomis bei aller Fingerfertigkeit nicht vergessen, auch noch ein paar gute Songs zu schreiben, zum anderen hat er für einige Tracks die Gastvokalisten Christine Rhoades und Emperor-Meister Ihsahn ins Boot geholt. „Ich wollte einfach mehr Abwechslung in die Sache bringen und kein reines Instrumentalalbum mehr machen. Vor 20 Jahren, als dieses ganze Shredding-Ding noch so an-gesagt war, hat das vielleicht noch funktioniert, aber die Geschmäcker haben sich seitdem nun mal gewandelt, und die Leute haben keinen Bock mehr auf ein ganzes Album ohne Stimmen. Mit Ihsahn und Christine habe ich dabei absolute Glücksgriffe gelandet, die perfekt zu den jeweiligen Liedern passen. Man muss die Sache eben interessant halten. So gehe ich auf das nächste Level. Und seien wir doch mal ehrlich: Wie weit kann man mit dieser reinen Instrumentalsache überhaupt noch gehen? Es ist nicht auszuschließen, dass diese Platte mein letztes Hurra in diesem Bereich dar-stellen wird.“

Stillstand kommt für Jeff jedoch auf keinen Fall in Frage, und er weiß auch schon ziemlich genau, in welche Richtung die Reise gehen soll. „Im Frühling gehe ich in den Vereinigten Staaten auf Tournee, dann kommen hoffentlich noch ein paar Shows in Europa dazu. Aber dann möchte ich wieder eine Band um mich haben, mit festem Sänger. Wenn alles gut läuft, wird das noch vor Ende des Jahres passieren.“ Das dritte Jahrzehnt kann kommen.

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Das Neueste

Iconic: Ikonentreffen

Dem Bandnamen entsprechend ist die Besetzung dieser neuen Combo, die Serafino Perugio von Frontiers Records zusammengetrommelt hat, ziemlich hochkarätig....

Aktuelle Ausgabe: Das erwartet euch im neuen CLASSIC ROCK Magazin

Titelstory: Pink Floyd - die Reise zur dunklen Seite Anfang 1972 spielten Pink Floyd mit Ideen für ihre nächste Platte,...

Ian Anderson: Die Gefahr der dünnen Ideologie

Im aktuellen Interview mit CLASSIC ROCK sprach Ian Anderson,der britische Gentleman, über das erste Jethro-Tull-Album seit zwei Dekaden, seine...

Jimmy Hall: Neue Single ›Jumpin’ For Joy‹ vom kommenden Album

Am 16. September veröffentlicht Jimmy Hall nach fast 15 Jahren Pause sein neues Studioalbum READY NOW. Auf der Platte...

Wacken: So sah es 2022 am Festival aus

Unser Fotograf Markus Werner war auf Wacken und hat einige Eindrücke des legendären Metalspektakels für euch festgehalten. Hier findet...

Ozzy Osbourne: Gemeinsamer Auftritt mit Tony Iommi

Nachdem Tony Iommi und Ozzy Osbourne erst auf Ozzys neuer Platte PATIENT NUMBER 9 zusammenarbeiteten, traten die beiden ehemaligen...

Pflichtlektüre

Neue Platte zum 50. Geburtstag

  Nächstes Jahr feiern die Scorpions ihr 50-jähriges Jubiläum. Anlässlich...

Titelstory: Brian Johnson – It’s A Long Way To The Top

Nach der Diagnose „Gehörprobleme” flog er bei AC/DC...
- Advertisement -

Das könnte dir auch gefallen
Für dich empfohlen