Cinderella: Abgeschlossene Achterbahnfahrt

Denkst du, dass ihr theoretisch den gleichen Erfolg gehabt hättet, wenn ihr mit einem etwas raueren, bluesigeren Debüt gestartet hättet, oder war die Glam-orientierte Aufmachung von NIGHT SONGS – optisch wie musikalisch – damals notwendig, um einen Fuß in die Tür zu bekommen?
Ich wiederhole immer wieder, dass alle Platten auf dem Blues fußen. Die Melodien, Riffs und Texte waren ziemlich Arbeiterklasse-mäßig, es ging immer um dieses „Wie komme ich durchs Leben“-Ding. Was sich über die ersten drei Alben veränderte waren vor allem die Produktionselemente. Wir wollten roher klingen, abgespeckter, aber trotzdem blieb die Art, Musik zu schreiben, gleich. Wir lernten einfach über die Jahre, das Bild besser zu zeichnen, verstehst du? Und ich denke, dass einige Elemente, die in HEARTBREAK STATION hineingewachsen sind, auch gut zu NIGHT SONGS ge­­passt hätten. Wobei jede der Scheiben ihre ganz eigenen Schwingungen hat und das ist wichtig, denn ich hätte auf keinen Fall drei mal eine HEARTBREAK STATION aufnehmen wollen, genau so wenig wie ich drei mal NIGHT SONGS hätte machen wollen. Es ist gut, dass jedes Werk für sich alleine stehen kann. Aber diese besagten Blues-Wurzeln scheinen meiner Meinung nach auf all unseren Kreationen durch.

Wie sehr unterscheidet sich der Mythos der 80er Jahre eigentlich von deinen persönlichen Erfahrungen?
Na ja, es ging schon gut ab damals, aber das war gewiss kein Novum der 80er. Ich meine, das hat in den 60ern angefangen und wenn du dir an­­schaust, was in den 70ern los war! (lacht) Das war eben immer schon ein Teil vom Rock’n’Roll und im Allgemeinen von künstlerischen und kreativen Typen: Menschen, die Filme drehen oder Bücher oder Musik schreiben, die tendieren oftmals in diese Richtung. Aber für mich persönlich hat die größte Party immer auf der Bühne stattgefunden. Seit meinem achten Lebensjahr spielte ich Gitarre, ich liebte die Musik und wurde deshalb Künstler. Den Großteil der 80er verbrachte ich also nüchtern und konzentrierte mich wirklich auf meinen Job, denn das war es, was mir Spaß bereitet hat. Es gibt nichts besseres, als Musik zu schaffen und sie live zu spielen.

Da bist du aber wohl trotzdem eher eine Ausnahme, was das betrifft.
(lacht) Na ja, ich weiß es nicht, ich weiß nicht, was bei den anderen so lief da­­mals, deswegen spreche ich lieber nur für mich selbst.

Eigentlich meintest du ja, dass keine Chance auf eine Wiederbelebung von Cinderella bestünde. Aber heu­te, wo dieses Boxset veröffentlicht wird und generell sogar Wunder wie eine Guns-N’-Roses-Reunion geschehen, muss ich da trotzdem noch mal nachfragen…
Diese Box ist wirklich einfach nur eine nette Erinnerung, eine Zu­­sammenstellung der Arbeit unserer Band, die Universal gestaltet hat. Sie haben unseren Manager kontaktiert und ich war wirklich fast nicht in das Ganze involviert, ich habe lediglich die Linernotes und das Mastering ab­­gesegnet. Abgesehen davon ist es halt ein cooles Katalogprodukt, aber es bestehen keine künftigen Pläne für Cinderella. Tatsächlich habe ich aber in dieser Woche mit den Proben mit meiner Soloband angefangen, wir arbeiten an meinem Debütnachfolger. Ich komme gerade eben erst aus dem Proberaum. (lacht) Das Ding wird nächstes Jahr erscheinen.

Also wird sich der Aufnahmeprozess dieses Mal nicht auf zehn Jahre erstrecken?
Nein, nein, nein! (lacht) Weißt du, diese Band gibt es jetzt seit fünf Jahren und wir klicken sehr gut, haben eine großartige Chemie und ich drücke die Daumen, dass wir diese Platte relativ schnell fertig haben werden. Wir gehen dieses Mal ein bisschen anders an die Sache heran, bei der letzten war ja kein Label involviert und wir hatten überhaupt keinen Zeitplan, weil wir einfach nur unser eigenes Ding durchziehen wollten. Jetzt aber wird alles schneller gehen.

Diese Neuigkeiten werden deine Fans bestimmt freuen! Retro­spektiv und mit all deinem heutigen Wissen betrachtet: Gibt es da irgendwas, das du gerne anders gemacht hättest?
Ich versuche wirklich, nichts zu be­­reuen. Ich denke, jeder Fehler, den du machst, ist eine Möglichkeit, zu lernen und den selben Fehler nicht nochmal zu machen. (lacht) Ich schaue nur in die Vergangenheit, um aus ihr zu lernen und um nach vorne schreiten zu können. Ich weiß ohnehin, dass man nichts ändern kann, also möchte ich auch nichts bereuen, was außerhalb meines Wirkungskreises liegt.

Du hast also völligen Frieden mit deiner Vergangenheit geschlossen…
Also wenn es eine Sache in meinem Leben gibt, die ich vielleicht bereue, dann, dass ich angefangen habe, zu rauchen. Das ist vielleicht nicht schlecht, falls irgendwelche sehr jungen Leser dieses Interview zu Gesicht bekommen. (lacht)

Ein paar verbale Erziehungsmaßnahmen für den Nachwuchs!
Ja, ich meine, ich habe vor langer Zeit aufgehört. Aber es hat Schaden angerichtet und vor allem für jemanden, der sich selbst so auf der Bühne verausgabt, wie ich es tue, ist Rauchen einfach der Tod. Also, wenn ich eines bereue, würde ich sagen (mit verstellter Stimme): ,Kinder, fangt nicht mit dem Rauchen an!‘ (lacht)

Wunderbar. Letzte Frage: Wie viel von deiner künstlerischen Persönlichkeit gehört noch zu Cinderella?
Ähm, schon einiges davon. Ich liebe all die Songs immer noch. Und rein musikalisch betrachtet war ich der Haupt-Songwriter, ich habe eigentlich alles geschrieben und gesungen und habe die meiste Gitarrenarbeit geleistet. Aus diesem Grund sind diese Lieder bis heute noch jeden Abend ein wichtiger Teil der Live-Shows mit meiner Soloband. Ich könnte mir nicht vorstellen, auf der Bühne zu stehen und keine Cinderella-Sachen zu performen. Das erste Mal, als ich nach meinem Debüt THE WAY LIFE GOES solo tourte, streuten wir extra nicht so viel Zeug von Cinderella ein und die Leute meinten aber: ,Wow, Mann! Ich will diese Songs aber hören!‘ (lacht) Also gaben wir natürlich nach und brachten etwas mehr Gleichgewicht hinein. Das wird immer ein sehr großer Teil von mir sein. Denn wie ich bereits sagte: Ich liebe es nach wie vor, diese Lieder Abend für Abend zu spielen.

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