Rückblende: Yes – ›Owner Of A Lonely Heart‹

yes1983 galten Yes als alte Langweiler auf dem Abstellgleis der Musikgeschichte – bis sie diesen Pop-Rock-Superhit veröffentlichten, der MTV förmlich auffraß. Doch ganz so glatt lief die Sache nicht …

Anfang der 80er Jahre waren Yes so ziemlich die allerletzte Band, der man zugetraut hätte, die US-Single-Charts zu stürmen. Seit ihrer Gründung 1968 hatten die britischen Progrocker mit ihren ausladenden Konzeptwerken zwar Millionen von Alben verkauft, doch das Mainstream-Radio nahm sie praktisch nicht wahr. Die Prog-Szene hing in den Seilen, angepiekst von der Sicherheitsnadel des Punk, und es sah aus, als seien Yes endgültig reif fürs Abstellgleis.

Im April 1981 konnte man tatsächlich glauben, die Band habe sich aufgelöst, als die Mitglieder zu anderen Projekten wie Asia oder XYZ abwanderten. Sehr lange blieb der Sargdeckel aber nicht zu. Im Jahr darauf taten sich Bassist Chris Squire, Schlagzeuger Alan White und Keyboarder Tony Kaye mit dem südafrikanischen Gitarristen Trevor Rabin unter dem Namen Cinema zusammen. Als dann später auch noch Jon Anderson dazustieß, um seinen Gesang zu deren 1983er Album 90125 beizusteuern, mussten alle Beteiligten einräumen, dass es sich dabei de facto um eine Yes-Reunion handelte. „Yes sind in meiner DNA“, sagt Anderson heute über seine Bereitschaft, bei jenem Line-up einzusteigen. „Ich fand es richtig aufregend, mit dieser Band zusammenzuarbeiten, die wieder so neu klang.“

Produzent Trevor Horn war davon nicht so überzeugt. Er sagt, er wurde von allen Seiten dafür kritisiert, mit Yes zu arbeiten – seine Frau tat sie als „alte Langweiler“ ab, die „vorbei“ seien. Als er dann Rabin zuhause besuchte, um ein paar Demos anzuhören, fand er, sie seien „etwas anstrengend“. Der Wendepunkt kam laut Horn, als Rabin auf die Toilette ging, die Kassette laufen ließ und eine Rohfassung von ›Owner Of A Lonely Heart‹ anfing. „Als er zurück kam, sagte ich zu ihm: ‚Dieser Refrain ist ein Hit‘. Und er antwortete: ‚Nein, nein, das ist nicht für Yes, das habe ich für jemand anderen geschrieben‘. Doch ich erwiderte: ‚Yes könnten diesen Song auch spielen‘.“

Auch als die Sessions zu 90125 sich 1983 dem Ende zuneigten, blieb ›… Lonely Heart‹ im Regal. Horn behauptete, dass er auf die Knie fallen und die Band anflehen musste, es aufzunehmen. Weitere Konflikte entstanden, als er einen programmierten Sound und einen Schlagzeugklang durchsetzen wollte, der von Stewart Copelands tighter Snare auf SYNCHRONICITY von The Police inspiriert war. Alan White war offenbar in Rage. Horn erinnert sich, wie er zufällig die skeptischen Roadies der Band an der Rezeption der Sarm East Studios hörte, die besagten Klang mit „verficktem Pissen auf ein Fass“ verglichen. „Ich bin mir nie ganz sicher, ob das, was Trevor Horn sagt, wirklich wahr ist“, kommentiert Anderson die Erzählung des Produzenten. „Er ist sehr talentiert, aber wie bei so vielen Leuten weiß man nie so recht, ob sie das meinen, was sie sagen.“

Auch die Autoren-Credits zu ›Owner Of A Lonely Heart‹ wurden über die Jahre angefochten. Rabin behauptet, die gleichberechtigte Nennung von ihm selbst, Anderson, Squire und Horn spiegle nicht die Tatsache wider, dass die entscheidenden Merkmale des Stücks schon vorhanden waren, als er es präsentierte. Die allgemein vorherrschende Meinung scheint zu sein, dass der Refrain schon vollständig bestand und die dramatischen Synthie-Akzente in den Strophen, wenn auch in weniger markanter Form, ebenfalls schon existierten. „Ich weiß noch, wie ich Trevors erstes Demo hörte“, bestätigt Anderson, „das nicht mehr weit vom Endergebnis entfernt war.“