Toby Keith: München, Kesselhaus

toby-keithMainstream-Country-Rock in der Hauptstadt Bayern – ein interessantes Experiment.

Es passiert nicht oft, dass sich ein amerikanischer Country-Superstar nach Europa verirrt. Wozu auch, wenn er auf der anderen Seite des Atlantiks bei jedem Auftritt zwischen 10.000 und 50.000 Zuschauer zählt, und hierzulande ihn nahezu niemand kennt – bis auf die verschwindend kleine Country Music–Fangemeinde. Klar, wenn man Willie Nelson heißt, der ebenfalls vor nicht allzu langer Zeit wieder mal Europa betourt hat, dann ist das Risiko gering. Denn „Old Willie“ ist eine Legende, und den kennt hier bei uns sogar so mancher Ottonormalverbraucher. Aber wer bitte schön ist Toby Keith?

Auf alle Fälle hat es den Anschein, als ob sämtliche Buffalo Bill- und Billy The Kid-Fans aus Bayern anwesend sind. Denn jene kennen Toby Keiths Musik bereits seit dessen erstem Longplayer anno 1993. Satte 17 Studioscheiben und 61 Singles hat dieser Künstler bislang auf den Markt geschleudert. Aber ausschlaggebend sind die Verkaufszahlen in den USA, die sich auf bislang 30 Millionen Alben belaufen. Das sind Dimensionen, von denen bei uns die meisten Rockstars nur träumen können. Immerhin ist sich Mr. Keith nicht zu schade, in Europa in sehr viel kleineren Locations aufzutreten. Unseren Kontinent mit Country Musik erobern – das haben vor ihm schon viele versucht. Aber so richtig ist das nie gelungen. Warum? Vielleicht weil wir hier ja unsere eigene Volksmusik haben. Denn Country ist ja in Amerika auch nichts anderes.

Toby Keith hat einige wirklich gute Rock-Songs in seinem Repertoire, aber live ist das eine andere Sache. Denn im Verlaufe des Abends merkt man doch sehr deutlich, wo der Hase lang hoppelt. Und das ist eindeutig auf der Coun-tryschiene, welche lediglich mitunter durch das eine oder andere Rock’n’Roll-Riff angereichert wird. Wahrscheinlich soll das so sein, und die anwesenden Country-Verfechter sind absolut happy damit. Erst zum Schluss hin dreht der Cowboyhutträger noch mal so richtig auf, packt sein Mikro, schmeißt die Gitarre weg und geht auf Tuchfühlung mit dem Publikum ganz vorne am Bühnenrand – sofern es eben der Sicherheitsgraben erlaubt.

Die Setliste wird aus zeitlichen Gründen um einen Song verkürzt, denn um 22.30 Uhr muss hier Zapfenstreich sein. Nicht etwa, weil es die Stadtväter so wollen, sondern damit sich die Cowboy-Fangemeinde auf dem Heimweg nicht mit den 6.000 Fans von Volbeat in der Halle gegenüber in die Quere kommen. Immerhin hatte die kleine Anhängerschaft mal wieder Gelegenheit, ihren Kopfschmuck stolz zur Schau zu tragen. Für Toby Keith war es mit Sicherheit eine etwas andere Erfahrung. Mal sehen, ob er irgendwann wieder kommt. Erstmal ist er als „Best Touring Artist of The Year“ für einen Grammy Award nominiert – und das heißt sehr viel in den Vereinigten Staaten.