Review: Willie Nelson – GOD’S PROBLEM CHILD

Am 29. April feiert Willie Nelson seinen 84. Geburtstag. Ein Alter, in dem man es normalerweise geruhsam angehen lässt. Nicht natürlich Mister Willie Nelson. Die texanische Country-Ikone ist längst zum Inbegriff von Kreativität und Produktivität geworden – sein neues Album GOD’S PROBLEM CHILD ist ein weiterer Beleg dafür. Erstaunlich aber ist: Der verknitterte Graubart schmeißt nicht einfach ein weiteres Album auf den Markt. Ganz im Gegenteil: Es klingt – wie alle letzten Werke des Red Headed Strangers – wie eine Herzensangelegenheit. Liebevoll, leidenschaftlich, mit Tiefgang und herrlich ausgeloteter Gefühlsskala, von purer Euphorie bis tränengetränkter Todtraurigkeit. Willie Nelson eben. Sieben der zwölf neuen Songs schrieb er gemeinsam mit seinem langjährigen Freund und Produzent Buddy Cannon. Ein über die Jahrzehnte hinweg eingespieltes Team – wie reife, unaufgeregte Titel wie die schmucke Ballade ›True Love‹, das aufgedrehte Statement ›Still Not Dead‹ und das wunderbar nostalgische Rührstück ›It Gets Easier‹ belegen. Erstaunlicherweise lässt der alte Knabe auf dem Album auch mal moderne Klänge vernehmen: ›Delete And Fast Forward‹ (ebenfalls aus der Feder von Nelson & Cannon) klingt für seine Verhältnisse schon fast „hip“. Das gilt natürlich nicht für den Titeltrack, für den ein junger und ein alter Haudegen Pate standen: Jamey Johnson und Tony Joe White schrieben und singen diesen saucoolen Country-Blues, Big Willie steuert lässige Gitarrenlicks auf seiner heißgeliebten Trigger bei. Bei ›A Woman’s Love‹ schleicht sich dann noch ein Stück Wehmut ein, beschert es doch ein letztes Wiederhören mit dem im November 2016 verstorbenen Klavier- und Songwriter-Guru Leon Russell.

(Ohne Punkte-Bewertung)