Robert Plant: Der Herr des Feuers

Sein Symbol bei Led Zeppelin war die Feder. Heute, 37 Jahre nach Ende der Band, sieht sich Robert Plant eher als Botschafter und Träger des Feuers. Davon, so der Mann, der den König der Löwen ohne Make-up geben könnte, habe er jede Menge. Und das sei in Zeiten der globalen Dunkelheit wichtiger denn je.

Eine Audienz bei Mr. Plant ist ein schwieriges Prozedere: Der Meister verbietet sich im Vorfeld jegliche Fragen zu Led Zeppelin, dem Plagiatsprozess vor einem kalifornischen Gericht und erst recht zu irgendwelchen Reunion-Ge­­rüchten. Das lässt er sich schriftlich bestätigen, gewährt seinen Gesprächspartnern ge­­rade mal zehn Minuten seiner kostbaren Zeit und sagt dann alle Termine kurzfristig ab – es würde ihm gerade nicht so gut passen.

Bei der Neuansetzung wenige Tage später zeigt er sich dann etwas zugänglicher, jovialer und fängt schließlich selbst an, von Dingen zu reden, über die er eigentlich nicht reden will. Und siehe da: So große Probleme scheint er damit gar nicht zu haben. Aber immer der Reihe nach. Beginnen wir mit dem inzwischen elften Solo-Album seiner Karriere.

Robert, wie viel Feuer hast du dieser Tage in dir?
Oh, eine Menge – ich brenne förmlich! (lacht)

Wie kommt‘s?
Schaut euch um auf dieser Welt! Überall herrschen Armut, Krieg, Dummheit und Ig­­no­ranz. Mit neuen Despoten, Demagogen und Rechtspopulisten. Es ist, als ob die Menschen nichts aus der Vergangenheit gelernt hätten – als ob sie dieselben Fehler machen. Das ist extrem traurig.

Was du in dem Song ›Craving Up The World Again… A Wall And Not A Fence‹ aufgreifst und ein wenig schmeichelhaftes Fazit ziehst: Die Welt ist nicht mehr so lebenswert. Das Ergebnis von offenem Nationalismus und Rassismus?
Ja, und das ist eine fürchterliche Entwicklung. Eine, die auf vollkommenem Unverständnis und einem Mangel an Weitsicht und Wissen basiert. Trumps Idee von einer Mauer an der Grenze zu Mexiko ist ein überholtes Modell, das auf dem Bau einer chinesischen Sicherheitsanlage vor über 2000 Jahren basiert. Das ist also so progressiv und revolutionär wie ein Kropf. Und es ist völliger Blödsinn, weil das rein gar nichts bewirken würde. Die Leute finden immer Wege, um sie zu umgehen oder zu überqueren. Und der größte Witz ist: Amerika braucht die Arbeitskräfte aus Lateinamerika. Sie sind das Rückgrat der US-Wirtschaft – die Leute, die in all den Jobs arbeiten, für die sich weiße Amerikaner zu schade sind. Insofern: Wie kann man Menschen ausgrenzen, ohne die man im Endeffekt gar nicht existieren kann? Und was Europa betrifft: Die Idee von der Rückkehr der starken Nationalstaaten ist ein Witz! Gerade was Großbritannien betrifft. Die EU ist das Beste, was uns Briten passieren konnte und wir können eigentlich gar nicht ohne. Wie alle Länder Westeuropas brauchen wir uneingeschränkten Handel, offene Grenzen und Arbeiter aus aller Welt. Wir können uns nicht abschotten und alles alleine machen. Das ist so etwas von engstirnig und realitätsfremd. Und das wurde den Menschen von Po­­litikern eingetrichtert, die nur ihre eigenen Interessen verfolgt haben – auf dem Rücken der Bevölkerung. Es ist eine Schande, was da passiert ist und dass es überhaupt so weit kommen konnte.

Die USA beschreibst du in ›New World‹ als Land, das auf Völkermord an den Indianern basiert, auf krankhaftem religiösen Fanatismus und einer falschen Vorstellung von Freiheit. Trotzdem hast du dort jahrelang gelebt.
Das habe ich – aber wohl wissend, dass das nicht der Garten Eden ist. So naiv bin ich nicht. Aber ich war dort in einer festen Beziehung und habe ein gutes Leben geführt – bis zum Dezember 2016 …


Als du dich von US-Singer/Songwriterin Patty Griffin getrennt hast?

Oder sie von mir …

Weil du dich nach vier Gläsern Thatchers-Cider in einen typischen, lauten Brummie, einen Ureinwohner der West-Midlands, verwandelst?
Hast du das auf meiner Homepage gelesen? Ja, ich fürchte unter Alkoholeinfluss mutiere ich zu etwas, das ganz tief in mir steckt. Eben die Art von Mann, wie sie schon mein Vater und mein Großvater waren – laut, polternd und ganz anders als im täglichen Leben. Und damit muss man klarkommen. Zumal ich gerne Cider trinke. Das tue ich wirklich. Doch Patti fand es scheinbar nicht so lustig, dann mit mir klarzukommen. Wahrscheinlich ist das auch wirklich nicht einfach.

Eine Trennung, die dir ziemlich nahezugehen scheint. ›A Way With Words‹ und das Titelstück zeugen von ziemlichem Liebeskummer.
Natürlich lässt mich das nicht kalt, wenn so eine Beziehung, die etliche Jahre funktioniert hat, plötzlich auseinanderbricht. Da macht man sich schon Gedanken, ob man etwas falsch macht im Le­­ben. Oder warum seine Partnerschaften nicht halten.

Und?
Na ja, ich denke ich bin halt kein einfacher Mensch. Noch nie gewesen. Ich habe einen ziemlichen Dickkopf und lebe ihn gerne aus. Damit klarzukommen, ist be­­stimmt nicht leicht. Aber hey, so bin ich nun mal. Und ich denke nicht, dass ich mich noch ändern werde.

Dagegen bist du musikalisch sehr abenteuerlustig, progressiv und wandlungsfähig.
Danke Mann! Genau darum geht es mir. Und das hört man auch auf CARRY FIRE.

Das Album ist ein Hybrid aus Folk, Rock und Blues. Mit einem hypnotischen, monotonen Vibe. Ist das Brummie-Trance?
(lacht) Sehr gut! Es ist definitiv ein Mix aus den Musikformen, die ich liebe. Und es hat etwas sehr Intensives, Dichtes, fast Fieberhaftes. Deswegen sage ich gerne, es ist meine Art von Trance oder Rave. Eben Black Country Rave, basierend auf traditioneller, zeitloser Musik, mit einem sehr sphärischen Element, das viele, starke Kopfbilder erzeugt, den Hörer auf eine Reise schickt und zeigt, wie stark handgemachte Musik sein kann. Also dass es letztlich nur um die Art geht, wie man sie spielt. Und nicht so sehr, welche Technik man verwendet. Das ist sekundär.