Robert Plant: München, Zenith (11.08.15)

Robert Plant 2010 @ Gregg DelmanEin schelmischer Visionär.

In den letzten beiden Jahren ist Robert Plant an der Kon­zert­front fleißiger denn je. Alleine zwei Gastspielreisen durch die BRD standen innerhalb von 13 Monaten auf dem Tourplan – paradiesische Zustände also für den Liebhaber Plants musikalischer Weltreisen. Letzterer muss allerdings Tropentauglichkeit beweisen, denn Robert und seine Sensational Space Shifters (hier ist der Name nicht nur wohl­klingend, sondern Programm) „dürfen“ an einem brütend heißen Augusttag im saunagleichen Zenith und nicht wie im letzten Jahr in ausgewählten Open-Air-Locations ihren über alle Maßen erhabenen Mix aus Rock, Pop, Country, Americana, Electro, Ethno und World Music zum Besten geben. Bevor die trotz sichtbarer Altersspuren ewig jugendlich wirkende Legende gegen 21:15 Uhr die Bühne betritt, verbringen seine Jünger (und selbstverständlich auch die CLASSIC-ROCK-Abordnung) die Zeit vor der Halle bei einem kühlen Bierchen. Plötzlich wird die Ruhe von wild umherrennenden Sicherheitskräften gestört und ein BMW X5 düst mit rasender Geschwindigkeit in Richtung Künstlereingang. Die Ankunft des Meisters lässt einige Augenzeugen schockstarr versteinern. Nach wenigen Sekunden ist die „Begegnung“ mit dem ehemaligen Led-Zeppelin-Frontmann vorbei. Ein kollektiv überglückliches Lächeln taut die Mienen wieder auf. Darauf einen weiteren Gerstensaft und ab in die Halle! Die Luft ist zum Schneiden dick, und das nicht nur von den Marihuana­schwa­den aus den Tüten der Althippies. „Wird Robert Plant bei diesen widrigen Bedingungen seine komplette Setlist durchziehen?“, steht tausenden Fans ins Gesicht geschrieben. Um es vorweg zu nehmen: Er wird. Und wie! Auf dem Programm stehen wieder größtenteils Neuinterpretationen bekannter Led-Zep-Klassiker (in komplett anderen Ar­­rangements als im Vorjahr), gewürzt mit drei neuen Tracks vom grandiosen LULLABY AND…THE CEASELESS ROAR aus dem Jahr 2014, einigen Traditionals plus Howlin‘ Wolfs ›No Place To Go‹, das in einem Medley mit ›Dazed And Confused‹ dargeboten wird. Trotz der schier unerträglichen Hitze lässt Robert seinen Witz nicht im klimatisierten X5 zurück und fragt während des Gigs schelmisch: „Stört es euch, wenn ich ein paar Songs meiner alten Band Deep Purple spiele?!“ – britischer Humor at its best! Einige „Ersttäter“, die noch vor dem Konzert unkten: „Warum gibt Robert Plant sich das eigentlich in so ‚kleinen‘ Hallen und zockt nicht lieber eine Reunion-Tour mit Page und Jones?“, sind spätestens jetzt und durch die schier unendliche Freude, die Plant am Zusammenspiel mit seiner Band an den Tag legt, überzeugt, dass Robert eben nicht des Geldes, sondern des Spaßes wegen noch immer auf höchstem Niveau musiziert.