Review: The Kinks – THE MONO COLLECTION

kinks monoStereo ausgeschlossen: Ray Davies’ urbritische Pop-Poesie mit sozialkritischer Note in monofoner Vielfarbigkeit.

Als John Lennon in den 70er Jahren mit einem „Back-To-Mono“-Button am Revers durch New York strolchte, dachten sicher viele: typisch spinnerter Exzentriker! Galt Mono doch in jener Ära als graue Vorstufe zum kunterbunten Stereo. Bis in die späten 60er Jahre zog die Ton­trägerindustrie Mono- der Stereo-Abmischung ohnehin vor, da sich nur wenige Betuchte teure HiFi-Anlagen leisten konnten – und das waren in der Regel kaum Pop-Hörer. Doch der Übergang vom Ein- zum Zweikanalton brachte bei den Studio­sessions Er­­staunliches hervor. Handelte es sich doch häufig um zwei verschiedene Aufnahmen. Während Mono-Apologeten ohnehin ihrem Kult huldigen, dürften Sammler vor allem an Songs mit unterschiedlichen Lauflängen und nicht identischen Versionen mit zum Teil anderen Instrumentierungen Gefallen finden. Was längst für die Beatles und jüngst auch für die Rolling Stones gilt, betrifft auch zwei Drittel des Pye-Katalogs der Kinks: Mono rules! 2011 erschienen sowohl das CD-Set THE KINKS IN MONO als auch die individuelle Reihe DELUXE EDITION der ersten sieben Studioalben jeweils komplett in Mono und Stereo. Mit THE MONO COLLECTION zieht nun auch ein Vinylpaket mit nahezu identischem Inhalt nach: Vor allem bei den von Shel Talmy produzierten Frühwerken KINKS (1964), KINDA KINKS und THE KINK KONTROVERSY (beide 1965) mit stark von Mersey Beat und US-Rhythm’n’Blues geprägtem Material leistete das druckvoll energischere Mono tatsächlich den weitaus besseren Dienst. Doch selbst als sich die Kinks mit FACE TO FACE (1966) und SOMETHING ELSE BY THE KINKS (1967) im Baroque-Pop (›Session Man‹, ›Too Much On My Mind‹, ›Two Sisters‹) tummelten, anfingen Grenzen auszuloten (›Fancy‹, ›Lazy Old Sun‹), stilistische Gratwanderungen wagten (›Rainy Day In June‹, ›No Return‹) und das Aufnahmestudio als Experimentierfeld benutzten (›Holdiday In Waikiki‹, ›End Of The Season‹), blieb Mono auf Augenhöhe mit Stereo. Als Ober-Kink Ray Davies Konzeptalben als Ausdrucksmittel entdeckte, entstanden die beiden seinerzeit verkannten ersten Beispiele, THE KINKS ARE THE VILLAGE GREEN PRESERVATION SOCIETY (1968) und das 69er-Werk ARTHUR (OR THE DECLINE OF THE BRITISH EM­­PIRE) in getrennten Mono- und Stereo-Fassungen. Als Raritäten-Bonbons stecken in der mit 48-seitigem Hardcoverbuch bestückten Vinyl-Box auch noch der von hysterischem Teenagergekreische überzeichnete Konzertmitschnitt LIVE AT THE KELVIN HALL (1967) sowie die mit 25 Single-Tracks gefüllte 70er-Doppel-LP THE KINKS (THE BLACK ALBUM).

10/10

The Kinks
THE MONO COLLECTION
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