The Robert Cray Band: München, Circus Krone (01.10.2016)

Bewegend ohne Bewegung

Robert Cray ist mit 40 Jahren Bühnenerfahrung einer der ganz großen Bluesmusiker. In vier Jahrzehnten hat der in Columbus, Georgia, geborene Gitarrist künstlerisch und kommerziell eine Menge erreicht. Fünf Grammy Awards, 15 Nominierungen, 20 Studioalben und eine Aufnahme in die Blues Hall Of Fame sprechen eine deutliche Sprache. Bereits Ende der 70er veröffentliche Cray, zu dessen Idolen Albert Collins und Muddy Waters zählen, seine ersten Aufnahmen. Erfolgreiche Longplayer und Singles wie ›Smoking Gun‹ von 1986 und ›I Was Warned‹, das 1993 mit dem „Living Blues Award“ ausgezeichnet wurde, folgten. Aktuell zelebriert Cray sein 2015er Werk 4 NIGHTS OF 40 YEARS LIVE.

Heute tut er das in München, wo im Circus Krone jede Menge Platz ist. Zwar ist die bestuhlte Arena gut gefüllt, aber auf den Rängen sind noch zahlreiche Sitze frei. Auch auf der Bühne ist heute eine Menge Freiraum für die Musiker der Robert Cray Band, die mit wenig Equipment angerückt ist. Für ausufernde Bewegungen nutzt das großartige Quartett seinen Spielraum aber eher nicht. Bandleader, Gitarrist und Sänger Cray bleibt durchgehend an derselben Stelle stehen. Musikalisch geht es dagegen in alle Richtungen.
Auch der barfüßige Bassist Richard Cousins bleibt buchstäblich auf einem kleinen Teppich, wechselt dafür sein Instrument aber mehrmals. Kurz nach acht betritt The Robert Cray Band die Bühne und beginnt mit dem eher traditionellen, langsamen Blueser ›I’ll Always Remember You‹, gefolgt von einem ruhigeren Groover. Schon beim dritten Song wird neben der musikalischen Raffinesse von Cray und seiner Truppe auch deren stillistische Vielseitigkeit klar, wenn etwa Reggae-Elemente ihren Weg in den Blues finden.

Das meist ehrfürchtig regungslose Publikum quittiert die Gitarrenkünste des 63-Jährigen regelmäßig mit Szenenapplaus. Zum musikalisch und textlich hoch emotionalen ›I’m Done Cryin’‹ erheben sich die Ersten von den Rängen. Ein besonders enthusiastisches Pärchen tanzt sogar einen Stehblues. Cray scheint ebenfalls guter Laune zu sein und bedankt sich nach jedem Lied artig beim Publikum. Bereits früh am Abend meint er scherzhaft, dass man keine weiteren Songs mehr auf Lager hätte.

Von wegen! In knapp zwei Stunden spielt die famose Truppe mit Keyboarder Dover Weinberg und Les Falconer am Schlagzeug ihre Brillanz und Bandbreite voll aus. Mal laut und mal leise, meist beseelt soulig und gelegentlich funky geht es zur Sache.
Vor den Zugaben wird es dann noch einmal so richtig kraftvoll mit der bezeichnend betitelten Nummer ›You Move Me‹. Ganze viermal legt der rüstige Vierer nach, bevor mit dem treibenden ›Chicken In The Kitchen‹ und dem bewegenden ›Time Makes Two‹ endgültig Schluss ist. Ein klanglich hochwertiger Abend ohne große körperliche, aber umso mehr emotionale, gesangliche und instrumentale Höchstleistungen!