Jeff Beck: Köln, E-Werk (27.10.2016)

jeff beck liveFrischer Wind, alte Qualität!

Frischer Wind bei Jeff Beck: Bei seinem Auftritt im Kölner E-Werk unterstreicht der britische Ausnahmegitarrist, dass er mit seinen inzwischen 72 Jahren immer noch nach vorn schaut. Sechs Songs an diesem Abend stammen aus seinem allenthalben gefeierten aktuellen Album LOUD HAILER, und auch der Rest der Setlist ist im Vergleich zu seinem Gastspiel vor rund zwei Jahren an gleicher Stelle komplett umgekrempelt.

Doch auch wenn ihm die Themen der wütenden LOUD-HAILER-Pro­­test­songs offensichtlich unter den Nägeln brennen: Beck ist Musiker und kein Prediger. Deshalb lässt er lieber sein Instrument sprechen. In Köln bleiben eine kurze Bandvorstellung und einige Dankesworte seine einzige verbale Kommunikation. Wie viel Herzblut in den neuen Stücken steckt, kann man derweil an der Spiellaune ablesen, mit der sich Beck und seine Mitstreiter Carmen Vandenberg (Gitarre), Rhonda Smith (Bass) und Jonathan Joseph (Drums) in das neue Material stürzen, und an der Leidenschaft von Sängerin Rosie Bones, die zum Living-Colour-Funk-Metal von ›The Ballad Of The Jersey Wives‹ unablässig über die Bühne tigert oder ›Scared For The Children‹ mit viel Pathos zusammengesunken in der Bühnenmitte zelebriert.

Becks brillante Soli bleiben dabei zumeist betont songdienlich. Für ausuferndes Muckertum ist kaum Platz. Deshalb bleibt genug Raum, um un­­sentimental praktisch die ganze Schaffensbreite der über 50-jährigen Karriere des immer noch so ungemein agilen Mannes mit der weißen Stratocaster abzubilden. Mit dem Blues als Basis gibt es Abstecher zu seiner instrumentalen Jazz-Fusion-Phase (›You Know, You Know‹ vom Mahavishnu Orchestra) und auch Rückgriffe auf seine Zeit bei den Yardbirds (›Shapes Of Things‹). Für die älteren R&B-Songs holt er Sänger Jimmy Hall auf die Bühne, der dem emotionalen ›A Change Is Gonna Come‹ oder dem urwüchsigen ›Rollin‘ And Tumblin‘‹ ordentlich Soul injiziert. Sogar eine furiose Version von ›Beck’s Bolero‹, über die sich Gitarristin Vandenberg augenscheinlich genauso freut wie die Menschen vor der Bühne, darf nicht fehlen. Doch nicht nur Becks Mitstreiter sind an diesem Abend bestens gelaunt: Auch der Meister selbst ist sich für keine Albernheit zu schade, scherzt viel mit seinen Musikern und beweist am Ende auch musikalischen Humor, als er sich mit seiner reggaefizierten Version des Beatles-Klassikers ›A Day In The Life‹ nach rund 100 Minuten von seinen begeisterten Zuschauern verabschiedet. Nostalgisch, das ist die unausgesprochene Botschaft dieses Konzertabends, sollen andere sein!