Rückblende: The Darkness – ›I Believe In A Thing Called Love‹

darknes-thing-called-love-video-stillTeilweise am 11. September 2001 aufgenommen, katapultierte dieser Partysong die Spandex-Rocker in die Stratosphäre. „Viele heutige Naseweise in den Charts würden für so einen Song töten“, sagt Justin Hawkins.

Wir schreiben das Jahr 2001 und The Darkness sind alles andere als zeitgemäß: Vintage-Rock-Anhänger in der Ära des NuMetal. Ihr Außenseiterstatus wird von ihrem Sänger Justin Hawkins verkörpert, einem ehemaligen Komponisten von Werbejingles mit einem Falsett, das Glas zum Springen bringt, und einem Hang zu außergewöhnlichen Outfits. Das Line-up wird durch Justins jüngeren Bruder Dan Hawkins (einen Session-Gitarristen), Schlagzeuger Ed Graham (einen Freund der Hawkins-Brüder aus deren Heimatstadt Lowestoft) und Frankie Poullain, einen Schotten in seinen 30ern, der sich gerne als Pirat verkleidet, komplettiert.

„Wir hatten absolut kein Geld“, blickt Justin zurück. „Und auch keine Hoffnung, dass wir überhaupt jemals etwas erreichen könnten. Aber so lange wir überlebten – und das meine ich wörtlich –, waren wir glücklich. Wir hatten nichts zu verlieren, wir machten Musik, weil wir einfach Spaß daran hatten. Wir fühlten uns frei. Deswegen konnten wir auch ein Stück wie ›I Believe In A Thing Called Love‹ aufnehmen, das sich von allem anderen unterschied.“

Das Hauptquartier der Band war eine Dachwohnung in Londons Primrose Hill, die sich Dan Hawkins und Poullain teilten, der Gitarrist beschreibt sie heute gerne als Dreckloch. Dort setzten sie sich alle zusammen, tranken billigen Rotwein, rauchten Kette und spielten sich gegenseitig Songideen zu. „Man darf sich das nicht wie eine affige Teeparty vorstellen“, sagt Justin. „Wir waren alle sehr fokussiert. Wir nannten es den Tisch der Wahrheit, egal ob es wirklich einen Tisch gab oder nicht. Man durfte sich nicht verstecken.“

Eines schicksalhaften Tages spielte Justin auf seiner Akustikgitarre plötzlich diese griffige Akkordfolge und alle horchten aufgeregt auf. „Dieses skurrile Anfangsriff kam einfach so aus mir heraus“, erinnert sich der Frontmann. „Dan fielen dann die Akkorde für den Pre-Chorus ein. Diesen Song zu schreiben, war ein Kinderspiel.“

Als Justin jedoch den sich über eine Oktave erstreckenden Chorus schmetterte, fürchtete sein jüngerer Bruder, dass das vielleicht doch etwas zu gewagt sei. „Wenn ich etwas zu Ernsthaftes höre, habe ich immer das Gefühl, als würden wir uns selbst in den Arsch kriechen. Ich glaube, Dan geht es genau umgekehrt. Wären wir noch weiter gegangen, wären wir zu einer Parodie geworden. Wir stellten uns also die Frage: Kommen wir damit durch? Die Antwort war ein klares Ja. Es tat so gut, den Song laut zu spielen. Es fühlte sich so real an und machte gleichzeitig so viel Spaß.“

Die finale Version von ›I Believe In A Thing Called Love‹ war ein Teppich aus Overdubs. Es gibt auch einen guten Grund, warum Justin immer das genaue Datum des Tages be­­tont, an dem er die Gesangslinien in den 2khz Studios in Nordlondon aufnahm. „Der Take, der es schließlich auf die Platte geschafft hat, wurde am 11. September 2001 aufgenommen. Ich kann mich noch genau daran erinnern. Als ich ins Studio kam, saßen alle vor dem Fernseher und schauten sich an, was da passierte. Ich dachte erst, es hätte einen schweren Unfall gegeben, erst später begriff ich die Tragweite. Zunächst habe ich nur meine Arbeit gemacht.“